Sieht man den glockenförmigen, lilaroten Schirm der Seewespe durchs Meer gleiten, vorwärts getrieben durch gleichmäßiges, rhythmisches, pulsierendes Ausstoßen von Wasser, die rötliehen, büschelförmigen Fangfäden nachschleppend — man würde nicht glauben, hier das wohl gefährlichste giftige Meerestier überhaupt vor sich zu haben. Seine Heimat ist die nordaustralische Küste.

In den kühleren Gefilden von Nordund Ostsee, auf der anderen Seite der Erde, badet man allerdings nicht annähernd so gefährdet. Unsere heimischen Quallen sind, zwar mit der Seewespe verwandt, harmloserer Natur. Die häufigste Art, die an den vier violetten Ringen im sonst farblosen Körper zu erkennende Ohrenqualle, kann dem Menschen keinerlei Schmerzen zufügen. Anders die rötliche Feuer- oder Nesselqualle, als "Löwenmähne" den Lesern von SherlockHolmes Krimis wohlbekannt: Ihre bis zu einem Meter langen Tentakelbüschel erzeugen bei Berührung höchst unangenehme, jedoch nur in Ausnahmefällen tödliche Verbrennungen Ähnlich verhalten sich auch die bei uns vorkommenden anderen Arten.

An den Küsten des Mittelmeers oder der Atlantikinseln muß man dagegen mit gefährlicheren Quallenarten rechnen. Dazu gehört die "Portugiesische Gallere", die sich mit Hilfe einer gasgefüllten Blase an der Wasseroberfläche hält und mitunter in Tausenden von Exemplaren an die Küsten Teneriffas gespült wird. Die Berührung ihrer von Giftkapseln starrenden Tentakel ist höchst schmerzhaft und kann zum Kollaps, zu Kopfschmerzen, Schüttelfrost und Fieber führen, in schweren Fällen sogar zu Muskelkrämpfen, Atemnot, Lähmungen und zum Tod durch Herzstillstand.

Die Giftwaffe der Quallen, die Nesselzelle, funktioniert mit der kompliziertesten Mechanik, die wir kennen. Die kleinen eiförmigen Gebilde — nur etwa ein bis zwei Hundertstel Millimeter groß —, die zu Zehntausenden wie Beeren an den Fangfäden hängen, besitzen feine Härchen an der Spitze Werden diese Tasthärchen, aber auch nur ganz sacht, berührt, explodiert die Zelle mit einem Druck von annähernd 180 atü: Der Deckel wird abgesprengt, heraus klappen zwanzig scharfe Stilette, die die Haut oder den Chitinpanzer des Opfers aufreißen, sich in der Wunde verankern und den Weg bahnen für den Giftpfeil, einen langen, porösen Schlauch, der in die Wunde schießt und ein lähmendes Nervengift verspritzt. Der ganze Vorgang dauert nur den Bruchteil einer Sekunde.

berührt natürlich Hunderte von Nesselzellen auf einmal, so daß große Hautflächen rot genesselt erscheinen. Während robuste Naturen nur ein Hautjucken verspüren, reagieren andere besonders empfindlich auf das Nesselgift und können von den starken Schmerzen bewußtlos werden. Wer außerdem in einem Sommer schon die zweite Begegnung mit dem Nesselgift hat, ist bcsoaders gefährdet: Der Körper reagiert dann viel heftiger als beim erstenmal.

zunächst die schleimigen Tentakel unwirksam gemacht werden. Dafür eignet sich Alkohol, verdünnter Salmiakgeist oder eine Lösung von doppeltkohlensaurem Natron (Backnatron). Bei gehäuftem Auftreten von Quallen stellen die Kurverwaltungen mitunter Fässer mit solchen Gegenmitteln am Strand auf. Im Notfall kann man die betroffenen Hautpartien auch mit Zucker, Salz oder trokkenem (!) Sand abreiben. Nach < Trocknen lassen sich die Tentakel dann mit einem Messerrücken oder ojuem Stückchen Holz abschaben. Vorsichtig mit frischem Wasser oder feuchtem Sand, denn noch intakte Nesselzellen könnten sich dabei noch entladen.

Schmerzen nach kurzer Zeit. Treten ernstere Symptome, wie Schüttelfrost, Lähmungen oder gar Kollaps auf, sollte der Patient auf den Rücken gelegt und notfalls mit künstlicher Beatmung und Herzmassagen behandelt werden, bis der Arzt kommt.