In "Macht und Reiz der Mode" schreibt der Soziologe René König .. daß die Frau im Beruf es immer abgelehnt hat, sich zu einer einheitlichen Berufskleidung zu bequemen; sie will auch im Beruf vor allem als Frau genommen werden und nicht als neutrale Größe. Und dafür werden alle Mittel benutzt..." –

Genau dieses aber soll sie vermeiden, gerade dieses verhindere ihre Karriere, ihr Vorankommen, denn "die Männer finden sie dann anziehend und das vermindert ihre Autorität. Männer werden sie nicht ernstnehmen."

Entgegen der weitverbreiteten Erfahrung, daß es vollständig gleichgültig ist, was eine Frau trägt, wenn ein Mann sie anziehend findet, will uns der "Garderoben-Ingenieur" John T. Molloy nun jedoch diese andere Wahrheit verkaufen. In seinem Buch "The Woman’s Dress for Success Book" (Follett, Chicago, $ 9,95) erklärt er chauvinistisch-naiv: "Frauen können einen wichtigen und dramatischen Schritt vorwärts auf dem Weg zur beruflichen Gleichberechtigung machen: Sie können eine business uniform tragen."

Diese Uniform nun ist gedacht als das graumäusige Pendant zum männlichen Geschäftsanzug: Hemdbluse, möglichst hochgeschlossen, kniebedeckender, halbweiter, schlichter Rock, Blazer, nicht zu eng, halbhohe Pumps, halblanges, glattes, möglichst nicht blondes Haar. – Wer bislang dachte, er sei vielleicht wegen mangelnder Qualifikation oder auch schlicht wegen Diskriminierung nicht so recht vorangekommen, der sollte es einmal mit dieser Uniform probieren! Man sieht in ihr immer nach etwas aus, verbreitet sofort Autorität und wird in ihr von allen Männern als Neutrum gern gesehen.

Wissenschaftlich ausgetestet hat diesen letzten Unfug vom Kleidermarkt eben jener Molloy, und er scheut sich nicht, den berufstätigen Frauen nicht nur den Sex, sondern auch noch die Handtasche auszureden. Nach Molloy muß es der kleine Aktenkoffer sein, und wenn sich in ihm nur ein Taschentuch verliert; Brillen, wenn auch nur mit Fensterglas, sprechen von Autorität, und Pullover sind ebenso wie die Blume auf dem Schreibtisch Requisit der Sekretärin und "absolut untere Mittelklasse".

Uniformen mögen ihren praktischen Wert haben, sie ersparen langes Nachdenken am Morgen, sie haben etwas Praktisch-Ökonomisches – wie wäre es denn gleich mit Firmen-Blazern für alle: IBM, Siemens oder Okasa auf der Brusttasche? –, nur haben sie nichts, gar nichts mit einem "dramatischen Schritt hin zur beruflichen Gleichberechtigung" zu tun. Wer sie als das mißversteht, der ist in Molloys männliche Falle geraten, der wird lange nach dem richtigen Kostüm suchen und darüber verpassen, daß er schon wieder in eine schlechtere Gehaltsklasse gekommen ist als sein männlicher Kollege.

Wieso eigentlich dieser neutrale Aufzug? – Wenn Männer Frauen nicht ernstnehmen können, weil sie attraktiv sind, ist das dann nicht eher das Problem der Männer? Und nennen andererseits Männer nicht diejenigen Frauen, die sie nicht so sexy finden, Blaustrümpfe und Karriereliesen, womit sie ja auch nicht gerade ernstgenommen sind?