Zäh hält sich in Ost und West die Marxsche Verdammung Bakunins. Zu begrüßen ist daher die Wiederauflage von

"Michail Bakunins Sozialpolitischer Briefwechsel mit Alexander Iw. Herzen und Ogarjow"; Einleitung Arthur Lehning; Karin Kramer Verlag, Berlin 1977; 489 S., 28,50 DM.

Die Arbeit enthält daneben zahlreiche Reden, Broschüren wie "Die Volkssache. Romanow, Pugatschew oder Pestel?" (1862), den "Katechismus des Revolutionärs" (1868), das "Programm der slawischen Sektion der internationalen Arbeiterpartei" (1872).

Bakunin erweiterte vor Marx die Hegelianische Dialektik um eine neue Dimension: die revolutionäre Philosophie der Tat, die soziale Philosophie der Einheit von Theorie und Praxis. Im Gegensatz zu Marx, der sogar "den Staat verstaatlichen wollte", übte er entscheidenden Einfluß auf die I. Internationale und die ideologische Entwicklung ihrer Organisationen im Jura, in Italien und Spanien aus, wies ihnen den Weg des revolutionären Kollektivismus und antistaatlichen Sozialismus. Bakunin ist die große Alternative zu Marx. Seine gesamteuropäische Bedeutung geht damit auch weit über die seiner rußlandorientierten Freunde und Förderer Herzen und Ogarjow hinaus.

Die Edition bedarf freilich mancher Korrekturen. Verwiesen sei deshalb auf die kürzlich erschienene Monographie

Stephen T. Cochrane: "The Collaboration of Nečaev, Ogarev and Bakunin in 1869"; Wilhelm Schmitz Verlag, Gießen 1977; 365 S., 70,– DM.

Den Einfluß von Bakunins anarchischem Sozialismus besonders auf die romanischen Völker scheint der Anarchistenkongreß in Carrara vom vergangenen März zu bestätigen,

Wolfgang Geierhos