Unsere Trans-Canada-Tour begann in Toronto. Nach einer einwöchigen Mietauto-Reise durch Ontario fuhren wir zwei Tage und Nächte mit dem Greyhound-Bus nach Westen, nach Calgary, Alberta, nur wenige Meilen vor den Rocky Mountains. (Wir – das sind übrigens zwei Studenten, einer männlich, einer weiblich, die sich vor den Abschlußprüfungen mit der Fahrt durch Kanada einen Wunschtraum erfüllen wollten.)

Wir hatten unser ganzes Gepäck in Rucksäcken untergebracht, einschließlich Schlafsäcken, Luftmatratzen, Zelt und Kochgeschirr, da wir vorhatten, zu Fuß und mit dem Bus (notfalls auch durch Trampen) voranzukommen.

Nachdem wir in Ontario stets in unserem kleinen Zelt geschlafen hatten, begann in Calgary die Zeit der Jugendherbergen. Außerhalb der Großstädte sind die Youth Hostels nur im Sommer geöffnet, vom 1. Juli bis 1. September. Die meisten Herbergen geben kein Essen aus, sind aber mit mehr oder weniger komfortablen Küchen ausgestattet, in denen man sich selbst etwas kochen kann.

Anders als in Deutschland sind diese Jugendherbergen tagsüber geschlossen. Gegen fünf Uhr abends, bevor die Herberge öffnet, versammelt sich dort ein buntes Völkchen von Wanderern, vor denen uns zunächst ein bißchen bange ist; viele sehen ziemlich abgerissen aus. Sie sind aber, wie sich bald herausstellt, alle sehr kameradschaftlich und haben das gleiche Ziel: mit wenig Gepäck und Geld möglichst viel zu sehen. Von Herberge zu Herberge lassen wir die begeisterten Erzählungen der jungen Leute, die wir dort treffen, über unser nächstes Reiseziel entscheiden.

Der nächste Tip ist Banff, das wir von Calgary nach zweistündiger Busfahrt erreichen. Während Calgary noch in den Prärien liegt, ist man in Banff schon in den Bergen; die Gegend um Banff ist ein National-Park, also ein Naturschutzgebiet. Wir finden hier die originellste Jugendherberge unseres Urlaubs. Etwa vier Kilometer außerhalb der Stadt, am Spray River, stehen vier urige, rotbemalte Holzhütten. Die Einrichtung ist spartanisch, die alten Eisenöfen werden am Abend mit Holz beheizt, denn es ist nachts schon sehr kalt. Der Fluß ist die einzige Wasserquelle und Waschmöglichkeit. Jeden Morgen beginnt von neuem der Wettstreit, wer es diesmal wagt, sich in dem eiskalten Wasser zu waschen. Weniger Hartgesottene wärmen sich Wasser in einem Zinkeimer über dem Propanherd und ziehen sich zum "bucketshower" an den Bach oder in den Wald zurück.

Am Lagerfeuer treffen wir deutsche, holländische und französische Globetrotter, eine Gruppe Jugendlicher aus New York, die eine Fahrradtour durch die Berge macht, und einen Trapper, der sein Geld mit Fallenstellen verdient – Gesprächsstoff für die ganze Nacht.

Von Banff aus kann man kleinere Fahrten mit geliehenen Kanus unternehmen, auch werden Wildwasserfahrten mit Führern angeboten. Tips und Vorschläge für Wanderungen findet man in einem in Banff erhältlichen Plan oder im "Trail Guide", der Wanderungen im gesamten Gebiet der Rocky Mountains beschreibt,