Von Heinz Blüthmann

Der Graf bat die versammelten Kaufleute um ein Hoffnungszeichen. Als "gutes Omen für den weiteren Konjunkturverlauf in der Bundesrepublik" wünschte sich Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff vergangene Woche bei der Eröffnung der Hannover Messe nichts sehnlicher als gefüllte Orderbücher.

Verständlich, denn die beiden ersten vollen Monate seiner Amtszeit – Januar und Februar – hatten den 140-Tage-Minister mit guten Vorzeichen nicht gerade verwöhnt. Im Gegenteil: Schwächere Auftragseingänge und eine plötzlich wieder, lahmende Produktion warfen "erneut Schatten auf das Konjunkturbild" (Lambsdorff).

Doch, es war noch nicht einmal Halbzeit auf der größten Industrieschau der Welt, und kaum Gelegenheit, Bilanz zu ziehen, da mußte der Wirtschaftsminister wieder schlechte Nachrichten hinnehmen. Die fünf führenden deutschen Konjunkturforschungsinstitute korrigierten in ihrem Frühjahrsgutachten einhellig die Wachstumsziffer für dieses Jahr deutlich nach unten: Statt auf 3,5 Prozent – wie die Regierung – schätzen sie die Marschzahl für die reale Zunahme des Bruttosozialprodukts nunmehr auf 2,5 Prozent – also nicht höher als für das vergangene Jahr. Bitterste Erkenntnis der Gutachter: "Die erwartete gesamtwirtschaftliche Entwicklung wird auch in diesem Jahr den Arbeitsmarkt nicht entlasten."

Der weiche Dollar und die harten Kämpfe an der Lohnfront mit Streiks in den Häfen, bei den Druckern und in der Metallindustrie, haben nach Meinung der Wachstumsexperten die Unternehmer neuerlich verunsichert: "Nachdem die inländische Nachfrage ... bis zur Jahreswende recht kräftig gestiegen war, kam es danach zu einem Rückschlag."

Der Wirtschaftsminister will freilich noch nicht daran glauben, daß die Konjunktur wieder einen Knacks bekommen hat: Zwei unbefriedigende Monatszahlen, so meint er, seien noch kein Anlaß, den "konjunkturpolitischen Instrumentenkasten nach nicht existierenden Wunderdrogen" zu durchsuchen. Lambsdorff: "Hektik in der Konjunkturpolitik kann nur schaden."

Die Institutsprofessoren dagegen fordern "so rasch wie möglich" eine, steuerliche Entlastung für die Bezieher unterer und mittlerer Einkommen. Und nach dem Motto "Wer schnell hilft, hilft doppelt" wollen sie außerdem im Vorgriff auf diese Tarifreform einen generellen Steuerabschlag von fünf Prozent, der nach dem Stabilitätsgesetz sofort möglich wäre. –