Der DDR-Wirtschaftsrechtler Professor Wolfgang Seiffert wird nicht in die DDR zurückkehren. Über eine Weiterbeschäftigung an einer bundesdeutschen Hochschule ist noch nicht entschieden.

Ende vergangener Woche bestätigte der international angesehene Wissenschaftler, daß er auch nach seiner auf sechs Monate begrenzten Gastprofessur für internationales Wirtschaftsrecht an der Universität Kiel in der Bundesrepublik zu bleiben wünscht. Dies sei ihm ohne weiteres möglich, da er und seine Familie Bundespässe besitzen.

Nach eigenen Angaben war Seiffert 1953 wegen illegaler Arbeit für die in der Bundesrepublik verbotene "Freie Deutsche Jugend", die Jugendorganisation der KPD, verhaftet und 1955 zu einer vierjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Vor Haftantritt flüchtete. er 1956 in die DDR. Dort besuchte er die Universität, promovierte und habilitierte mit auch hierzulande beachteten Untersuchungen und wurde zum Weltreisenden in Sachen internationales Recht aus sozialistischer Perspektive.

Trotz verschiedener Auszeichnungen und seiner Mitgliedschaft in der "Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft der DDR" sei ihm dann im vergangenen Herbst zu erkennen gegeben worden, daß die DDR seine Rückkehr nicht mehr wünscht, falls er die bereits 1976 angebotene Kieler Gastprofessur annehme.

Dennoch – so Seiffert – habe er sich zu einer Übersiedlung in die Bundesrepublik entschlossen. Dieser Schritt sei ihm um so leichter gefallen, als er sich voll zu den Verfassungsnormen des Grundgesetzes bekenne.

Seine berufliche Zukunft bleibt freilich ungeklärt. Zwar sei, so der Präsident der Kieler Christian-Albrechts-Universität, Rolf Möller, eine Verlängerung der Gastprofessur "nicht von vornherein auszuschließen". Schwierigkeiten werde es aber sicherlich geben, falls der Fachbereich eine ordentliche Berufung Professor Seifferts beantragen sollte: "Denn zum einen benötigen wir reguläre Professuren woanders dringender, und zum anderen war Herr Seiffert wohl ein hochkarätiger Vertreter seiner Weltanschauung."

In beamtenrechtlicher Lesart bedeutet dies, daß die bundesdeutschen Hochschulen auf Professor Seiffert auch dann werden verzichten müssen, wenn dessen wissenschaftliche Qualifikation international unbestritten ist. So unbestritten, wie dies die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der gesamte juristische Fachbereich der Kieler Universität mehrfach in der Begründung ihrer Einladungen an Professor Seiffert festgestellt haben.

Ulrich Völklein