Kongreß zur Verteidigung der Republik", Beethovensaal der Stadthalle, am vergangenen Wochenende in Hannover: Wissenschaftler und Publizisten – von Carola Stern und Günter Grass über Bernt Engelmann bis hin zu Eugen Kogon – hatten geladen, weil sie unseren Staat und unsere Gesellschaft in Gefahr sehen; weil sie Rückschritt, Illiberalität und Einschüchterung zu erkennen meinen, wo demokratisches Engagement die Zukunft gestalten sollte.

Vier Podiumsgespräche zum Radikalenerlaß, zum Terrorismus, zur sozioökonomischen Entwicklung und zur Wiedergeburt rechtskonservativer und neonazistischer Bewegungen wollten einer breiten Öffentlichkeit Analyse und Argumentationshilfe für die politische Auseinandersetzung liefern. Doch die erhofften Massen, sie blieben aus – auch die Mehrzahl der Einladenden. So wurde zu Appell und Selbstdarstellung, was als historisch nicht ganz überzeugende Neuauflage des machtvollen Kongresses gleichen Namens geplant war, der 1932, kurz vor der nationalsozialistischen Machtergreifung, ebenfalls von Literaten ausgerichtet worden war.

Zu keinem der Podiumsgespräche kamen mehr als 300 Zuhörer. Die Veranstalter der Tagung, eine kleine Gruppe Hinterbliebener aus den vormals recht kopfstarken "Wählerinitiativen für die SPD" und dem PEN-Vorstand, konnten und wollten sich bei ihren Vorbereitungen auf keine Partei oder Gewerkschaft stutzen.

War die schwache Resonanz allein auf die dürftige Vorbereitung des Kongresses zurückzuführen, wie die Veranstalter selbstkritisch vermuteten? Oder ist der Grund nicht eher darin zu suchen, daß die Mehrheit der Bevölkerung gar keine Gefahren sieht und mit dem Staat einverstanden ist?

Carola Stern meinte, eine Woge von Gesinnungsschnüffelei und politischem Meinungsverbot sei über dem Land zusammengeschlagen und habe bürgerliche Freiheitsrechte ausgehöhlt; mit dem "Sprücheklopfen" sei darum endlich aufzuhören, eine "Bürgerbewegung streitbarer Demokraten" müsse ins Leben gerufen werden; sie habe dafür zu sorgen, daß "die jetzige Praxis der Berufsverbote beendet" werde. Rezepte freilich, wie diesen Gefahren zu begegnen sei, wurden nicht geboten. Es sei denn, man wollte den Vorschlägen von Eugen Kogon und Carola Stern politische Kraft und Nähe zur Wirklichkeit unterstellen. Sie regten an, eine Bürgerrechtsbewegung zu gründen und neue "Republikanische Klubs einzurichten, in denen sich alle finden, die guten Willens sind. U.V.