Von Jürgen Werner

Seit Anfang dieser Woche stehen die 40 besten deutschen Fußballspieler fest. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gab ihre Namen nicht nur der deutschen Öffentlichkeit, sondern auch dem Internationalen Fußball Verband (Fifa) bekannt: das vorläufige Aufgebot für die Fußballweltmeisterschaft vom 1.–25. Juni 1978 in Argentinien ist damit benannt.

Am 23. Mai werden dann davon endgültig 22 Spieler nach Südamerika fliegen, 18 enttäuschte mit Bundestrainer Helmut Schön hadern, Millionen deutscher Fußballfans als seine geheimen Stellvertreter ihr Plazet oder ihren Protest formulieren. Die Situation ist da: Franz Beckenbauer, 1974 als Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft, die Weltmeister wurde, bester Libero der Welt, ist 1978 nicht mehr dabei.

Kein Grund zum Grübeln, so meine ich, weil Retrospektiven nichts nutzen. Denn der Ruf nach dem Retter aus deutscher Fußballnot ist schon Tradition: 1962 in Chile personifizierte sich diese Hoffnung in Fritz Walter. 1974 waren es bei schlechten Spielen der deutschen Mannschaft die Uwe-Uwe-Rufe der Massen. Doch so wahr es ist, daß Franz Beckenbauer in Bestform in der Welt fast unerreicht war, so richtig ist es, daß die deutsche Mannschaft ohne Beckenbauer von den letzten 14 Spielen nur zwei verlor (gegen Frankreich und Brasilien), aber gegen Gegner gewann, die – wie etwa Italien oder Argentinien – zu den Mitfavoriten des Turniers zählen.

Im Eröffnungsspiel am 1. Juni 1978 in Buenos Aires gegen Polen aber sind alle diese Überlegungen auch für die deutschen Spieler nur noch historische Erinnerungen, deren Wert an ihrer aktuellen Leistung gemessen wird: Hier ist Südamerika, hier geht’s zur Sache.

Helmut Schön kommentierte die Situation und Stimmung der Nationalspieler dann auch treffend mit den Worten: "Jetzt weiß jeder Bescheid, worum es geht. Nun kehrt Ruhe bei uns ein, die wir alle dringend benötigen."

Die Liste der 40 Auserwählten, von denen dann 22 auserkoren werden, beweist die seit Monaten von Helmut Schön vertretene These, sein Kreis stehe in großen Umrissen fest. Der erste Eindruck: es gibt keine sensationellen Überraschungen. Der zweite: Unter den Genannten befinden sich einige Spieler, wie etwa Uli Hoeneß von Bayern München oder Georg Volkert vom HSV, denen der Bundestrainer nur noch signalisieren will, "Ihr seid nicht vergessen", andere – junge und unverbrauchte – wie etwa Wilfried Hannes von Borussia Mönchengladbach oder Klaus Allofs von Fortuna Düsseldorf, an die Helmut Schöns designierter Nachfolger nach der Fußballweltmeisterschaft, Jupp Derwall, für zukünftige Planungen gedacht haben mag.