Von Rudolf Herlt

Vom 23. Mai an wird die amerikanische Regierung auf regelmäßigen monatlichen Auktionen jeweils 300 000 Unzen auf dem freien Markt versteigern. Die Begründung lautet: zur weiteren Stützung des Dollars und zum Abbau des amerikanischen Defizits in der Handelsbilanz.

Zuletzt haben die Amerikaner Anfang 1975 Gold aus offiziellen Beständen versteigert. Damit haben sie damals verhindert, daß der Preis für eine Unze (etwa 31 Gramm) über 200 Dollar kletterte. Ein hoher Goldpreis war immer ein untrügliches Zeichen für einen kranken Dollar.

Im Januar 1976 wurden in Jamaika wichtige, das Gold betreffende Beschlüsse gefaßt. Auf Drängen der Amerikaner wurde das Gold seiner währungspolitischen Aufgaben entkleidet, demonetisiert. Seither hat Gold keinen amtlichen Preis mehr, nur noch einen Marktpreis. Auch Notenbanken durften nun Gold auf dem freien Markt kaufen und verkaufen. Doch den Amerikanern paßte es nicht, daß die Notenbanken auch wieder Gold kaufen durften. So wurde vereinbart, daß die Goldvorräte der zehn wichtigsten Notenbanken der Welt und des Währungsfonds zwei Jahre lang nicht erhöht werden dürfen.

Ende Januar dieses Jahres lief dieses Abkommen aus. Notenbanken dürfen jetzt auch wieder Gold kaufen. Am 1. April 1978 sind die reformierten Satzungen des Internationalen Währungsfonds mit allen anderen Beschlüssen von Jamaika in Kraft getreten. Das Gold ist nun auch nicht mehr die Elle, mit der der internationale Wert der Währungen gemessen wird. Bis auf das Halten von Goldreserven der Zentralbanken war das Gold aus seinen währungspolitischen Verpflichtungen endgültig entlassen worden. Die Demonetisierung war fast perfekt.

Knapp drei Wochen nach diesem Ereignis kündigte US-Finanzminister Michael Blumenthal neue Versteigerungen aus offiziellen US-Goldbeständen an. Die westliche Welt schaut verblüfft nach Washington. Die ersten Aufgaben, die die Amerikaner dem demonetisierten Gold zuweisen, sind währungspolitischer Natur.

Die USA besitzen über ein Viertel der offiziellen Goldreserven der Welt, fast 8700 Tonnen. Würden sie diesen sagenumwobenen "Goldschatz von Fort Knox", der zum größten Teil in den Gewölben der Federal Reserve Bank von New York lagert, zum gegenwärtigen Goldpreis verkaufen, nähmen sie 48 Milliarden Dollar ein.