Mittelmäßig

"Ein verrücktes Huhn" von Philippe de Broca. Ein kleiner Unfall an einer Kreuzung bringt sie in Kontakt: die quirlige Mittvierzigerin, geschiedene Mutter einer kleinen Tochter (Annie Girardot), und den Griechisch-Professor an der Sorbonne mit Hang zu gutem Essen und kirchlichen Chorälen (Philippe Noiret). Doch die sich anbahnende herbstliche Romanze gerät zu einem hektischen Hindernisrennen verkorkster Rendezvous’. Denn Madame ist von Beruf Kripo-Kommissarin, und eine Mordserie an Politikern hält sie auf Trab. Wie de Brocas vorletzter Film "Zähme mich – liebe mich" folgt auch "Tendre poulet" amerikanischen Vorbildern (von Hawks bis McCarey), in denen unberechenbare Frauen etwas unbeholfenen Männer aus ihrem Junggesellentrott reißen und in turbulente Abenteuer stürzen. Es ist eine "comédie à l’américaine" mit Thriller-Touch, bei der de Broca allerdings mehr an kauzigen Charakteren interessiert ist als an der Kriminalhandlung. Amüsante Details (etwa ein "Agnus Dei" in einem Pariser Bistro, und die komödiantische Verve von Girardot/Noiret versöhnen mit manchen Längen. Helmut. W. Banz

"Der Untermieter? von Herbert Ross. Noch eine – leidlich komische – Zimmerschlacht aus der Werkstatt des New Yorker Boulevard-Veteranen Neil Simon ("Ein seltsames Paar", "Die Sunny Boys"). Unter der kaum inspirierten Regie von Herbert Ross, der zuletzt das in Amerika völlig überschätzte Ballett-Melodram "Am Wendepunkt" drehte, befehden und verlieben sich Marsha Mason als alternde Tänzerin und Richard Dreyfuss als glückloser Shakespeare-Darsteller, der in einer Off-Off-Broadway-Produktion Richard III. als grelle Tunte mimen muß. Die amerikanische Filmakademie war von dieser abgeschmackten Nummer offenbar so begeistert, daß sie Dreyfuss (zuletzt in "Unheimliche Begegnung der dritten Art") mit dem diesjährigen Oscar auszeichnete.

Hans C. Blumenberg

Ärgerlich

"Leidenschaftliche Blümchen" von André Farwagi. Fünf laut Drehbuch fünfzehnjährige Insassinnen eines vornehmen Schweizer Internats gründen einen Klub, um mit den Jungen des benachbarten Instituts in geschäftliche Verbindung zu treten. Einziger Zweck des Unternehmens: Die jungen Damen möchten ihre Unschuld verlieren. Das allerdings gelingt am Ende von 90 quälenden Minuten nur der "Bambi"-Gewinnerin Nastassja Kinski. Regisseur Farwagi, der bei der Berlinale 1969 für seinen Film "Un Temps de Mourir" immerhin den internationalen Kritikerpreis erhielt, inszenierte die Pubertäts-Story nach dem Roman "The Passion Flower Hotel" von Rosalind Erskine: mit einem nostalgischen Rückblick auf die fünfziger Jahre (Ausstattung: Kurt Raab), mit einigen wenigen, stets durch Weichzeichner getrübten Ausblicken auf ein Brüstchen hier und ein Schenkelchen dort und mit einem deutlichen Seitenblick auf David Hamiltons "Bilitis". Das Ergebnis: ein Lolita-(Soft-)Porno mit Paukerfilm-Touch. Rolf Thissen

Empfehlenswerte Filme

"Das andere Lächeln" von Robert Van Ackeren, "halbe-halbe" von Uwe Brandner (siehe S. 48). "Kreutzer" von Klaus Emmerich. "Die gläserne Zelle" von Hans W. Geissendörfer. "Harry und Tonto" von Paul Mazursky. "Mad Dog" von Philippe Mora. "Unheimliche Begegnung der dritten Art" von Steven Spielberg.