Von Heinz Benölken

Für junge Menschen, die einen kaufmännischen Beruf erlernen wollen, war eine Ausbildung zum Bankkaufmann schon immer besonders erstrebenswert. Diese Grundausbildung hat traditionell den Ruf, eine Art Passepartout-Ausbildung für spätere Laufbahnen im gesamten kaufmännischen Bereich (z. B. auch in den Finanzabteilungen von Industrieunternehmen und Warenhandelsunternehmen) zu sein. Dementsprechend groß ist die Zahl der Bewerber, die sich um eine Stelle als Auszubildender im Kreditgewerbe bemühen. Sie übersteigt die angebotenen Stellen oft um mehr als das Zehnfache,

Die Attraktivität des Ausbildungsberufes "Bankkaufmann" hat gerade in den letzten Jahren, bedingt durch erschwerten Hochschulzugang (Numerus clausus) und Akademiker-Schwemme, eher noch zugenommen. So mancher, der in früheren Jahren ein Hochschul- oder Fachhochschulstudium angestrebt hätte, geht heute angesichts einer zunehmenden Akademiker-Arbeitslosigkeit, z. B. in den pädagogischen Berufen, auf "Nummer Sicher" und möchte sich eine "solide" Berufsgrundlage durch eine Ausbildung im Kreditgewerbe verschaffen. Das spiegelt sich in dem hohen Anteil der Auszubildenden mit Abitur oder dem Abschluß einer Höheren Handelsschule wider: Hierüber verfügt fast jeder Dritte der insgesamt etwa 35 000 Auszubildenden in den Sparkassen, Banken und Genossenschaftsbanken, wovon die Sparkassenorganisation mit etwa 15 000 fast die Hälfte stellt.

Der staatlich anerkannte Ausbildungsberuf "Bankkaufmann" ist durch die Verordnung über die Berufsausbildung zum Bankkaufmann vom 10. 5. 1973 gegeben, die gemeinsam mit dem Berufsbildungsgesetz die rechtliche Grundlage für die Berufsausbildung im Kreditwesen darstellt. Im Mittelpunkt dieser Verordnung steht ein ausführlicher Katalog von Ausbildungszielen (Grundkenntnisse, umfassende Kenntnisse, Mitwirken bei Arbeits- und Geschäftsvorgängen, selbständiges Bearbeiten von Arbeits- und Geschäftsvorgängen), die vom Lehrling bis zum Ende der Ausbildungszeit erreicht sein müssen.

Das Ausbildungsberufsbild spannt sich von allgemeinen Kenntnissen und Fertigkeiten, die auch für andere kaufmännische Berufe Gültigkeit haben, über Kenntnisse im Zahlungsverkehr, Geld- und Kapitalanlage, Finanzierung bis hin zum Rechnungswesen, Organisation und Datenverarbeitung. Auf diesem Ausbildungsberufsbild baut ein Ausbildungsrahmenplan auf, in dem in detaillierter Form alle Teilbereiche des Ausbildung sowie die zeitliche Strukturierung in den einzelnen Ausbildungsjahren festgelegt ist. Die Ausbildungsdauer beträgt 36 Monate, kann aber je nach den Bildungsvoraussetzungen des einzelnen verkürzt werden. Vorgeschrieben sind eine Zwischenprüfung (frühestens nach 12 Monaten) und eine Abschlußprüfung, die sich auf die Prüfungsfächer Bankwirtschaft und Betriebslehre, Wirtschaftslehre und Politik, Rechungswesen, automatisierte Datenverarbeitung und Verwaltung sowie auf praktische Übungen erstreckt. Derzeit wird die Ausbildungsordnung mit dem Ziel überarbeitet, sie besser als bisher mit den Lehrplänen der Berufsschulen abzustimmen. Mit einer Neufassung der Ausbildungsordnung ist zu Beginn des Jahres 1979 zu rechnen,

In ihrem weiteren Werdegang wird ein großer Teil der frischgebackenen Bankkaufleute für verkäuferische Funktionen ausgebildet. Das praktische Training in der Kundenberatung erwirbt der junge Bankkaufmann durch die Kundenbedienung am "Schalter" in der Hauptstelle und den Zweigstellen seines Institutes, Dabei besteht eine Tendenz des "weg" von den geschäftsspartenorientierten Schaltern (z. B. Privatgiro, Spar-, Geschäftsgiro) und hin zum geschäftsspartenübergreifenden Verkaufsgespräch. Wer sich hier "vor Ort" bewährt hat, kann über praktische Erfahrungen in der Kundenberatung in die Funktion eines leitenden Mitarbeiters im Verkauf (Gruppenleiter an größeren Geschäftsstellen, Zweigstellenleiter) nach und nach hineinwachsen. Darüber hinaus bieten sich heute hervorragende Karriereaussichten im Auslandsgeschäft (inländische Zentrale oder Auslandsniederlassung) sowie in der Anlage- und Vermögensberatung.

Für den mehr betriebswirtschaftlich und banktechnisch interessierten jungen Bankkaufmann bieten sich aber auch eine Reihe von Ausbildungswegen im innerbetrieblichen Bereich, z. B. im Rechnungswesen, in der Organisation und Datenverarbeitung sowie im Stabsstellenbereich, Hier werden meist praktische Erfahrungen in den kundenorientierten Bereichen der Hauptstelle bzw. in den Zweigstellen vorausgesetzt.