Eitel Sonnenschein sind die Erwartungen der Veranstalter des "Tags der Sonne", mit dem am kommenden Mittwoch, dem 3. Mai, die "einzige unerschöpfliche, nicht verschmutzende, sichere, terroristenresistente und freie Energiequelle der Erde" gefeiert werden soll. Organisationsleiter Denis Hayes aus der US-Bundeshauptstadt Washington erhofft sich vom "Tag der Sonne" politisch noch mehr als vom berühmten Earth Day, dem 1970 gefeierten "Tag der Erde", mit dem weltweit auf die zunehmende Umweltverschmutzung aufmerksam gemacht wurde (Hayes hatte diesen Tag ebenfalls organisiert).

Ein 36köpfiges Beratergremium und ein Stab von 26 bezahlten Mitarbeitern bereiteten das Sonnen-Fest vor, das zwei Hauptziele verfolgt: Einmal die Information der Öffentlichkeit, daß Sonnenenergie keineswegs eine zukunftsferne, exotische Kraftquelle ist, zum anderen die Schaffung einer breiten und effektiven Koalition von Sonnenfreunden, die dann in den politischen Gremien Dampf für eine rasche Entwicklung der Solarenergie machen sollen.

Mit typisch amerikanischem Aufwand soll der "Tag der Sonne" auf dem höchsten Berg an der Küste des Nordost-Bundesstaates Maine beginnen, wo Wanderer die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne bejubeln wollen. US-Präsident Jimmy Carter plant, das Solarenergie-Forschungsinstitut in Golden (Colorado) zu besuchen. Und im kalifornischen Los Angeles wartet ein Feld sonnenenergiegetriebener Autos auf das himmlische Startsignal.

Der Optimismus der Sonnen tag-Veranstalter ist nicht unbegründet. "Tag der Sonne"-Chef Denis Hayes veröffentlichte rechtzeitig einen ersten Zeitplan für die Entwicklung der Sonnenenergie bis zum Jahre 2025: 70 Milliarden Quadratmeter Solarkollektoren und 6,5 Millionen Megawatt installierte Solarzellenleistung sollen den Energiebedarf decken helfen, wobei 36 Prozent der eingefangenen Sonnenenergie direkt als Wärme genutzt, 44 Prozent aus biologischen Quellen und 20 Prozent als Strom aus sonnenelektrischen Anlagen bezogen werden sollen.

Ein Beratungsausschuß des US-Präsidenten schlug in dieselbe Kerbe, als er Mitte April meinte, ein Viertel des amerikanischen Energiebedarfs könne bereits Ende des Jahrhunderts per Sonnenkraft gedeckt werden. Schon will eine Industriegruppe aus 25 namhaften US-Konzernen, das Sunsat Energy Council, 200 Millionen US-Dollar vom amerikanischen Staat für eine fünfjährige Studie über die Machbarkeit eines 10 000 Megawatt-Sonnenkraftwerks im All haben. Und im kalifornischen Wüstenstädtchen Barstow soll demnächst eine Zehn-Megawatt-Pilotanlage entstehen, bei der 3000 Spiegel Sonnenlicht auf einen Heizkessel fokussieren werden, der auf einem 80 Meter hohen Turm steht.

Auch in der Bundesrepublik wächst die Lobby der Sonnenenergie-Anhänger. Forschungsminister Volker Hauff will die Sonnenenergieforschung bis 1980 mit rund 230 Millionen Mark fördern. Deutsche Solartechnik soll in der Dritten Welt Energie gewinnen; Nutznießer sind unter anderem Dorfgemeinschaften in Indien und Mexiko, die erstmals mit Elektrizität versorgt werden. Sonnenenergie liefert den Strom für einen Fernsehumsetzer, der die 400 Einwohner der Gemeinde Lasel im pfälzischen Landkreis Bitburg-Prüm mit TV-Programmen versorgt.

Schließlich zeigt auch die Creme der deutschen Industrie Interesse an der lichten Kraft. Zur Hannovermesse stellte sich die ASE vor, die Arbeitsgemeinschaft Solarenergie e.V. Die 23 ASE-Mitgliedsfirmen, darunter Giganten wie AEG, Siemens, Bosch und RWE, präsentierten in Hannover innerhalb der Sonderschau "Energie ’78" auch Solartechnik. Sogar für kleine Kunden gab’s in Hannover solares: Solar-Feuerzeuge, Solar-Taschenlampen und Solar-Uhren. Günter Haaf