"Na ja, ich habe immer schon Sport getrieben. Schreiben ist ja ein so ungesunder Beruf: Acht bis zehn Stunden täglich am Schreibtisch, und ich schreibe alles von Hand, das führt zur physischen Verkrampfung. Weil alles auf diese rechte Hand geht, entsteht ein hochgradiger Krampf der sich im Laufe der Stunden auf den übrigen Körper überträgt – da muß ich abends etwas tun, mich bewegen, sonst könnte ich überhaupt nicht einschlafen. Zur Schreibkondition gehört bei mir auch die sportliche Kondition."

Martin Walser in einem Interview mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger"

Die Burg wird rot

Aus Wien kommt erschreckliche Nachricht: Das Burgtheater, bisher als Hort der Tradition (und leider auch: der ehrwürdigen Langeweile) bekannt, wird unterwandert – von links. Erhard Busek, ÖVP-Abgeordneter im Wiener Parlament, hat jedenfalls den Eindruck, daß sich "eine linke Richtung breitgemacht hat, und daß sie in der Verteidigung ihrer Positionen sich manchmal faschistischer Methoden bedient". Busek ist nicht der einzige, der Gespenster sieht. Auch in Teilen der Wiener Presse wird der Eindruck erweckt, Burgtheater-Direktor Achim Benning habe die Burg-Tore dem Feind geöffnet. Und dieser Feind steht links, und er kommt aus Deutschland. Die Wiener "Kronen-Zeitung": "Es erbittert uns einfach, daß Benning das von den Linksintellektuellen hochgejubelte, aber vom Publikum abgelehnte deutsche Provinztheater, das eine Fäkalien-Ära des Theaters eingeleitet hat, am Burgtheater einführen will." Tatsächlich hat Benning, maßvoll und vorsichtig, versucht, das von den aktuellen Entwicklungen seit vielen Jahren isolierte Wiener Theater mit einigen Regie-Protagonisten bekannt zu machen: Neuenfels, Palitzsch und Dorn haben an der Burg inszeniert, Zadek und Bondy sollen folgen. Tatsächlich ist diese Öffnung nach außen längst fällig – Bennings Vorgänger Gerhard Klingenberg (inzwischen in Zürich) hatte sie auch schon versucht, mit allerdings fragwürdigen Rezepten: französische Stücke ließ er von Franzosen, Comedia dell’arte von Italienern, Shakespeare von Engländern inszenieren. "Authentizität" war der Ehrgeiz. Das Resultat: eine Art Welttheater-Warenhaus. Nachfolger Benning tut also das einzig Mögliche und Richtige – und schon wirft man ihm unösterreichische Umtriebe vor. Wien bleibt Wien.

Internationales Künstler Gremium

Das "Internationale Künstler Gremium", vor rund zwei Jahren gegründet und heute rund 80 Mitglieder zählend, möchte sich zu einer Art PEN-Club für die Bildenden Künstler entwickeln. Davon ist man freilich noch weit entfernt, wie sich auf der diesjährigen Tagung in Berlin leider zeigte. Die Behandlung der beiden Tagesthemen, "Kultur wird nicht von Kultusministern gemacht" und "Künstler sprechen über das, was sie am meisten interessiert", verlief zwischen Chaos und Eitelkeit, so unkoordiniert und ungegliedert, daß die Veranstaltung nur als Spiegelbild des diffusen Selbstverständnisses dieses Avantgarde-Vereins taugte. Wenigstens einige amüsante und intelligente Referate aber bewies sen, daß auch Bildende Künstler teilweise in der Lage sind, ihre eigenen Intentionen zu artikulieren. Rune Mields’ Mitteilungen über sich selber gehören dazu und Franz Erhard Walther? kluger Versuch, seine künstlerischen Aktionen als Suche nach einem neuen "Werk"-Begriff sprachlich zu formulieren. Daß es überhaupt zu einer kulturpolitischen Debatte kam, war schließlich Karla Fohrbeck zu verdanken. In einer glänzend formulierten Kritik an der ganzen Veranstaltung warf sie dem sich zur Avantgarde zählenden Gremium mangelnde gesellschaftliche Verantwortung und Aktivität vor: Sie riet den Künstlern, die masochistische Pose des Handaufhaltens aufzugeben, sich nicht länger von Bürokraten vorformulieren zu lassen, welche Funktion Kunst in der Gesellschaft habe, und von der Rolle eines gesellschaftlichen Objekts zu der eines gesellschaftlichen Subjekts zu finden.

Bundesfilmpreise