Zum ersten Mal in diesem Jahrhundert "verzinsen" sich Aktien besser als Anleihen und Pfandbriefe. Das ist allein der Körperschaftsteuer-Reform zu verdanken, die am 1. Januar 1978 in Kraft getreten ist. Zu großen Teilen hat sie die Doppelbesteuerung der Aktie beseitigt. Mit der höheren Rendite erhält der Aktienbesitzer eine Prämie für sein "unternehmerisches Risiko".

In der ZEIT Nr. 17 haben wir, meine verehrten Leser, den Rentenmarkt auf günstige Anlagemöglichkeiten abgeklopft. Sieht man von den Chancen ab, die sich auf einigen ausländischen Kapitalmärkten bieten, war das Ergebnis mager. Wer Renditen von sechs Prozent und mehr kassieren will, muß Pfandbriefe mit sehr langen Laufzeiten erwerben und dabei das in ihnen schlummernde Kursrisiko in Kauf nehmen.

In dieser Situation bieten sich deutsche Aktien als Alternative geradezu an, selbst wenn der Börsenhimmel zur Zeit dick verhangen ist. Je tiefer die Kurse fallen, desto höher wird für den Käufer die Rendite.

Eines darf der Aktienbesitzer jedoch nicht übersehen: Er hat es mit zwei Unbekannten zu tun. Im Gegensatz zum Rentenbesitzer, der sich nur mit dem Kursrisiko seiner Papiere herumschlagen muß, der aber seine Nominalverzinsung garantiert bekommt, kann der Aktionär weder der Dividende noch des Kurses seiner Papiere sicher sein.

Wer Aktien aus Renditegesichtspunkten erwirbt, hat deshalb zu prüfen, ob die heute von einem Unternehmen angebotene Dividende auch nachhaltig erzielte ist. Der Käufer muß sich also zwangsläufig mit der Zukunft der Gesellschaften beschäftigen, deren Aktien er zu erwerben gedenkt. Oder aber dem guten Rat eines Kreditinstituts vertrauen. Doch auch eine Bank kann sich irren.

Nach der Körperschaftsteuerreform besteht die Ausschüttung an den Aktionär aus zwei Teilen, einmal aus der Bardividende, zum anderen aus einem Steuerguthaben, das grundsätzlich 9/16 der Bardividende ausmacht.

Zugegeben, meine verehrten Leser, das ist kompliziert. Und wer in diesen Wochen Hauptversammlungen besucht hat, konnte unschwer feststellen, daß noch längst nicht alle Aktionäre mit der Ausschüttungstechnik der Körperschaftsteuerreform vertraut sind. Selbst nicht einmal alle Funktionäre der Wertpapiervereine.