DIE ZEIT

Italien unnachgiebig

Unannehmbar– mehr bleiern als eisern, doch gleichwohl unverrückbar legte sich dieses Wort der Regierung in Rom vor die letzte Forderung der roten Terrorbrigadisten, dreizehn meist rechtskräftig verurteilte Gewalttäter freizulassen und so Aldo Moros Befreiung einzuhandeln.

Eine kalte Dusche

Alle Bemühungen von Wirtschaftsminister Graf Lambsdorff, die Diskussion über ein neues Programm zur Belebung der Wirtschaft – es wäre das zehnte seit 1974 – zu stoppen, waren vergeblich.

Die zerfledderte Zentralgewalt

Wer in diesen Tagen mit alten Fahrensleuten des Bonner Parlaments spricht, erlebt sie in einer Stimmung mehr oder minder milder Resignation.

Sinnlose Schüsse

Der Irrflug der sükoreanischen Boeing 707 mit annähernd 4000 Kilometern Kursabweichung ist wohl nur unter Rückgriff auf einen alten, bösen Fliegerspruch zu erklären: Pilot und Navigator unterscheiden sich dadurch, daß der eine auf dem Tisch, der andere unter dem Tisch schläft.

Zeitspiegel

Unser Amerika-Korrespondent in den Jahren von 1965 bis 1973, Joachim Schwelien, ist tot. Er besaß die ungewönliche Eigenschaft, seine politische Leidenschaft durch seine Fähigkeit zu rationalem Urteil im Zaum zu halten und gerade dadurch seine Leser zu interessieren und zu überzeugen.

Zwielicht über dem Palast der Morgenröte

Wahlen, zumal Präsidentschafts-Wahlen, pflegen in Brasilien keine Überraschungen zu bringen: Die Regierungspartei ARENA (Allianz für die nationale Erneuerung) bekommt die Mehrheit, und Präsident wird, wen der amtierende Präsident zu seinem Nachfolger bestimmt.

Entspannung mit dem Rechenstift

Die "Sicherheit" sagt natürlich nichts. Aber man kann sich schon vorstellen, wie das in einer Woche in Bonn und Umgebung zugehen wird wenn Leonid Iljitsch Breschnjew, Staats- und Parteichef der Sowjetunion, Visite macht: Polizei en masse, Absperrungen überall, Heuschreckenschwärme von wachsamen Hubschraubern, Wasserwerfer und Sperrgerät in den Seitenstraßen und im Konvoi der "besonders gefährdeten Person" stets auch ein Ärzteteam mit Plasma der Blutgruppe des Staatsgastes.

Worte der Woche

"Wer heute für eine verantwortungsbewußte Energiepolitik eintritt, wer für sparsame und rationelle Energieverwendung, gegen wachsende Umweltverschmutzung und für humane Arbeitsbedingungen Partei ergreift, der muß wissen, daß er dies bisher nicht mit der Opposition tun kann.

Jimmy Carter sucht einen roten Faden

Auf leisen Sohlen hat in der vorigen Woche der Frühling seinen Einzug in Washington gehalten. Die Kirschblüte tupfte die Parks am Potomac in wattiges Weiß, die Bäume schlugen aus, Phlox und Forsythien sprenkelten die Stadt mit kräftigem Lila und sattem Gelb, es gab den ersten warmen Regen der Saison.

"Wo die Glocken hängen"

Franz Josef Strauß als Opfer eines grandiosen Komplotts – auf die Stunde, in der das unübersehbar zu sein scheint, muß einer wie er sehnsüchtig gewartet haben, der sich ein Politikerleben lang zu Unrecht verfolgt fühlt.

Vom Kwai zur Themse

Die Frage, wer Colonel Bogey war, beantworteten bisher alle Briten mit "Alec Guiness". Der allen Argumenten unzugängliche Schmalspur-Rechthaber des Films von der Brücke am Kwai erhält nun Konkurrenz.

Kein Geld gegen Lärm?

Alle Fraktionen des Bundestages waren einer Meinung, als sie den Gesetzentwurf zum Schutz gegen Verkehrslärm an die Ausschüsse überwiesen haben: Die Bevölkerung muß mehr als bisher gegen die Geißel Geräusche geschützt werden.

Anwalt als Watschenmann

Es ist nicht abzusehen, welche Verheerungen in Denken und Sprache die Auseinandersetzung mit dem Terrorismus bei uns noch anrichten wird.

Sieg für Santiago

In der spanischen Hauptstadt Madrid endete nach vier Tagen ein Kongreß, der für die Zukunft der spanischen Kommunisten eine entscheidende Wende signalisiert.

Kadar baut um

Drei Tage dauerte es, bis die ungarischen Kommunisten endlich am vergangenen Wochenende im Parteiblatt Népszabadsá den Wortlaut der Beschlüsse aus einer zweitägigen Sitzung des Zentralkomitees veröffentlichten.

Neue Fronten in Israel

Wie tragisch, daß die Reise Sadats nach Jerusalem, diese grandiose Geste des ägyptischen Präsidenten, ohne jeden entsprechenden Widerhall geblieben ist – so denken die meisten Menschen, die jenes einzigartige Ereignis im November 1977 mit großen Hoffnungen begleitet hatten.

Kanzler und Kaiser

Nur einer kann den Weltmeistertitel der Fußballnationalelf der Bundesrepublik sichern; der Kanzler. Mit einer Schlagzeile, allerdings noch in Frageform – "Holt der Kanzler Beckenbauer?" –, hat die Bild-Zeitung bereits den Weg gewiesen.

Moro: "Ich werde niemanden freisprechen"

Als letzter Appell, den Forderungen der Terroristen nachzukommen, und zugleich als persönlicher Abschied wird in Rom ein Brief Aldo Moros an den christdemokratischen Parteichef Benigno Zaccagnini verstanden, der Montag abend der Zeitung Vita zugestellt wurde.

Heimkehr ins Ungewisse Gastprofessor auf Zeit

Ende vergangener Woche bestätigte der international angesehene Wissenschaftler, daß er auch nach seiner auf sechs Monate begrenzten Gastprofessur für internationales Wirtschaftsrecht an der Universität Kiel in der Bundesrepublik zu bleiben wünscht.

Eigenständige Kraft

Dennoch stand die Koalitionsfrage im Mittelpunkt der Diskussionen aller Parteitage, zumal führende Christdemokraten termingerecht Koalitionsangebote wiederholt hatten.

Zivilflugzeug beschossen

Auf dem Flug von Paris nach Anchorage in Alaska kam eine mit 110 Personen besetzte Boeing 707 der südkoreanischen Luftverkehrsgesellschaft Korean Air Lines (KAL) über 4000 Kilometer von ihrem Kurs ab und drang tief in sowjetisches Hoheitsgebiet über der Halbinsel Kola ein.

Hanoi zieht die Zügel an

Drei Jahre sind es her, daß Bing Crosbys schmalziger Evergreen I am dreaming of a White Christmas im feuchtheißen Saigon plötzlich aus den Radios klang.

"Wir stellen hier die Fragen"

Die Anhörungen stellen die praktische Anwendung einer Vorschrift aus dem Radikalenerlaß vom 28. Januar 1971 dar, in dem es heißt: "Jeder Einzelfall muß für sich geprüft und entschieden werden.

Armer Hund

Auf die Frage nach seiner politischen Zukunft lächelt er undurchsichtig wie eine Sphinx. Was wird er tun, der Münchener Oberbürgermeister Georg Kronawitter, der Ende dieser Woche dem Rathaus der bayerischen Landeshauptstadt nach sechsjähriger Amtszeit den Rücken kehrt? Wird er ein Frühpensionär, der sich 50jährig mit einem monatlichen Ruhegeld von 7500 Mark aufs Altenteil zurückzieht? Wohl kaum.

Zeitliches aus Niedersachsen: Den Partner angepumpt

Niedersachsens Regierungskoalition ist in Gefahr. Der Grund: Geldnot. Ein Brandbrief an den "sehr geehrten Herrn Gross", unterzeichnet von Wilfried Hasselmann und Philipp von Bismarck, machte die Klemme jetzt publik.

Berliner Skandal in London?

Eine expansive Kulturpolitik soll der Ära des neuen Westberliner Kultursenators, Dieter Sauberzweig, den entscheidenden Akzent geben; der derzeitige kulturpolitische Favorit heißt deshalb "kulturelle Außenkontakte und hat zum Ziel, den Westberliner Kulturproduzenten einen staatlich subventionierten Ausgleich für die bekannten Standortnachteile zu verschaffen.

Die neue Denkart: spontan und flexibel

Phantasie statt Macht – in der evangelischen Akademie in Tutzing am Starnberger See war für zweieinhalb Tage der Traum vom grünen Paradies zumindest in den Köpfen wirklich geworden.

Zeitgeschichte: Salut für eine Zeitschrift

Unsere zeitgeschichtliche Forschung entwickelte sich unter dem Eindruck des Schocks, den die nationalsozialistische Herrschaft, die Schrecken des Zweiten Weltkrieges und der totale Zusammenbruch im Jahr 1945 verursacht hatten.

Revolutionsphilosophie: Alternative zu Marx

Die Arbeit enthält daneben zahlreiche Reden, Broschüren wie "Die Volkssache. Romanow, Pugatschew oder Pestel?" (1862), den "Katechismus des Revolutionärs" (1868), das "Programm der slawischen Sektion der internationalen Arbeiterpartei" (1872).

Buenos Dias Argentina?

Buenos Dias Argentina, so heißt meine Melodie, und sie soll uns zwei verbinden mit dem Band der Sympathie: Udo Jürgens’ Lied (die Nationalmannschaft summt und brummt im Hintergrund mit) gilt einem Land, in dem es nach vorsichtiger Schätzung achttausend politische Gefangene und fünfzehntausend Verschollene gibt: Menschen, die man im Haus und auf offener Straße verhaftete und ins Gefängnis, in Extrahaft, zur nächsten Polizeistation brachte – dorthin, wo sich ihre Spur sehr schnell verliert.

Konjunktur ’78: Der Motor stottert immer noch

Der Graf bat die versammelten Kaufleute um ein Hoffnungszeichen. Als "gutes Omen für den weiteren Konjunkturverlauf in der Bundesrepublik" wünschte sich Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff vergangene Woche bei der Eröffnung der Hannover Messe nichts sehnlicher als gefüllte Orderbücher.

Der einträgliche Ritus

Ein Frühlingsmärchen: Drei Jahre schon leben die guten deutschen Autohersteller in Saus und Braus. Auch im vierten werden ihre Scheunen wieder wohlgefüllt sein.

Unheilige Allianz

Die Schweizer Sozialdemokraten wetzen die Messer. An den Kragen gehen soll es mittels Volksinitiative dem Schweizer Bankgeheimnis, das als helvetische Spezialität auch gegenüber dem Fiskus besteht.

Hürdenlauf in Europa

Beethoven soll einmal einem Geiger, der sich bei ihm angesichts der Grenzen seines Instruments über die technischen Schwierigkeiten des Violinkonzerts beklagt hatte, geantwortet haben: "Was schert mich seine elende Geige!" Diesen Hochmut brauchen jetzt die europäischen Regierungschefs, wenn sie erreichen wollen, daß die Kopenhagener Gipfelanregungen für einen weiteren europäischen Währungsverbund nicht in den Niederungen der Praxis hängenbleiben.

Bonner Kulisse

Unter Bundesfinanzminister Hans Matthöfer weht offenbar wieder ein schärferer Wind als unter seinem Vorgänger Hans Apel. Der Sozialdemokrat hält auf strikte Trennung zwischen Exekutive und Legislative.

Eine Vorladung

Vor ein paar Tagen kam ein Brief von der Deutschen Bank. Höflich zwar, aber doch auch unmißverständlich wurde der verehrte Kunde aufgefordert, doch einmal am Schalter vorausprechen oder aber, sich am Telefon zu melden.

Kein Blankoscheck

Die Unwilligkeit, ein Blatt vor den Mund zu nehmen, die den Abgeordneten Lambsdorff auszeichnete und im Lande bekannt machte, zeichnet auch den Minister Lambsdorff, aus.

"Toni, komm mal runter!"

Toni Schmückers letztes Wort war sein erstes. Er beschloß die Präsentation einer geldstrotzenden VW-Bilanz mit einem drei Jahre alten Selbstzitat.

M1 kam nicht

Die einen waren überrascht, weil sie gar nicht wußten, daß da etwas war zwischen den Bayern und den Italienern. Die anderen sahen Träume jäh geplatzt, die ihnen gekommen waren, als sich BMW-Glanz und Lamborghini-Glamour verbanden.

Mit goldener Zunge

Seit er in Washington wohnt – und das sind nun schon sieben Jahre –, erzählt er den Journalisten regelmäßig, seine Frau Helen habe ihn eben erst wieder gefragt: "Robert, wollen wir nicht langsam an die Riviera umsiedeln und das Leben richtig genießen?" Seither sagt er immer wieder, wie liebend gern er "endlich, endlich ausspannen" würde.

... und warum der US-Konzern London hofiert: Zaudern ist britisch

Schnell wechselnd und verwirrend ist die Szene des britischen Flugzeugbaus. Während sich der Hersteller British Aerospace im Augenblick ganz auf die Möglichkeit einer Kooperation mit europäischen Partnern konzentriert und entsprechende Vorschläge ausarbeitet, hat Industrieminister Eric Varley am Montag drei Einladungen nach Amerika zur Post gegeben.

Sperrfeuer aus Amerika

Die Boeing Corporation hat den europäischen Flugzeugbauern den totalen Krieg erklärt: "Wir werden ihnen mit unseren Maschinen den Garaus machen", kündigte Tex Boullioun, Präsident des Unternehmens, das mit über fünfzig Prozent Anteil bislang den Weltmarkt für Verkehrsflugzeuge fest in der Hand hatte, selbstbewußt an.

Uhrenindustrie: Ticken wieder richtig

Die haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht", lacht Peter Renggli, seines Zeichens Präsident. der Asuag, des größten Schweizer Uhrenkonzerns (Nobelmarke: Longines).

Manager und Märkte

Wenn alles gutgeht, kann für die Körting Radio Werke GmbH in Grassau/Chiemgau, die vor zwei Monaten den Vergleichsantrag stellen mußte, doch noch eine Lösung gefunden werden, die den größten Teil der rund 1300 Arbeitsplätze erhält.

Buch der Woche

Medienkonzentration und Meinungsvielfalt. Von Ernst-Joachim Mestmäcker. Nomas Verlagsgesellschaft, Baden-Baden; in der Reihe Wirtschaftsrecht und Wirtschaftspolitik, Band 54; 1978, 232 Seiten, 49 Mark.

Direktinvestitionen: Die Chemie an der Spitze

Die deutsche Chemie ist die investitionsfreudigste Industrie – im Ausland. Mit einem Wert von 9,4 Milliarden Mark führte sie die Liste der Direktinvestitionen deutscher Unternehmen und Privatinvestitionen im Ausland an.

Kein Frühlingserwachen

Nach der sehr schwachen Entwicklung in den ersten Monaten wird sich die gesamtwirtschaftliche Produktion zwar wieder merklich erhöhen; Investitionen, Export und Verbrauch werden in annähernd gleichem Tempo zunehmen.

Am Schreibtisch ersonnen

Lennings: Wir haben oft knappe Liefertermine, zu denen uns der internationale Wettbewerb zwingt. Wenn wir nicht in der Lage wären, innerhalb einer bestimmten Frist zu liefern, könnten wir viele Marktchancen nicht nutzen.

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