Bei Australiens Regierungschef Fraser genießt die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft kein allzu hohes Ansehen. Sie sei eine "kleine, engstirnige Handelsgruppe, die versucht, den Rest der Welt nach ihrem Gutdünken zu gängeln". Die Australier stört der europäische Protektionismus und die kurzfristige Verschiebung der europäisch-australischen Handelsgespräche durch Brüssel.

Die zunehmenden Versuche der EG, die lästige Konkurrenz aus Drittländern von den eigenen Märkten fernzuhalten, irritiert inzwischen viele unserer Handelspartner, die den bisherigen Agrarprotektionismus gerade noch hingenommen haben. Die Australier, die ihre Importe aus Europa in den vergangenen Jahren kräftig gesteigert haben und ihre wachsenden Defizite in der Handelsbilanz mit Sorge sehen, drohen inzwischen mit harten Gegenmaßnahmen.

Allerdings: Die Australier sind auf dem Gebiet des Protektionismus selber nicht gerade Unschuldslämmer. Die Regierung Fraser hat in den letzten Jahren ein kompliziertes System von Zöllen, Einfuhrquoten und anderen Abwehrmaßnahmen eingeführt, um die heimische Industrie vor dem rauhen Wind des Wettbewerbs zu schützen. In Brüssel wie in Canberra gilt, daß zwar die Sünden der anderen angeprangert, die eigenen Fehltritte dagegen als verantwortungsbewußte Politik deklariert werden.

mj