Hervorragend

Odetta: "Folkpower". Keine Neuheit, aber eine wohlgeratene Sammlung von Volksliedern und Songs aus dem Repertoire dieser schwarzen Amerikanerin, darunter so klassische Exemplare wie "Blowing in the Wind" und das wunderschöne "Little Light of Mine", wie "900 Miles" oder Bob Dylans "Paths of Victory". Odetta zieht sie weit hinauf in die hohe Kunst, aber ohne sie ins Opernhafte zu verschleppen und ihnen irgend etwas von ihrer Ursprünglichkeit zu nehmen, im Gegenteil: Ich habe diese Lieder nie so ergreifend empfunden. Das liegt an dieser sehr ausdrucksvollen, schwingenden, warmen und auch zupackenden, auffallend behutsam begleiteten Altstimme und an der gelassenen, gänzlich unaffektierten Art des Gesanges (RCA CL 42217)

Ron Carter Quartett: "Piccolo". Das ist womöglich die schönste Vorstellung, die der Jazz-Bassist Ron Carter je gegeben hat, aufgenommen in einem Etablissement mit dem Namen "Sweet Basil" in New York: musikalisch dicht, einfallsreich und konzentriert, dabei unprätentiös, heiter und so swingend wie selten in dieser Disziplin. Die Art von Jazz, die die vier (neben Carter am Pikkolo-Baß sind das Kenny Barron am Kontrabaß, Buster William am Klavier, Ben Riley am Schlagzeug) machen, fällt unter das großmütige Rubrum Modern Jazz; was ihre Musik aber so packend macht, ist die Zartheit des Quartettspiels, das jedem der vier Gelegenheit gibt zu oft sehr poesievollen, geduldig ausgesponnenen Soli. (Milestone M–55004; Toledo, Wittelsbacher Str. 18, Berlin 31) Manfred Sack

Zwiespältig

Bob Welch: "French Kiss". Anonymer Rock vom ehemaligen Fleetwood-Mac-Gitarristen, der sich nicht auf die Qualität seiner Songs verlassen mag und nun herumexperimentiert. Er macht konfuse Arrangements und kopiert alle möglichen Erfolgsrezepte vom Disko-Funk bis zum Space Rock der Steve Miller Band, und wo eine simple Folk-Melodie viel effektvoller klänge, flieht er in orchestrale Übertreibungen. Solche Rockmusik vom Fließband spekuliert auf den anonymen Konsumenten von Hitparaden. (Capitol 1 C 064-85 266)

Franz Schüler

Erbärmlich

"Die Biene Maja" (nach Waldemar Bonseis). Von Karel Gott schluchzend angekündigt, surrt Biene Maja in die 6. Runde. Das Hör-Erlebnis in allen diesen Folgen: kleingehäckselte Hörfetzen, Stimmenwirrwarr, Surren, Pfeifen, Zirpen, Stöhnen, Wimmern und ein Titelsong. Hektische Dialoge werden mit Geräuschteppichen unterlegt oder; verdeckt. Diese LP (von Polydor stolz als "Original Soundtrack" annonciert) liefert die arme Geräuschkopie der ZDF-Serie, ein verstümmeltes Produkt also, wenn man so kühn ist davon auszugehen, daß die TV-Macher sich bei der Zusammenstellung von Bildern und Ton etwas gedacht haben sollten. Die Abfall-LP hat sich vom Fernsehen Huckepack nehmen lassen und ist die Verkaufssensation der Branche geworden. Sie wurde 1977 allein mehr als zweimillionenmal verkauft. Zahlen sprechen für sich. (Polydor 2432 185) Ute Blaich