Zahlen für wen?

Seit 1891 können die Peruaner gegen Eintrittsgeld in der Kathedrale von Lima den Glassarg mit den mumifizierten Überresten Francisco Pizarros besichtigen, jenes conquistadors, der das Inkareich niederwarf und 1541 von dem Sohn eines Rivalen ermordet wurde. Doch im Juni vergangenen Jahres wurde bei Bauarbeiten unter dem Fußboden der Krypta zufällig ein Kasten mit der Aufschrift "Kopf des Francisco Pizarro" entdeckt. Der Schädel paßt zu einem gleich daneben gefundenen Skelett. Offiziell wird der Jahrhundert-Irrtum noch nicht zugegeben: Erst will man zweifelsfrei wissen, wer denn nur die Mumie ist, die immer noch für zehn Soles (rund 40 Pfennig) zu besichtigen ist.

Aparte Apartheids-Visionen

Seit Jahren heißt die Faustregel der südafrikanischen Apartheidpolitiker: 83 Prozent des Landes gehören den vier Millionen Weißen, 17 Prozent den fast 20 Millionen Schwarzen. Sie sollen in den ihnen zugewiesenen sogenannten Heimatländern leben, nur dort bekommen sie ihre Staatsbürgerschaft. Nun scheint Pretoria mit einer neuen Spitzfindigkeit den Apartheid-Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen zu wollen. In Zukunft, so ließ der für die Angelegenheiten der Schwarzen zuständige Minister Mulder wissen, werde es überhaupt keine südafrikanische Staatsbürgerschaft mehr geben. Denn Südafrika sei gar kein Einheitsstaat, sondern ein Subkontinent, in dem auch die Weißen, Mischlinge und Asiaten – für die beiden letzten Gruppen offensichtlich ein bedeutendes neues Zugeständnis – ihr Recht auf einen eigenen Staat und eine eigene Nation hätten. Heißt das, so läßt sich fragen, daß sich in Zukunft die Weißen wieder in Mini-Völker mit holländischer, englischer, deutscher, französischer und sonst welcher Herkunft aufspalten sollen, in Katholiken und Protestanten, in Juden und Atheisten? Sollen sie alle ihren eigenen Staat bekommen, damit durch eine weitere absurde Verrenkung das künstliche Gebäude der Apartheid aufrechterhalten bleibt?

Preisträger Stehle

Hansjakob Stehle, ZEIT-Korrespondent und Rundfunkjournalist in Rom, erhielt den mit 10 000 Mark dotierten Joseph-Drexel-Preis, der für hervorragende journalistische Leistungen auf dem Gebiet der Berichterstattung aus dem Ausland verliehen wird. In der Verleihungsurkunde heißt es: "Hansjakob Stehle hat seit mehr als zwanzig Jahren mit vielfach avantgardistisch zu charakterisierenden Leistungen die Verständigungspolitik im europäischen Maßstab vertreten und verteidigt. Er hat als journalistischer Wegbegleiter alle Formen der Entspannungspolitik bereits zu einer Zeit gefördert, als hierzu noch publizistischer Mut gehörte ... Seine Aufgabenerfüllung als Korrespondent deutscher Organe, insbesondere der Wochenzeitung DIE ZEIT, in Warschau und anschließend in Rom, belegen neben dem hohen Niveau der Ausführungen eine geradezu vorbildliche Weise, das politische Geschehen in fremden Staaten dem deutschen Leser nahezubringen und verständlich zu machen."

Vor dreißig Jahren: Palästina