Die deutschen Aktienkurse sind auf dem Weg nach unten. Was die überzogenen Tarifabschlüsse nicht erreicht haben, schafft der steigende Dollar. Er lenkte die internationalen Kapitalströme in Richtung USA. Noch kann allerdings von einer Massenflucht ausländischer Investoren aus deutschen Aktien und Renten nicht die Rede sein. Dazu waren die täglichen Börsenumsätze bislang zu niedrige Auch die Masse der deutschen Anleger hält vorläufig an ihren Papieren fest. Eindeutig auf der Verkäuferseite steht bisher nur der sogenannte "Berufshandel", der aufgelaufene Kursgewinne sicherzustellen versucht. Da die Käufer fehlen, ist dies ausschließlich zu sinkenden Kursen möglich.

Kein Marktgebiet bleibt von der Tendenzschwäche verschont. Von bemerkenswerter Stabilität zeigen sich dabei die Großchemie-Aktien. Nicht nur wegen der bei ihnen erzielbaren überdurchschnittlichen Rendite, sondern vor allem wohl deshalb, weil es nur wenige Aktienbesitzer gibt, die diese Papiere überhaupt noch mit Gewinn abstoßen können. Hier sind nahezu alle Börsianer auf der Verliererstraße.

Mit zwiespältigen Gefühlen verfolgt man in den Börsensälen die Diskussion über mögliche Steuersenkungen und neue Programme zur Wirtschaftsbelebung. Weniger Steuereinnahmen und mehr Staatsausgaben haben nicht nur positive Seiten. Schließlich müssen die zusätzlichen Milliarden ja von irgend jemandem aufgebracht werden. Das läuft auf eine weitere Belastung des Kapitalmarktes, also des Rentenmarktes, hinaus, der gegenwärtig bereits am Ende seiner Leistungskraft zu sein scheint. Schließlich fehlen auch hier die ausländischen Käufer.

Es wird erheblicher Anstrengungen bedürfen, die neuen Programme so zu finanzieren, daß am Ende keine Zinssteigerung steht. Die institutionellen Anleger sind in Wartestellung gegangen, und das Kreditgewerbe ist nicht gerade darauf versessen, die Wertpapierportefeuilles noch weiter mit Staatspapieren anzureichern. Gleichwohl ist eine Zinswende noch nicht in Sicht, auch wenn die Renditen der festverzinslichen Papiere zu steigen begonnen haben. Noch sieht man darin ein gesundes "Atmen". Allerdings sind sich alle Experten darin einig: Mit weiteren Zinssenkungen kann jetzt nicht mehr gerechnet werden. Die Käufer festverzinslicher Papiere müssen sich wohl oder übel mit der laufenden Rendite zufriedengeben. Das Ende der Kursgewinne ist hier gekommen. K. W.