Von Alexander Mayr

Die haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht", lacht Peter Renggli, seines Zeichens Präsident. der Asuag, des größten Schweizer Uhrenkonzerns (Nobelmarke: Longines). Die, die sich da so verrechnet hatten, das waren Redakteure des US-Wirtschaftsmagazins Business Week; sie hatten behauptet: Die elektronische Quarztechnologie verlagere die Uhrenindustrie wieder in die USA. Schon 1980, so sagten sie voraus, würden die traditionellen Produzenten ein Drittel des Weltmarktes an die Elektronikhersteller verloren haben. "Heute", frohlockt Renggli, "sind wir auf dem Vormarsch, die Amerikaner aber auf dem Rückzug, einem ziemlich ungeordneten sogar."

Denn inzwischen hat der größte Teil der Elektronikkonzerne, die sich als Uhrmacher versuchten, das Handtuch geworfen. Namen wie American Microsystems, Armin, Benrus, Gilette, HMW Industries, Litronix, Microrama und National verschwanden vom Untermarkt auf Nimmerwiedersehen. Mit Texas Instruments, Fairchild und dem traditionellen Uhrenhersteller Timex sind nurmehr drei Großfirmen in der US-Uhrenproduktion verblieben.

Und Fairchild, so munkeln die Eidgenossen bereits hinter vorgehaltener Hand, befinde sich bereits auf dem Rückzug. Denn mit der Uhrenherstellung hatte der Halbleiterkonzern allein im ersten Halbjahr 1977 mehr als zehn Millionen Dollar Verlust eingefahren. "Die Leute, die vom Markt weggehen", lacht Asuag-Sprecher Marcel Rubin, "kündigen das natürlich nicht im voraus an! Aber schon aus deren Marktverhalten in Europa läßt sich einiges erahnen."

Vor drei Jahren freilich war den Eidgenossen das Lachen vergangen, als die Amerikaner mit ihren elektronischen Zeitzählern, die billiger, aber genauer als selbst die von den Schweizern hoch in Ehren gehaltenen Präzisionschronometer waren, die Märkte überschwemmten. "Daß wir damals verschlafen haben, ist eine bösartige Unterstellung", verteidigt sich allerdings Renggli, "schließlich haben wir bereits 1967 eine solche Uhr in unserem Labor hergestellt." Und Georges-Adrien Matthey, Präsident der schweizerischen Uhrenkammer, assistiert: "Als Mitte der siebziger Jahre die elektronische Uhr den endgültigen Durchbruch schaffte und die Amerikaner und Japaner den europäischen Markt überschwemmten, ist die Schweiz keineswegs überrascht gewesen."

Guiseppe Bertola freilich, Präsident der SSIH (Renommiermarken: Omega, Tissot), der Nummer zwei unter den eidgenössischen Produzenten, urteilt realistischer: "Was der auf dem Gebiet der mechanischen Uhr führenden Schweizer Industrie fehlte, war die Einschätzung, der Marktmöglichkeiten der neuen Produkte."

Und indirekt bestätigt selbst Renggli die damaligen Versäumnisse: "Die mechanische Uhr war bis zur Rezession erfolgreich. Es gab einfach keinen Grund für die Elektronik, wie kamen ja mit der Fertigung nicht mal bei den Mechanikuhren nach. Warum sollten wir uns dann mit der Elektronik selbst Konkurrenz machen?"