"Ich bin gern schuld an meinem Glück – Satiren und Geschichten", von Katharina von Arx. Eine Autorin im "circulus vitiosus" und "jocosus", die weitgereiste Schweizer Journalistin von Ars verspürt den Drang zur Seßhaftigkeit, zu kostspieligen Antiquitäten, insbesondere zu schönen alten Gebäuden. Sie bewohnt mit Familie, sechs Katzen und drei weiteren Mietparteien ein ehemaliges Kloster in Frankreich. Das Gebäude, dem sie wieder ein Dach über den Kopf gab, frißt ihr voll Undank (Reparaturen!) die Haare vom Kopf. Die Poetin bessert ihr stets gefährdetes Budget auf: durch eine Boutique in Klosterräumen, durch einen selbst betriebenen tea room im Dorf – und durch Verkauf ihrer charmantsaloppen Geschichten. Das so eingenommene Geld fliegt sofort wieder zum Klosterfenster hinaus. Daraus ergeben sich abermals mit Anmut bewältigte, tragikomische Nöte für wieder neue Geschichten und Bücher – und so weiter. Verfügte die Autorin über so viele Kommata wie Charme, wäre alles mit ihrer Schreiberei o. k. (Mit Zeichnungen; Huber Verlag, Frauenfeld, 1977; 212 S., 26,– DM.)

Hanns-Hermann Kersten

"Die törichte Jungfrau", Roman von Elisabeth Alexander. Ein Skandalbuch, diese Autobiographie, oder ein Roman, dessen Reiz darin besteht, mißverstanden zu werden? Man weiß es nicht und fragt sich doch. Dabei wird der Text heimlich verschlungen, die Couragiertheit dieser Emma vielleicht sogar öffentlich bewundert. Auch kann keiner kommen und der Verfasserin etwa Irreführung der Leser vorwerfen. Bereits der Bucheinband bekennt sich zu Bettgeschichten. Durch ein kardinalsrotes und kunstvoll verschlossenes Tagebuch, das eine Luxusbettstatt ziert, bohrt sich eine spitze Tagebuchfeder. Tatsächlich bietet die Autorin auf fast vierhundert selbstanalytischen Seiten nur ein Thema, das der sexuellen Selbsterkundung, an. Dazu hat Elisabeth Alexander Josephine Bahr ihr Sensorium und ihre Sprache geliehen. "Neugierde war ihre einzige Mitgift konstatiert Josephine. Elisabeth wird es nicht anders ergangen sein. Sie mußte alle Erfahrungen über die Haut machen und über den Kopf weitergeben. Am Ende, als sie darüber nachdenkt, beschreibt sie ihre Lebensentwicklung als "Liebesanreicherung". Sie entblößt sich dabei – ohne Rücksicht und ohne Vorsicht auch. Josephine wuchs mit vielen Geschwistern und wenig Geld im katholischen Kleinbürgermilieu auf. Für das Kind gab es zunächst nur die Kirche, bis dann früh der Sexualität die Stunde schlug. Und Josephines Lebensneugierde war unersättlich wie ihre Liebesbereitschaft. Von zaghaften Onanieversuchen bis zu saftigen Orgasmuserlebnissen wird einem nichts geschenkt. In schonungs- oder auch schamloser Offenheit entfaltet Elisabeth Alexander eine Beschreibungslust, der man die Gefolgschaft verweigern und die man als Geschmackssache abtun kann. Aber es bleibt Betroffenheit vor dieser Lebensbeichte, die literarischen Anspruch nicht erhebt, die sich nur auf Erlebtes und Erlittenes beruft und für schulisch Unterversorgte das Bett als immerhin bleibenden Bildungsgang empfiehlt. (Literarischer Verlag Braun, Köln, 1978; 396 S., 28,– DM.)

Sabine Schultze

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"Irvings größte Wonne", satirischer Roman von Art Buchwald. Eine gefällige Mischung von Hintersinn und Vordergründigkeit, das Geeignete für Leute, die vom Bierernst gesellschaftskritischer Abhandlungen die Nase voll haben und die humorvolle (oder schmerzlose) Auseinandersetzung mit Gegenwartsthemen bevorzugen, ist Art Buchwalds "Irvings größte Wonne". Es geht um Werbung in den USA. Die Geschichte ist, so komödienhaft verworren sie sich liest, simpel: Eine Katze namens Irving avanciert zum Star der Nation, weil sie die werbewirksame Fähigkeit besitzt, mit der Pfote zu speisen wie ein Mensch mit der Hand. Durch plötzliches Verschwinden stellt Irving schließlich seine Arbeitgeber auf eine harte Probe. Der Optimist Buchwald vereint fröhlich Menschlichkeit mit schnödem Mammon, beides in Gestalt seines Werbemanagers Mc Gruder. Er entschärft, nicht nur dadurch, den Zündstoff seines Themas und läßt den als "satirisch" angekündigten Roman in eine amüsante "Katzengeschichte für die ganze Familie" ausplätschern. (Aus dem Englischen von Wolf gang Ebert; Herbig Verlag, München, 1977; 280 S., 24,– DM.) Gesine Froese