Im "Sportswear" durch den nächsten Herbst und Winter

Von Marietta Riederer

München schwappte wieder einmal über an Mode. Sie präsentierte sich in den Messehallen, Modezentren, Luxushotels und Privaträumen der Konfektionäre, sickerte in Fußgängerzonen und tauchte nachts in Nobelkneipen und Diskotheken wieder auf. Die 37. Modewoche-München hat mit 1720 – Ausstellern aus 26 Ländern – zum erstenmal war auch die DDR offiziell vertreten – das Neue für Herbst und Winter dem Einzelhandel zum Ordern und der Presse vorgestellt.

Der große Run nach Mode, weg vom Konventionellen, zielte auf Kontraste, die kombiniert werden. So wird in der kommenden Herbst- und Wintersaison Maskulines mit Femininem, Kurzes mit Langem, Schlankes mit Weitem – und das alles in den verschiedenen Stoffarten – in ungewöhnlicher Weise gekoppelt. Das "Sportswear" – ein neuer Begriff aus den USA für Kombinationsmode, die nichts mit Aktivsport zu tun hat – gehört in unser modernes Leben und gefällt, weil es nonchalant wirkt und alle Basiskleidungsstücke einbezieht.

Hinzugekommen ist "Dandy" oder das neue Hosengirl. Es hat dem Partner Krawatten, Westen und Hemden aus Waschwolle stibitzt, ihm den typischen schmalen Herrenschal, Hut und Schildmütze aus englischem Tweed und Fischgrat-Jackett abgenommen. Dazu ist es in Röhrenhosen gestiegen und in hochhackige Stiefeletten geschlüpft. Doch, maskulin will dieser Dandy keinesfalls aussehen, denn schnell werden Hosen mit Röcken gewechselt. Krawatten, am Tag mehr oder weniger salopp gebunden, sind gestrickt, aus Tweed oder gemustertem Woll-Etamine; am Abend sind sie schwarz, lang und schmal wie ein Rufzeichen, liegen über kostbaren weißen Seidenblusen oder werden mit stark verrutschtem Knoten locker um den bloßen Nacken gelegt und mit Schmuck besteckt, als wären sie Halsketten.

Kleider im Sportswear-Programm haben lockere Oberteile mit weiten, breit eingesetzten Ärmeln und zierlichen Kragen. Miedergürtel aus dem Kleiderstoff, rückwärtsgekreuzt und vorne gebunden, seitlich geknüpfte Tücher oder superlange schmale Ledergürtel betonen die Taille. Viele Kleider sind aber gar keine Kleider, sondern geschickt getarnte Zweiteiler; doch alle werden mit bequemen Jacken, Westen vieler Art, transparenten Longshawls oder großen Schultertüchern kombiniert.

Herbstwaldfarben bestimmen alle Kollektionen. Rotbuche, Hagebutte, Rosenholz und reife Kastanie vertreten die warmen Töne; Taubenblau, Farngrün, Kiesel- und Steingrau oder Blaubeere stehen für die kühle Palette. Holztöne, von Borke bis frische Hobelspäne, lösen die bisherigen Gewürzfarben ab und, oh Wunder, alle lassen: sich untereinander kombinieren. Man achte besonders auf leichte Tweeds, Shetlands, schaumige Mohairs, Cordsamte, neue Schottenstoffe, leichtgewichtige aufgerauhte Baumwolle, Woll-Etamine und Seidentwills – auch sie kommen meistens als vielteilige Ensembles.