Das große Geschäft machte Goller beim Verkauf seiner Werke offenbar nicht. Für die „Hl. Katharina“ zum Beispiel soll er etwa 4500 Mark bekommen haben. Dafür machten, einige seiner Bilder, zumindest kurzfristig Karriere. Sein „Liebespaar mit Ansicht von Wasserburg“ zum Beispiel wurde in der Ausstellung „Spätgotik in Salzburg“ öffentlich ausgestellt und – wenn auch nur vorübergehend – in die Spezialliteratur aufgenommen.

Solche Fälle sind keine Ausnahmen. Seriöse Kunsthändler und Kunsthistoriker klagen immer häufiger über die zunehmende Zahl falscher Bilder auf dem Kunstmarkt. Das Angebot unechter Kostbarkeiten richtet sich stark nach dem jeweils geltenden Geschmack. So wurden beispielsweise – in der Folge des wiedererwachten Interesses an der Dürer-Zeit – dem Doerner-Institut in München in jüngerer Zeit zahlreiche „altdeutsche“ Gemälde zur technologischen Prüfung übergeben, die alle innerhalb der letzten zehn bis 15 Jahre entstanden sind. Hubert Falkner von Sonnenburg vom Doerner-Institut: „Diese Fälschungen wurden also ganz bewußt im Hinblick auf den in unserer Zeit vorherrschenden Geschmack geschaffen, und natürlich nicht zuletzt auch, um eine Marktlücke zu füllen, was in einigen Fällen auch gelungen ist.“

Ähnliches gilt für die moderne Malerei. Nach Aussage des Kunstexperten und Juristen Wilhelm F. Arntz in Haag (Oberbayern) vergeht kaum eine Woche, in der ihm nicht ein angeblich von Max Liebermann oder Lovis Corinth stammandes Werk angeboten wird.

Bei diesen Gemälden handelt es sich, so Arntz, jedoch in den seltensten Fällen um bewußte Fälschungen, sondern meist um – bewußt oder unbewußt – falsche Zuschreibungen.

Selten freilich läßt sich exakt beweisen, wann und durch wen ein Bild in der Art eines berühmten und hoch bezahlten Künstlers zu einem echten Grünewald, Liebermann oder Corinth avanciert. Besitzgier und allzu guter Glaube, in die Glaubwürdigkeit einer Expertise oder die Seriosität eines Händlers spielen bei der „Karriere“ eines Bildes ebenso oft eine Rolle wie gespielte Ahnungslosigkeit oder gar bewußter Betrug.

Obwohl die Zahl der Fälschungen oder falsch zugeschriebenen Bilder ständig steigt und dies von renommierten Händlern auch zugegeben wird, findet eine öffentliche Diskussion über dieses Thema nicht statt. Der Käufer, der nach deutschem Recht den Beweis für die Unechtheit eines Werkes zu erbringen hat, soll – zumal in einer Zeit, die längst nicht als Hochkonjunktur zu bezeichnen istnicht verunsichert werden.

Daß das Klima auf dem Kunstmarkt ohnehin nicht das beste ist und alte Handelspraktiken heute nicht mehr ohne weiteres akzeptiert werden, wurde zum Beispiel bei einer Debatte deutlich, die kürzlich im Kunstmarktteil des Handelsblattes und in der Fachzeitschrift Weltkunst über die rechtliche Zulässigkeit von telephonischen Auktionsangeboten geführt wurde.