Von Rainer Frenkel

Toni Schmückers letztes Wort war sein erstes. Er beschloß die Präsentation einer geldstrotzenden VW-Bilanz mit einem drei Jahre alten Selbstzitat. Damals, nach seinem Antritt bei VW, hatte er gesagt: "Daß wir alles tun müssen und werden, um die Rentabilität wiederherzustellen, versteht sich wohl von selbst."

Diesen Satz kramte der VW-Boß nochmal hervor, um rhetorisch fragen zu können, "ob dieser Vorstand der damaligen Aussage entsprochen hat oder nicht".

Merkwürdig ist das schon: Da war ein Unternehmen, nein, da war das deutsche Parade-Unternehmen durch finanzielle, technische und personalpolitische Mißwirtschaft noch vor wenigen Jahren konkursreif; da bekam es einen neuen Chef, eben Toni Schmücker; da steht es schon im Jahre drei nach der "Beinahe-Pleite" (Schmücker) wieder glänzend da; und was tut dieser Chef? Er zweifelt.

Sein Zweifel gilt zwar nicht der Sache, dem, wie er sehr bewußt untertreibend sagt, "vorzeigbaren Ergebnis". Auch daß der Genesungsprozeß "1977 praktisch vollendet ist", stellt Schmücker nicht infrage. Er zweifelt aber durchaus daran, daß das Publikum die Sache auch gehörig begreift. Er möchte gern, daß seine Zuhörer ihm sagen, wie prächtig das alles ist. Und dabei dürfen sie um Himmels willen nicht denken, er wünsche dies, um persönliches Lob zu hören.

Ist das alles nur eine subtile Form von Effekthascherei, wenn er in immer neuen Wendungen um Achtung für seine Arbeit buhlt, seine Person aber – angeblich? – unbeachtet sehen will? Will er nicht in Wahrheit selbst geliebt werden, wenn er die unbestreitbar glänzende Sache vorzeigt, an der er schließlich nicht unbeteiligt ist?

Gewiß, frei von Eitelkeit ist auch Toni Schmücker nicht. Seine gelegentlich noch gestelzt wirkende Sprache bietet da immer wieder Hinweise. Etwa dann, wenn er seinen Zuhörern schon routinemäßig vorhält, "Suggestionen, die falsch sind", zu erliegen, wenn er es also selbstverständlich besser weiß. Oder wenn er – im Zusammenhang mit der Bestellung des von Krupp herüberkommenden neuen Arbeitsdirektors Karl-Heinz Briam – in einer Mischung aus Aggression und Lakonie feststellt: "Sie können sagen: Hat der (Schmücker) noch alle Tassen im Schrank? Ich sage: Ja."