Alle Fraktionen des Bundestages waren einer Meinung, als sie den Gesetzentwurf zum Schutz gegen Verkehrslärm an die Ausschüsse überwiesen haben: Die Bevölkerung muß mehr als bisher gegen die Geißel Geräusche geschützt werden. Und zwar besser noch, als der Gesetzestext vorsieht, in dem die Grenzen des erlaubten Lärms schon einmal heraufgesetzt wurden, weil der Finanzminister meinte, "weniger Lärm", also mehr Lärmschutzbauten, könnten die in erster Linie belasteten Gemeinden nicht finanzieren.

Kein Zweifel: Hohe Lärmschutzwände und schalldämmende Wälle werden das Bild unserer Städte nicht gerade verschönern. Vielleicht ist es volkswirtschaftlich vernünftiger und ästhetisch befriedigender, den Hebel bei den Verursachern, den Kraftwagen, anzusetzen, ungeachtet der starken Autolobby. Aber mit einem Argument sollte ein größerer Schutz gegen den Lärm nun nicht verhindert werden – daß es an Geld fehle. Die Städte haben es nämlich – schon in diesem Jahr, trotz aller Kassandrarufe, und erst recht in ein, zwei Jahren, wenn sich den Räten die Frage stellt, was sie vernünftigerweise mit vernünftigem Aufwand noch bauen sollen. Schulen, Altersheime, Kindergärten, Bürgerhäuser – der Bedarf ist heute schon fast gedeckt, auch wenn man es nicht zugibt. Jetzt sind Spiel- und Sportplätze an der Reihe, anschließend Verwaltungszentren. Und danach, in zwei, drei Jahren? Warum dann nicht Lärmschutz, der bitter not tut?

Die Stadtkämmerer werden auch dafür bezahlt, über leere Kassen zu jammern und höhere Einnahmen zu verlangen. Dies haben sie in den vergangenen Jahren erfolgreich getan. Doch bevor sie nun ein Wehgeschrei über die finanziellen Folgen des Lärmschutzes anstimmen, sollten sie einen Moment daran denken, daß eine leisere Stadt auch eine menschliche Stadt ist. Denn immer mehr Menschen fliehen aus den Städten und lassen sich in den Randgebieten nieder, nicht zu letzt deshalb, weil es dort ruhiger ist. Die Bürgermeister der großen Städte klagen über diese Flucht ihrer Bürger. Täten sie nun etwas mehr gegen den Lärm, wer weiß, ob nicht mancher Städter sich seinen Umzug aufs Land überlegte. H. B.