Beethoven soll einmal einem Geiger, der sich bei ihm angesichts der Grenzen seines Instruments über die technischen Schwierigkeiten des Violinkonzerts beklagt hatte, geantwortet haben: "Was schert mich seine elende Geige!" Diesen Hochmut brauchen jetzt die europäischen Regierungschefs, wenn sie erreichen wollen, daß die Kopenhagener Gipfelanregungen für einen weiteren europäischen Währungsverbund nicht in den Niederungen der Praxis hängenbleiben. Die Regierungschefs müssen die politischen Widerstände aus dem Weg räumen.

Der Bundeskanzler hat keine Zeit verloren. Bei seinen Konsultationen mit der britischen Regierung war das Zentralthema der Preis, den Premierminister James Callaghan fordert, damit sein Land bei den Kopenhagener Währungsplänen mitmachen kann.

Die Briten fordern eine kräftige deutsche Wachstumsspritze und eine klare Verpflichtung der Europäischen Gemeinschaft, daß die neuen Währungspläne nicht antiamerikanische Züge annehmen. Die zweite Bedingung ist eine Selbstverständlichkeit. Eine währungspolitische Aktion, die sich gegen die Amerikaner richtet, wäre zum Scheitern verurteilt. Eine engere Zusammenarbeit der europäischen Länder soll ja die Lage des Dollar verbessern. Über die erste Bedingung muß sich reden lassen. Für den Kanzler war es nicht allzu schwer, Callaghan davon zu überzeugen, daß der britische Nutzen aus einer neuen deutschen Wachstumsspritze minimal wäre.

Der italienische Schatzminister Filippo Pandolfi war in Luxemburg deutlich. Italien will seine Währung möglichst parallel zum Dollar halten, Seine Regierung sei darum gegenwärtig an einer engeren währungspolitischen Zusammenarbeit mit europäischen Ländern nicht interessiert. Auch die Bundesregierung versteht, daß Rom den Lirakurs möglichst niedrig halten möchte.

In Schweden ist vor den Wahlen im Herbst 1979 kaum mit einer Entscheidung für die Rückkehr in einen Währungsverbund zu rechnen. Die Norweger, die ihre Währung als Assoziierte auf Schlangenkurs halten, haben angesichts ihres Riesendefizits in der Bilanz des Waren- und Dienstleistungsverkehrs ihre Schwierigkeiten, den Verpflichtungen von Schlangenländern nachzukommen. Wer denkt in einer solchen Lage gern über einen weiteren Verbund nach? Am geringsten sind die Widerstände wahrscheinlich in Wien und in Bern. Österreich verhält sich so, als ob es der Schlange angehörte. Die Schweiz kann nur daran interessiert sein, den Aufwertungsdruck für den Franken zu mildern.

Bis jetzt ist es eigentlich nur Frankreich, das die Rückkehr in einen Währungsverbund aktiv betreibt. Der Franc wird trotz unleugbarer Stabilisierungserfolge der Regierung Barre nicht zu den Bedingungen in einen Verbund zurückkehren können, die für die alten Mitglieder Bundesrepublik, Benelux-Länder und Dänemark gelten. Paris müßte wohl eine Bandbreite von mehr als 2,25 Prozent nach oben und unten zugestanden werden. Sofort stellt sich dann aber die Frage, ob diese Sonderstellung für Frankreich allein wünschenswert wäre.

Schon die Vorstufe einer europäischen Währungsunion zwingt zu politischen Entscheidungen. Wenn, wie geplant, die Europäische Rechnungseinheit als Parallelwährung zu den nationalen Währungen weiterentwickelt werden soll, muß vorher schon ein bisher unbekanntes Maß an wirtschaftspolitischer Abstimmung vereinbart werden. Nur dann ist überhaupt denkbar, daß die nationalen Währungen zur Rechnungseinheit in einem festen Wertverhältnis stehen, das nur begrenzte Schwankungen zuläßt. Die festen Wechselkurse müßten durch Interventionen verteidigt werden. Dafür kämen zunächst Dollar, später harte Währungen des Verbunds als Munition in Frage.