Die unverändert hohen Arbeitslosenzahlen – auch im April wurde nach den ersten Schätzungen der Bundesanstalt für Arbeit die Millionengrenze nicht unterschritten – machen weiterhin Sorge. Der DGB-Vorsitzende Heinz Oskar Vetter hat sich in einem Interview erneut für die Einführung der 35-Stunden-Woche eingesetzt.

Vor den Gefahren von Arbeitslosigkeit und Inflation für die westlichen Demokratien hat jüngst auch der SPD-Fraktionsvorsitzende, Herbert Wehner, gewarnt. Er rief zu einem "internationalen Pakt zur Wiedererlangung der Vollbeschäftigung" auf, wobei die politische Stabilität nicht durch "das süße Gegengift der Inflation" in Frage gestellt werden dürfe.

Eine "Normalisierung auf Raten" entdeckt das Institut der Deutschen Wirtschaft bei der Entwicklung der Unternehmergewinne. Die Bruttoumsatzrendite, der Gewinn gemessen am Umsatz vor Steuern, hatte sich nach Angaben des den Unternehmern nahestehenden Instituts von 5,3 Prozent 1976 auf 5,5 Prozent 1977 erhöht. Für dieses Jahr wird mit 5,6 Prozent gerechnet. Diese Gewinnverbesserung wird im Vergleich zum Rezessionsjahr 1975 mit einer Bruttoumsatzrendite von 3,7 Prozent zwar als deutliche Erholung gewertet. Aber im Vergleich zum langfristigen Durchschnitt von 1962 bis 1972 mit 6,4 Prozent bleibe der Gewinnsatz deutlich zurück.

Die weitverbreitete Befürchtung, Importe aus der Dritten Welt würden den Menschen in den fortgeschrittenen Marktwirtschaftsländern die Arbeitsplätze wegnehmen, so schreibt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in Genf, sei ebenso unbegründet wie die Hoffnung, eine kräftige Dosis Protektionismus könne das Übel der Arbeitslosigkeit im Westen kurieren. Statt dessen plädiert die ILO für Umdenken und Umlernen im Westen. Denn nur diejenigen marktwirtschaftlich orientierten Industrieländer könnten sich behaupten, deren Regierungen, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die Fähigkeit und den politischen Willen besitzen, die industrielle Landkarte des Westens drastisch zu verändern.

Dennoch müsse der Arbeitslosigkeit der Charakter des Schandmals genommen werden. Die Gesellschaft muß sichdamit vertraut machen, daß es im Arbeitsleben zeitweise Arbeitslosigkeit geben kann. Zu dem Schluß kommen Experten der Internationalen Arbeitsorganisation in zwei Studien über die Arbeitslosigkeit.