ARD, Sonntag, 30. April, 21 Uhr: "Die Manfred von Richthofen Story – eine Legende." Buch und Regie: Benton Claus Lombard

Erschöpftes Schweigen herrschte im kleinen Vorführraum des Studio Hamburg. 95 Minuten Kriegsgedonner und Popgesang hatten die zur Pressevorführung eingeladenen Journalisten hinter sich, und schließlich meldete sich schüchtern aus den hinteren Reihen eine Kollegin mit der Frage: Mußte denn das sein, soviel Kampfszenen, soviel Erster Weltkrieg? Des Autors indignierte Antwort fiel kurz aus: Dies sei schließlich ein Kriegsfilm. Das stimmt natürlich, überzeugt aber nicht ganz, das Œuvre ist unnötig lang und unnötig enervierend geraten.

Ein Kriegsfilm, ja, denn der Mann, um den es geht, konnte nur durch den Krieg zum Helden werden, zum Idol der Jugend, zum Schwarm junger Mädchen und schließlich zum Mythos, der bis in unsere Zeit hineinwirkt, und hier vor allem kommerziellen Interessen dient: Manfred von Richthofen, der "Rote Baron", erfolgreichster Kampfflieger im Ersten Weltkrieg, Kommandeur des "fliegenden Zirkus" aus einer Truppe von "tollkühnen Männern ... ohne Nerven und Sentimentalität". Für seine tödlichen Erfolge schüttelte ihm der Kaiser die Hand, wurde er mit dem Orden "Pour le mérite", vierundzwanzigjährig, ausgezeichnet. Das war seine Bilanz, als er am 21. April 1918 selbst Opfer wurde, abgeschossen von einem Engländer oder einem Australier – darum streiten sich seine Feinde von einst, die gleichzeitig seine Bewunderer waren, immer noch, und der Film enthält dazu bisher nicht gesehenes Archivmaterial: 80 Abschüsse, 75 Gefallene, 16 Vermißte und 25 Gefangene.

"Ist das die Strecke eines passionierten Jägers, eines ehrgeizzerfressenen Kunstschützen? War er ein Killer? Wer war Manfred von Richthofen?" fragt der Autor. Er kommt zu einem kritischen Bild, das nicht ganz frei ist von Bewunderung und aus zum Teil kurzweiligen, ja spannungsreichen Passagen zusammengefügt wurde – aber im Ergebnis wohl für Historiker nicht viel Neues bietet. Manfred von Richthofen, ein pflichtbewußter Preuße, Offizierserziehung, Kadettenanstalt– ein "klassischer Junker, dessen Energie und Willensstärke andere mitriß".

– Ein Einzelgänger war er, mit einem Hund als Freund. Sein Kriegshandwerk aber hat er offenbar nicht nur in aufopfernder Pflicht, sondern auch mit Passion ausgeführt. Seinen Schülern brachte er bei: "Verschwenden Sie Ihre Kugeln nicht am Material, zielen Sie auf den Mann." An die Mutter schrieb er: "Liebe Mama, das Herz schlägt einem höher, wenn der Gegner – dessen Gesicht man eben noch gesehen hat, in Flammen gehüllt abstürzt." Für jeden Abschuß kredenzte er sich selber einen kleinen Silberpokal.

Das war der "Rote Baron" von 1918, der von 1978 ist zum Comic ("Snoopy") geworden und zum Werbegag für die Lufthansa in Amerika. Der Mythos des Barons, den der Film auch untersuchen will – "gestern und heute" – hat also reichlich triviale Formen angenommen. Um so besser. Und da gibt es sogar eine Popgruppe, fünf junge Männer, die sich "Red Baron" nennen und seichte Songs über den einstigen Helden verfaßt haben ("Flying Circus has a dog", "It’s over"), die sie im Film immer mal wieder vortragen dürfen, in schicker Fliegerkluft vor einem kleinen roten Flugzeug herumhampelnd. Das soll nicht nur "Distanz schaffen", schreibt der Autor des Films, sondern den Film für die jungen Leute konsumierbarer machen. Ein legitimes Anliegen, nur wird der Trick so häufig angewendet, daß er penetrant wirkt. Margrit Gerste