Nur einer kann den Weltmeistertitel der Fußballnationalelf der Bundesrepublik sichern; der Kanzler. Mit einer Schlagzeile, allerdings noch in Frageform – "Holt der Kanzler Beckenbauer?" –, hat die Bild-Zeitung bereits den Weg gewiesen.

Vater der Idee ist der CSU-Abgeordnete Dionys Jobst. In einer mündlichen Anfrage möchte der wissen, ob die Bundesregierung bereit ist, sich "einzuschalten", damit der "Rekordnationalspieler" vom amerikanischen Fußballklub Cosmos für die Spiele freigegeben werde, ohne, so fügt er feinsinnig hinzu, "daß dadurch die deutsch-amerikanische Freundschaft weiter Schaden leidet"? Schließlich habe das Spiel Schweden–Deutschland erneut gezeigt, "daß es ohne ‚Beckenbauer‘ nicht geht"

Fehlt nur noch, daß die Bild-Zeitung verlangt, der Kanzler solle den Krisenstab einberufen, um den Kaiser Franz heimzuholen. Für einen solchen gemeinsamen Stab aber könnte sich wahrscheinlich der christlich-soziale Anfrager nicht erwärmen. Denn die Verantwortung dafür, daß die Nationalelf möglicherweise versagt, muß schließlich der Kanzler allein tragen. Jobst und Bild haben ihn hiermit vorgewarnt.

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Jetzt stochern die Verfassungsrechtler und Politiker in dem Karlsruher Orakel zum Wehr- und Zivildienst herum, um herauszufinden, was die obersten Richter wirklich gemeint haben. "Wir sind froh", unkt der Sozialdemokrat Günter Biermann süßsauer, "daß wir uns bei so unklaren Begründungen auf das dissenting vote von Martin Hirsch stützen können, um herauszufinden, was gemeint ist."

Die Opposition, auf deren Klage in Karlsruhe das Urteil gegen das Gesetz zurückgeht, will sich bei der Formulierung eines eigenen Entwurfs vornehm zurückhalten. Fest steht für die CDU nur: nicht zurück zum alten Prüfungsverfahren. Ob sie bereit wäre, ganz auf eine solche Gewissensprüfung zu verzichten – was das Urteil je nach Ausgestaltung des Zivildienstes zuläßt –, ist fraglich.

Bei vielen Koalitionsabgeordneten, die sich in der Sache engagieren, herrscht hingegen weiterhin die Meinung vor, Gewissen sei "nicht prüfbar". Friedrich Hölscher (FDP) würde am liebsten auf jedes Prüfungsverfahren verzichten. Der Ersatzdienst müsse zwar verlängert werden, aber Hölscher hält auch nichts davon, in ein neues Gesetz überhaupt eine feste Dienstzeit hineinzuschreiben. Zwei Jahre, wie das Urteil andeutet, wünscht eine der Parteien. Sollte künftig der Zivildienst zur Strafe ausgebaut werden – eine Idee, die das Urteil für "unechte" (I) Verweigerer fast aufzwingt –, würden sich wohl viele Abgeordneten sperren.