Joachim Schwelien †

Unser Amerika-Korrespondent in den Jahren von 1965 bis 1973, Joachim Schwelien, ist tot. Er besaß die ungewönliche Eigenschaft, seine politische Leidenschaft durch seine Fähigkeit zu rationalem Urteil im Zaum zu halten und gerade dadurch seine Leser zu interessieren und zu überzeugen. Joachim Schwelien starb unerwartet im 65. Lebensjahr während eines Urlaubs in Spanien. Wir trauern um ihn.

ANS ade

Sie lebte nur einen Winter lang: die Hamburger Aktionsfront Nationaler Sozialisten (ANS) des jungen Neonazi-"Gauführers" Michael Kühnen. Im Dezember für die Bürgerschaftswahlen am 4. Juni gegründet, gab sie jetzt ihre Auflösung bekannt, um im Untergrund den "Freiheitskampf des deutschen Volkes" zu führen. Vorgeschützte Begründung: Die "NSDAP-Aufbauorganisation" (ebenfalls Kühnen) habe ihre Unterstützung für die ANS zurückgezogen. Tatsächlicher Grund: Statt der für die Wahlzulassung erforderlichen 500 Unterschriften hatte der Jungnazi-Verein lediglich 150 auftreiben können. So ließ Kühnen den Kühnen in der Versenkung verschwinden. (Siehe auch Dossier Seite 33: "Hitlers Harlekine von heute").

Bock geht

Der Mannheimer Rechtsanwalt Ludwig Bock, der im Düsseldorfer Maidanek-Prozeß die schwer belastete ehemalige KZ-Aufseherin Hildegard Lächert ("blutige Brygidda") verteidigt, will sein Mandat niederlegen. Bock, der auch als Rechtsbeistand der rechtsradikalen "Deutschen Volksunion des Nationalzeitungs-Verlegers Gerhard Frey fungiert, war im Düsseldorfer Verfahren durch unqualifizierte Ablehnungsanträge hervorgetreten. Israelische Zeuginnen hatten erklärt, er habe sich bei ihnen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Auskünfte erschleichen wollen (siehe ZEIT Nr. 15/17. 4. 1978 "Anwälte als Ankläger"). Seinen Entpflichtungsantrag begründete Bock mit der Behauptung, gegen ihn werde in Teilen der Presse eine "beispiellose Hetzkampagne" geführt. Außerdem sei ihm, zur Zeugenbefragung durch das Gericht, die Einreise nach Israel verweigert worden. Dort habe er angeblich die Rechte seiner Mandantin nicht ordnungsgemäß wahrnehmen können. Wie alle Angeklagten im Maidanek-Prozeß wird auch Hildegard Lächert von zwei Anwälten verteidigt. Außerdem werden alle Zeugenaussagen, die im Ausland aufgenommen werden, anschließend im Verfahren verlesen.

Champion mit Kummer