Die Unwilligkeit, ein Blatt vor den Mund zu nehmen, die den Abgeordneten Lambsdorff auszeichnete und im Lande bekannt machte, zeichnet auch den Minister Lambsdorff, aus. Nachdem er es sich nicht nehmen ließ, auch in der heißen Phase der diesjährigen Lohnrunde die Tarifpartner immer wieder an ihre gesamtwirtschaftliche Verantwortung zu erinnern, hat der Wirtschaftsminister nun ein deutliches Wort an, den deutschen Steinkohlenbergbau gerichtet.

Es gehe nicht an, daß weiter auf Deubel-kommraus gefördert werde, obwohl sich bereits 33 Millionen Tonnen Kohle auf Halde türmen. Das reiche selbst für den Fall einer neuen Energiekrise aus, und mehr könne dem Staat und den Verbrauchern, die dies alles finanzieren müssen, nun nicht mehr zugemutet werden.

Der kostendeckende Preis für Kokskohle von der Ruhr liegt heute um mehr als vierzig Mark über dem Weltmarktpreis, bei Kraftwerkskohle beträgt die Differenz je Tonne neunzig Mark. Um den deutschen Bergbau dennoch am Leben zu erhalten, muß der Steuerzahler nach Angabe des Wirtschaftsministers in diesem Jahr vier Milliarden Mark aufbringen. So deutlich wie Graf Lambsdorff hat lange kein Politiker mehr ausgesprachen, was uns Energie aus deutschen Landen kostet – und daß der Kohle kein Blankoscheck ausgestellt werden kann. mj