Unter dem Eindruck, daß wir im Augenblick keine größere Sorge haben als diese, hat der CSU-Abgeordnete Dionys Jobst letzte Woche im Deutschen Bundestag mit einem prächtigen Solo einen Entlastungsangriff für die deutsche Fußball-Nationalelf vorgetragen. Ob die Bundesregierung – so formulierte, allen Ernstes seinem Gewissen verpflichtet, der Abgeordnete eine offizielle Anfrage – bereit sei, sich einzuschalten, damit der Rekord-Nationalspieler Franz Beckenbauer vom amerikanischen Fußballklub Cosmos für die deutsche Nationalmannschaft zu den Spielen bei der Weltmeisterschaft in Argentinien freigegeben wird.

Eine Anfrage aus tiefstem Fußballherzen. Wir gestehen, daß wir ein "Allzeit bereit" aus dem Munde des Regierungsmannschaftsführers Helmut Schmidt in diesem Falle eines wahrhaftig nicht nur christlich-sozialen Anliegens für angemessen, ja selbstverständlich, erachtet hätten. Um so mehr, als die fachliche Kompetenz die Volksvertreters Dionys Jobst ja über allen Zweifel erhaben ist: machte er doch mit einem mutigen Alleingang mehr Wind als Deutschlands Nationalsturm in den letzten vier Spielen zusammen.

Doch Undank ist der Lohn für die Initiative. Die Rothosen auf der Regierungsbank ließen den Sportkameraden aus der Pfalz einfach ins Abseits laufen, die Öffentlichkeit überschüttete ihn mit Spott. Nur Bild würdigte den Vorstoß mit einer Schlagzeile von gebührendem Ernst: "Holt der Kanzler Beckenbauer? Er holt nicht, wie wir inzwischen leider wissen. Das ist ein neuer Beweis für die Kurzsichtigkeit dieser Regierung, deren Horizont offenbar über die Weltpolitik nicht hinausreicht. Was heißt hier Cosmos?

Schade drum! Es hätte ein guter Ansatz sein können für eine ganz neue Art von Sportförderung: Immer dann, wenn die Nation befürchten muß, bei einem Sportereignis "nicht optimal" vertreten zu sein, bringen wir unseren regierungsamtlichen Sonderbeauftragten ins Spiel. In diesem Fall hätte es nach dem Vorschlag von Dionys Jobst der Bundestagsvizepräsident Richard Stücklen sein sollen: "Er ist Fußballfachmann, kennt Beckenbauer selbst gut und kann geschickt verhandeln." Im Sportverkehr mit Ländern der dritten Welt würde sich vielleicht der Entwicklungshilfe-Minister persönlich anbieten. Wäre doch gelacht, wenn wir da nicht elegant ein paar Siege sicherstellen könnten.

Nun – in Bonn ist man noch nicht so weit, verläßt sich wohl allzu sehr auf die begrenzten Möglichkeiten der Bundestags-Fußballmannschaft. Es tut einem leid um Helmut Schön, und es tut einem leid um Dionys Jobst, der – unter Vernachlässigung der eigenen Manndeckung – sich beinahe um das Vaterland verdient gemacht hätte. Aloys Behler