Von Heinz Michaels

Die Boeing Corporation hat den europäischen Flugzeugbauern den totalen Krieg erklärt: "Wir werden ihnen mit unseren Maschinen den Garaus machen", kündigte Tex Boullioun, Präsident des Unternehmens, das mit über fünfzig Prozent Anteil bislang den Weltmarkt für Verkehrsflugzeuge fest in der Hand hatte, selbstbewußt an.

Die Ouvertüre hatte wenige Wochen zuvor Boeing-Finanzchef Jack Pierce in Washington vor dem Unterausschuß des Repräsentantenhauses für internationalen Handel gespielt. Airbus Industrie, so beschuldigte Pierce die europäischen Flugzeugbauer, wende "räuberische Export-Finanzierungsmethoden" an, wobei der von "Raubtier" abgeleitete Begriff "predatory" zur Terminologie des amerikanischen Kartellrechts gehört.

Das deutsch-französisch-spanische Unternehmen stand damals gerade in den entscheidenden Verhandlungen über den Verkauf von 19 Airbussen A 300 an die Eastern Airlines. Inzwischen sind die Verträge unter Dach und Fach.

Doch der republikanische Abgeordnete Charles Vanik will nun von einem anderen Parlamentsausschuß untersuchen lassen, ob Airbus Industrie gegen ein amerikanisches Handelsgesetz aus dem Jahr 1930 verstoßen hat, mit dem sich auch das Volkswagenwerk schon einmal auseinandersetzen mußte. Es sieht Ausgleichszölle vor, wenn ein. Produkt subventioniert worden ist.

"Die USA können es sich nicht leisten", polterte Vanik, "daß die amerikanische Führung im zivilen Flugzeugbau zerstört wird durch ausländische Subventionen, durch Ausverkaufspreise oder andere Exporthilfen, die den Wettbewerb stören."

Auf die Idee, daß der europäische Airbus einfach das bessere Flugzeug ist, kommen die Amerikaner erst gar nicht. Jack Pierce erklärte dem Kongreßausschuß vielmehr, Boeing habe bereits Verkäufe verloren, nicht etwa weil der Airbus ein besseres Flugzeug sei, sondern weil Airbus Industrie die bessere Finanzierung geboten habe.