Verzeihung, können Sie mir sagen, wo die Körnerstraße ist?" "Die Körnerstraße?" sagte der Herr und zog die Oberlippe über die Unterlippe, biß sich auf die Unterlippe, senkte den Kopf und hob ihn wieder. Da wich die Spannung aus den Lippen und die Falten in den Mundwinkeln gaben nach. Jetzt mußte er es sagen. Doch er schüttelte den Kopf. Ich bedankte mich. Der Herr wollte aber bestimmt noch etwas sagen, und ich trat einen Schritt zurück. Vielleicht würde er es jetzt sagen, im letzten Augenblick, oder es mir nachrufen? Der Herr hatte wieder den Kopf gesenkt. Er überlegte immer noch, und ich rührte mich nicht. Da hob er seinen Kopf, und ich dachte, jetzt sagt er es. Aber er grüßte nur jemand. Da schüttelte ich den Kopf. Er nickte.

"Wissen Sie vielleicht, wo die Körnerstraße ist?" Die Dame hatte einen Hut auf und nickte. "Die Körnerstraße", sagte sie und nickte nicht mehr. "Ich möchte Ihnen nichts Falsches sagen, aber in der Nähe ist sie." Nickte sie nicht schon wieder? Ihre Augen wurden größer. Ich sagte: "Wenn sie in der Nähe ist?" Sie nickte und sagte: "Ich war in Gedanken eben zu Hause, von dort gehe ich aus, aber ich komme einfach nicht darauf. Die Körnerstraße. Wo ist die Körnerstraße? Wenn Sie weg sind, weiß ich, wo sie ist." Ich ging langsam weg. Sie guckte nach oben. Ich drehte mich um. Nickte sie nicht? Ihre Augen wurden wieder größer.

"Die Körnerstraße soll hier ganz in der Nähe sein." Der Fahrer des Lieferwagens stieg gerade aus und sagte: "Ich hab schon mal davon gehört, aber ich bin noch nicht da durchgefahren, ich seh’ das alles vom Steuer aus, hier ist sie nicht, aber wenn Sie immer geradeaus gehen, kann Ihnen gar nichts passieren." Er stieg wieder ein, fuhr aber nicht ab. Dann drehte er das Fenster runter und guckte. Ich ging geradeaus.

"Sie können mir bestimmt sagen, wo die Körnerstraße ist." Erst hatte sie mich angesehen, und da wollte ich es schon sagen, aber sie ging einfach weiter und ich ging hinterher. "Man wird so oft angesprochen", sagte sie, "aber die Körnerstraße? Von der Körnerstraße hab ich noch nie was gehört." Ich sagte: "Ich muß aber in die Körnerstraße, hier ist sie nicht, aber wenn man immer geradeaus geht?" "Dann wissen Sie ja, wo sie längs gehen müssen, warum sprechen Sie mich denn an?"

Ich ging noch ein Stück geradeaus. Dann blieb ich stehen und fragte den ersten, der vorbeigehen wollte: "Wo ist denn die Körnerstraße." "Das weiß ich doch nicht", sagte er. Und der zweite sagte: "Wenn der das nicht weiß." Der dritte sagte: "Wollen Sie da zu Fuß hin? Nehmen Sie man den Bus." Ich sagte: "Ich gehe lieber immer geradeaus."

Ich ging weiter geradeaus, bis ich merkte, daß ich in der entgegengesetzten Richtung geradeaus ging, und als ich fast wieder dort war, wo ich zuerst den Herrn gefragt hatte, sagte ein Herr: "Ich weiß, wo die Körnerstraße ist, aber warum sind Sie denn umgekehrt?" Ich senkte den Kopf, biß mir auf die Lippen, guckte nach oben und sagte: "Die Körnerstraße?" Meine Augen wurden größer, und die Falten in den Mundwinkeln gaben nach. Da schüttelte der Herr den Kopf und trat einen Schritt zurück. Ich grüßte. Er auch.

Aber wo War er denn? Er war weg.