Hamburg: "Feininger – Bilder, Aquarelle, Zeichnungen"

Als die "Kin-der-Kids", die Protagonisten der gleichnamigen Comic-Serie, die Lyonel Feininger 1906 für die Chicago Tribune erdachte und zeichnete, in ihrer grünen Badewanne verloren durch das Meer schaukeln und nach Hilfe Ausschau halten, taucht am Horizont die rettende Bark "The Windjammer" auf: kinderbuchlustig und doch erkennbarer Zwilling der zart gestrichelten Geisterschiffe der späteren, der berühmten Aquarelle der zwanziger und dreißiger Jahre. In der Ausstellung der Galerie Levy sind außer den rund siebzig Bildern, Aquarellen und Zeichnungen auch ein paar Spielzeughäuser zu sehen, Holzklötzchen, die Feininger für die Kinder von Walter Dexel zurechtschnitzte und bemalte: Es sind die hohen, spitzgiebeligen, mit Obergeschoß und Dach überkragenden Häuser der mittelalterlichen Stadtkerne in Mittel- und Süddeutschland, deren Giebel und Fachwerk sich in Feiningers späten Zeichnungen und Bildern selbständig machen, zu neuen, prismatisch bestimmten Ordnungen fügen, in denen die Welt der Gegenstände bestimmt wird durch die Gesetze des Lichts, die Magie des Raums. Der Bruch zwischen "Uncle Lyonel" (als der er sich selber in den "Kin-der-Kids" vorstellte) und dem Bauhaus-Lehrer (1919–1930) und früh berühmten Maler (1931 erhielt er eine Retrospektive in der Berliner Nationalgalerie) liegt, wie man gerade in dieser kleinen Ausstellung sehen kann, nicht in Feininger, sondern in seiner Umwelt und perpetuiert sich in der Nachwelt. Die Deutschen, bei denen der 1871 in New York geborene und 1956 in seiner Geburtsstadt gestorbene Sohn deutscher Emigranten die längste Zeit und die entscheidenden Jahre seines Lebens verbrachte, nehmen nur den Künstler wahr, der die "Poetisierung des Kubismus" mit dem Geiste Caspar David Friedrichs zu verbinden vermochte (Werner Haftmann), den Maler der Kirchtürme, Segelschiffe, Seelandschaften. Die Amerikaner erinnerten den 1933 endgültig in die USA Zurückgekehrten als Cartoonisten, und es dauerte lange, bis sie den in ihren Augen deutschen Künstler akzeptierten. Daß Feininger heute in Deutschland und den USA den Kunsthistorikern und Kritikern weniger gilt, als, zum Beispiel, der ein Oberlehrer-Künstlerleben lang auf das Quadrat begrenzte Josef Albers (auch er Bauhaus-Lehrer und vor Hitler nach Amerika geflohen), gehört zu den fragwürdigen Kategorisierungen, mit denen fortschrittsverpflichtete Fachleute auf Abstand halten zum sehfreudigen Publikum.

Petra Kipphoff

Wichtige Ausstellungen

Berlin: "Von Troja bis Amanta" (Ägyptisches Museum bis 28. Mai, Katalog 20 Mark)

Bielefeld: "Richard Hamilton – Studien" (Kunsthalle bis 7. Mai, Katalog 25 Mark)

Bochum: "Othmar Zechyr" (Kunstsammlung, Museum der Stadt bis 15. Mai, Katalog 20 Mark)