Von Rainer Bücken

Die einen klagen über Kopf- und Rückenschmerzen, die anderen träumen von einem schönen Arbeitsplatz ohne Lärm, körperliche Anstrengung und geistige Monotonie. Doch dieser Traum wird vorläufig noch einer bleiben – Bildschirmarbeitsplätze haben einen schlechten Ruf, und das hat seine "guten" Gründe. Sie bilden nämlich die eigentlichen Schnittstellen vom gewöhnlichen Schriftbeleg zur elektronischen Datenverarbeitung, gehören im wahrsten Sinne des Wortes zur Peripherie und werden entsprechend peripher behandelt. Tastaturen und Anzeigen funktionieren im Prinzip recht zuverlässig, nur über die Gestaltung zu einem komplexen Arbeitsmittel läßt sich trefflich streiten.

Als "Schiedsrichter" könnte dabei zumindest die erste Runde ein Forschungsbericht des Instituts für Arbeitswissenschaft der Technischen Universität Berlin fungieren, der jetzt unter dem vielversprechenden Titel "Untersuchungen zur Anpassung von Bildschirmarbeitsplätzen an die physische und psychische Funktionsweise des Menschen" erschienen ist. Der Auftraggeber, das Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung, will damit eine "vernünftige Hilfe für die Praxis" geben.

Nötig ist eine solche Hilfe allemal. Was nämlich zur Zeit auf diesem Sektor angeboten wird, sind eigentlich mehr schön aussehende Müllplätze als unter ergonomischen Gesichtspunkten konstruierte Arbeitsplätze. So gehört zum Beispiel der Tisch, in dem ein Bildschirm horizontal untergebracht ist, in ein unbedingt zu gründendes "Museum für mieses Möbel-Design". Was der Hersteller nämlich nicht bedachte, waren die Reflektionen der Deckenbeleuchtung.

Viele Büromöbeldesigner verstehen sich bei aller Liebe zu ihrem Beruf mehr als Künstler denn als Arbeitsplatzgestalter. So werden die schön polierten Geräte mit Tasten im schicken schwarz-glänzenden "Profi-Look" offensichtlich mehr für die Repräsentation auf Messen als für die Präsentation von Daten in Büroräumen konzipiert. Leidtragende sind dann die Benutzer.

Über 40 000 Bildschirm-Sichtgeräte sind nach Schätzungen^ der Industrie derzeit in der Bundesrepublik im Einsatz, bis 1980 sollen es über 100 000 sein. Wer in diese Apparate Daten im Akkord einzugeben hat, muß stündlich 8000 bis 18 000 Zeichen von der schriftlichen in die elektronische Form bringen. Dabei können täglich dann 12 000 bis 33 000 Blick- und Kopfbewegungen registriert werden, die Hälfte davon geht allein zur Tastatur. Die restlichen Blickkontakte teilen sich Beleg und Bildschirm. Die Augenmuskulatur muß sich dabei ständig den neuen Helligkeits- und Entfernungsverhältnissen anpassen, denn um einen möglichst gleichmäßigen Sehabstand und geringste Helligkeitsunterschiede scherten sich bislang nur wenige Hersteller.

Aber auch die Anwender müssen sich von dem Berliner Forscherteam manchen Vorwurf gefallen lassen. Hauptsächlich geht es dabei um Beleuchtungsfragen. Bei einer Raumhelligkeit unter 500 Lux wird weder das elektronische Bild auf dem Schirm noch die normale Schrift auf dem Beleg so zu lesen sein, wie’s eigentlich nötig ist. Wenn dann noch die Sonne auf den Bildschirm knallt, ist an Arbeit nicht mehr zu denken – höchstens an Urlaub. So spielt die Aufstellung der Arbeitsplätze also eine entscheidende Rolle.