DIE ZEIT

Italiens Märtyrer

Die Todesschüsse der Roten Brigaden vom 9. Mai waren auf Italien, auf sein nur allzu verwundbares Gemeinwesen gezielt. Haben sie aber in Aldo Moro, einem der persönlich unanfechtbarsten und nie zum Machtmißbrauch versuchten Politiker wirklich den Staat, seine Ordnung und Freiheit ins Herz getroffen? Im ersten Aufruhr der Gefühle meinte Saragat, der frühere Staatspräsident, neben dem grausam Ermordeten auch die Leiche der ersten italienischen Republik zu sehen – als ob dieser Staat mit Moro, seinem Leben und Sterben identisch wäre.

Der Draht nach Moskau

Die ausgeprägte Sachlichkeit bei den Gesprächen während des Bonner Breschnjew-Besuches hat keine Faszination aufkommen lassen.

Die Bürde der Vergangenheit

Hans Karl Filbinger, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, hat also in Norwegen nicht nur drei Wochen nach der Kapitulation des Deutschen Reiches den aufsässigen Obergefreiten Petzold, der sich die Hakenkreuzabzeichen von der Uniform trennte, wegen Verstoßes gegen die Manneszucht und Gesinnungsverfalls zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

,,Einen Tiger am Schwanz packen"

Wer sich bislang für Afghanen interessierte, dachte entweder an billige, bestickte Schaffellmäntel, an hochwertige Haschisch-Sorten oder an Edelrassehunde mit Aufsteiger-Appeal.

Zeitspiegel

Die Kernkraftindustrie hat den Wert von Leserbriefen entdeckt. Oder wie Klaus Barthelt, Vorstandsvorsitzender der Kraftwerk-Union (KWU), meinte: "Diese kostenlose Möglichkeit, den eigenen Standpunkt darzustellen, überlassen wir bisher fast ausschließlich denen, die uns nicht wohlwollen.

Am Morgen traf es "Moskau"

Sie machten es so ähnlich wie die Israelis: Sie schlugen hart, schnell und gründlich zu. Am vergangenen Donnerstag erschienen im ersten Morgengrauen südafrikanische Mirages über Cassinga, einem kleinen Bergbaustädtchen im südlichen Angola, 250 Kilometer von der Grenze zu Namibia entfernt.

Worte der Woche

"Die unterschriebene Vereinbarung schafft ausgezeichnete Voraussetzungen für eine noch aktivere Teilnahme an der sowjetisch-deutschen Wirtschaftskooperation, nicht nur für große, sondern auch für mittlere und kleinere Firmen.

Aus der Stellungnahme Filbingers zum Feldurteil gegen Gröger

Mit der Vorlage dieses Urteils soll offenbar der Versuch unternommen werden, die Aussagen von Hochhuth zu untermauern. Da ich in der in Frage stehenden Verhandlung als Vertreter der Anklage tätig sein mußte, soll offenbar eine Verbindung zwischen mir und zweifelhaften Todesurteilen aus der Zeit des Dritten Reiches hergestellt werden.

Kein Expander, kein Trampolin

Leonid Iljitsch Breschnjews Bonner Besuch hat, so schien es in den Tagen unmittelbar nach der Visite, die innenpolitischen Fronten am Rhein vorübergehend ziemlich durcheinandergebracht.

"Auf Stoß-Wacht"

Verteidigungsminister Ustinow konnte sich am Dienstag in der Prawda noch nicht zu einem Urteil über den Bonner Breschnjew-Besuch durchringen.

DOKUMENTE ZUR ZEIT: "Keine Alternative"

Beide Seiten sind entschlossen, dazu beizutragen, daß die durch die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa eingeleitete Entwicklung dynamisch fortschreitet.

Niederlage für Callaghan

Die regierende britische Labour-Partei hat bei einer Abstimmung über das Haushaltsgesetz ihre bislang schwerste Niederlage einstecken müssen.

Auslieferung von Terroristen

Die deutsche Terroristin Gabriele Kröcher-Tiedemann wird vorläufig von der Schweiz nicht ausgeliefert werden, da sie dort wegen versuchten Mordes an zwei Schweizer Polizisten vor Gericht gestellt werden soll und auch die zu erwartende Strafe in der Schweiz zu verbüßen haben wird.

Nirgends große Sünder

Der FDP-Abgeordnete Möllemann ist einsame Klasse. Den "Todenhöfer der FDP" nannte ihn ein Journalist kürzlich; "falsch", korrigierte ihn ein Kollege, "er ist der Möllemann der FDP".

Trikolore im Pulverqualm

Die französische Armee kämpft in Tschad und in Mauretanien; mindestens siebentausend Soldaten sind in Afrika stationiert. Grundlage dieser Politik: Verträge über militärische und technische Kooperation.

Kernfrage Kernenergie

Die Vereinigten Staaten haben die Lieferung von hoch angereichertem Uran an das Euratom-Zentrum in Petten (Niederlande) so lange eingestellt, bis dort bessere Sicherungsmaßnahmen gegen Diebstahl und Raub radioaktiven Materials getroffen werden.

Der Macher kommt nicht weiter

Ministerpräsident Adolfo Suárez weilte fern auf den Kanarischen Inseln, als man ihm aus Madrid die Niederlage seiner Regierung signalisierte: Im spanischen Parlament hatte die Opposition der Regierungspartei UCD eine empfindliche Schlappe beigebracht, als sie mit einer Stimme Mehrheit für eine Freigabe von Empfängnisverhütungsmitteln stimmte.

Blamabel

Konnten oder wollten die Abgeordneten nicht richtig lesen? Formulierte das Verfassungsgericht lässig oder gar fahrlässig? Jedenfalls hält einer der Richter, der im November 1975 am Diätenurteil mitgewirkt hatte, dessen Nutzanwendung durch Bundestag und Länderparlamente für ziemlich zweifelhaft.

Gruß nach vorn

Ein Prophet, der wenig im eigenen Lande gilt – das war Nahum Goldmanns Schicksal, seit er jahrzehntelang als Präsident des jüdischen Weltkongresses und der Zionistischen Weltorganisation im Ausland für Israel warb und sammelte.

Angst vor dem Funken

In der DDR gärt es. Dafür gibt es viele Anzeichen. Vor allem unter Jugendlichen und Intellektuellen herrscht Unruhe: Sie lassen sich am wenigsten von der Konsumpolitik des SED-Generalsekretärs Honecker besänftigen.

Klüger als zwei Gerichte?

Vom Dank des Vaterlandes wissen die Verdienten, daß er sie ewig verfolgt und nie erreicht. Für die Rache der Obrigkeit gilt wohl eher das Wort von Gottes Mühlen, die langsam, aber sicher mahlen: Der Regierungsoberamtmann Hans Stang von der Flugsicherungs-Leitstelle Frankfurt hat in diesen Tagen mir knapp den fünften Jahrestag der Einleitung des förmlichen Disziplinarverfahrens verpaßt, mit dem er nach dem Willen seines Dienstherrn aus dem Amt gefeuert werden soll.

Ein Sieg der Gegner

Im Januar berichtete die ZEIT über den Versuch einer Regensburger Bürgerinitiative, eine geplante Autobahn im westlichen Regental zu verhindern.

Der übersinnliche Lehrling Heiner

Von Spuk war die Rede. Im Keller des Bremer Kaufmanns Surowitz ging auf unerklärbare Weise Porzellan zu Bruch. Der Lehrling Heiner Scholz, ein schmächtiger Vierzehnjähriger, war immer in der Nähe der Scherbenhaufen, in Aktion jedoch sah ihn niemand.

Ben Witter: Hafengeburtstag: Wegen der 789 Jahre

Der Geburtstag des Hamburger Hafens wurde auch in der Michaeliskirche gefeiert, diesem Wahrzeichen für Seeleute, das deshalb bis Mitternacht immer angestrahlt wird, wo aber nur wenig Seeleute hineingehen; ein Blick von weitem genügt.

Zweifel am neuen Weg

Die älteste, stärkste und wohl auch aussichtsreichste Strömung des sogenannten Eurokommunismus wird durch die Kommunistische Partei Italiens (KPI) repräsentiert.

Wenn Tradition zur Last wird...

Berthold Beitz, spätestens seit dem glänzenden Geschäft mit dem Perser-Schah wieder die unbestrittene Nummer eins im Krupp-Konzern, will einen Geist zerstören: "den Geist der Altendorfer Straße".

Wehret den Anfängen

Es sieht ganz so aus, als würde sich die Bundesbank darüber freuen, daß die Mark mit dem fortdauernden Schwund des Vertrauens in den Dollar in eine neue internationale Rolle hineingewachsen ist.

Der Krupp-Konzern

1811 gründete Friedrich Krupp eine Firma zur Herstellung von Gußeisen. Heute ist die Obergesellschaft für den Konzern die Fried.

Haacks Experiment

Der soziale Wohnungsbau, der Millionen von bedürftigen Bundesbürgern zu preiswertem Wohnraum verhalf, ist am Ende. Billige Sozialwohnungen aus den fünfziger und sechziger Jahren werden vornehmlich von gutsituierten Mietern blockiert, die den Status der sozialen Bedürftigkeit längst hinter sich gelassen haben.

Frankreich paradox

Da sitzt man nun seit Jahren in Paris, beobachtet – wie es so schön heißt – die soziale Landschaft, wägt ab, zieht seine (möglichst intelligenten) Schlüsse, tippt überzeugt auf soziale Unruhen – und dann kommt alles ganz anders.

Bonner Kulisse

Die Verhandlungen der Koalitionsfraktionen SPD und FDP über die Änderung der seit 1938 geltenden Arbeitszeitordnung mit der geplanten Überstundenbegrenzung auf vier Wochenstunden (200Stunden im Jahr) haben in der Öffentlichkeit mehr Wind gemacht, als die Sache verträgt.

Gerüchte machen Politik

Offiziell sind sie fast alle dagegen. Es gibt in der Bundesrepublik kaum einen Politiker von Rang, der es, in seinen öffentlichen Bekundungen, nicht überflüssig oder gar gefährlich nennen würde, mit den Mitteln des Staates und der öffentlichen Haushalte die wirtschaftliche Konjunktur ein weiteres Mal anzuschubsen – zum zehntenmal seit 1974.

Rosa Zeiten für die Lira

Ausgerechnet zur Feier ihrer silbernen Hochzeit spazierten der Hilfsarbeiter Remo Waldner und seine Ehefrau Pierina ins Unglück.

Krieg der Kantone

Da werden Sie Mühe haben, geeignete Beispiele zusammenzusuchen", hatte noch unlängst der Sprecher des Schweizer Wirtschaftsministeriums einem Wirtschaftsmagazin verheißen.

Eine Million Arbeitslose – gibt’s die?

Ausweglosigkeit und Hilflosigkeit sind scheinbar an die Stelle der Überheblichkeit früherer Jahre getreten, als man landauf, landab den Gedanken an eine größere Arbeitslosigkeit weit von sich wies, den Politikern und Technokraten schien alles "machbar"; angeblich lagen für alle Situationen Programme in den Schubladen.

Rettung durch Konzentration?

Ein Zusammenschluß von belgischen und luxemburgischen Unternehmen soll aus Verlusten heraushelfen

Nur eine Scheinlösung

Baum: Ihre letzte Bemerkung möchte ich von vornherein bestreiten. Was die Vorschläge unserer Verkehrsfachleute betrifft, mit denen ich mich identifiziere, und die wir nun zur Diskussion in die Partei geben wollen, so decken sie sich mit der allgemein für den gesamten öffentlichen Dienst geltenden Konzeption, der Dienstrechtsreform.

Zeitraffer

Endlich hoffnungsvollere Zahlen aus der verarbeitenden Industrie zeigt die Stastistik über Auftragseingänge des Bundeswirtschaftsministeriums: Danach stiegen im März die Bestellungen erstmals in diesem Jahr wieder an, wenn auch nur um kümmerliche 0,5 Prozent gegenüber dem Vormonat.

Manager und Märkte

Nur wenige Wochen nachdem der Bonner Mittelstandsunternehmer Nikolaus Fasolt Präsident des mächtigen Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) wurde, kam er als Unternehmer unter Druck.

Nicht kleckern, sondern klotzen

Die Bundesregierung hat der Entwicklung der Arbeitslosenzahlen auch nicht tatenlos zugesehen. Sie hat mehrere Konjunkturprogramme verabschiedet, die Steuern ein wenig gesenkt, ein vierjähriges Programm für Zukunftsinvestitionen beschlossen und seit mehreren Jahren öffentliche Mehrausgaben in einer Größenordnung durch Schulden finanziert, die orthodoxen Finanzpolitikern eine Gänsehaut über den Rücken jagte.

Die Erben der "schrecklichen Zwillinge"

Die beiden größten Gewerkschaften in Großbritannien präsentieren sich unter neuer Führung. Die Wahlen in der 1,4 Millionen Mitglieder starken Organisation der Metallarbeiter brachten einen scharfen Ruck nach rechts und katapultierten mit dem Sozialdemokraten Terry Duffy einen Mann aus dem dritten Glied an die Spitze, der aus seiner antikommunistischen Einstellung keinen Hehl macht.

Ganoven in Nadelstreifen?

Watergate-Präsident Richard Nixon war von Beruf Rechtsanwalt. Sein korrupter Justizminister Mitchell hatte den gleichen Beruf.

Forschungsförderung: Minister mit wechselndem Profil

Über Volker Hauff, Nachfahr des schwäbischen Märchenerzählers Wilhelm Hauff, heißt es im Nachwort zu seinem Buch Politik als Zukunftsgestaltung: "Stets war er der Jüngste: als Abiturient, als Doktorand, als SPD-Bundestagsabgeordneter, als Parlamentarischer Staatssekretär.

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