Von Lilo Weinsheimer

Bremen

Von Spuk war die Rede. Im Keller des Bremer Kaufmanns Surowitz ging auf unerklärbare Weise Porzellan zu Bruch. Der Lehrling Heiner Scholz, ein schmächtiger Vierzehnjähriger, war immer in der Nähe der Scherbenhaufen, in Aktion jedoch sah ihn niemand. Als Poltergeist kam der arme Heinrich aus Bremen-Vahr in die Schlagzeilen der Presse des In- und Auslandes. Der Parapsychologe Hans Bender eilte an die Weser, er experimentierte mit Heiner und holte ihn in sein Institut nach Freiburg. Für Bender war Heiner ein ernsthafter Fall von Telekinese. Das war vor 14 Jahren. "April, April", hatte das "telekinetische Phänomen" von 1965 jetzt als erwachsener Mann gestanden. Heiner Scholz, Gärtner in Essen, erzählte dem Bremer. Kriminaldirektor Herbert Schäfer, wie er damals alle zum Narren gehalten hat.

Die Geständnisse des Heiner Scholz, von Schäfer schriftlich festgehalten, lesen sich wie ein Krimi. Er wuchs bei seiner Großmutter auf, kam gegen seinen Willen in die Lehre des Lebensmittel- und Geschirrhändlers Surowitz. "Ich war über meine Beschäftigung dort ganz unglücklich und zornig. Als ich einmal etwas falsch machte, gab mir Herr S. eine Ohrfeige ..., er beschimpfte mich auch in Gegenwart von Kunden als Tölpel, solche Demütigungen vertrage ich nicht." Aus Wut zerschlug er im Porzellankeller Geschirr. "Man beobachtete mich, dann habe ich sie ausgetrickst."

Das geschah so: "Wenn Herr S. weg war, habe ich das Bandgerät auf Aufnahme gestellt und dann Scherben und Geschirr an die Wand geschmissen. Diese Geräusche wurden durch das Bandgerät aufgenommen." Wenn Herr und Frau Surowitz wieder da waren, schaltete der 14jährige das versteckte Tonband ein; alarmiert durch die furchtbaren Brechgeräusche rannte das Ehepaar in den Keller und fand dort die von Heiner vorbereiteten Scherben. Ein anderes Mal: "Wenn Frau S. mit Kunden im Porzellankeller war, habe ich eine kleine Kaffeekanne über meine Schulter nach hinten geworfen. Keiner achtete auf mich. Wenn ich Glück hatte, fiel die Kanne in ein volles Regal und riß weiteres Porzellan nach unten." Einmal, als mehrere Feuerwehrleute und Kriminalbeamte den Keller nach Strahlungen absuchten, "griff ich mir einen Stapel flacher Glasuntersetzer und streute diese mit einem Querwurf durch den ganzen Raum. Die Feuerwehrleute erschraken schrecklich, einer warf sich auf den Boden. Die Polizeibeamten liefen hinaus".

Über seine Begegnung mit Professor Bender berichtete Scholz: "Er kam eines Tages nach Bremen und war davon überzeugt, daß das ganze ein Spuk sei. Die Vorgänge hielt er für wissenschaftlich sehr wichtig. Er hat mich nie gefragt, ob ich selbst das Geschirr zerschlagen habe." Der Lehrjunge wurde von Surowitz entlassen. Der Kaufmann mußte 5000 Mark für das zerdepperte Porzellan bezahlen, seine Versicherung wies Ersatzleistungen mit dem Hinweis auf die von Bender bestätigte "Übersinnlichkeit" der Vorgänge zurück.