Ein harter Rechner

von Klaus-Peter schmid

Fünftausend Francs Bußgeld wegen Zigarettenschmuggels. Zwei Jahre Gefängnis wegen Devisenvergehen. Drei Jahre Gefängnis wegen unerlaubten Besitzes und Verkaufs von Waffen. Der Mann, dem die französische Justiz diese Strafen aufbrummte, heißt Akram Ojjeh. Er ist 60 Jahre – alt, gebürtiger Syrer, Staatsbürger von Saudi-Arabien, ebenso reich wie frankophil. Und wenn er mit seinen Millionen weiter so spendabel umgeht, dann werden ihn die Franzosen bald als Retter aus dem Morgenland feiern müssen.

Akram Ojjeh hat sich nämlich auf eine besondere Variante des Geldausgebens spezialisiert: Er rettet konkursreife Objekte vor dem endgültigen Bankrott. Wenn man ihn nach seiner Motivation fragt, antwortet er bisweilen: "Ich finde Arbeitslosigkeit unschön." Die linke Tageszeitung Le Mann bestaunte ihn dieser Tage: "Eine Art König aus dem Morgenland, der im richtigen Augenblick hinter einer Sanddüne hervorkommt, die Hände voll Gold, und kauft. Was? Alles."

Ojjehs bisher spektakulärstes Geschäft war der Kauf des Passagierschiffes France, das in seinen besten Tagen zwischen Le Havre und New York verkehrte und von den Franzosen stets als eine Art Botschafter ihrer Kultur angesehen wurde. Als diese "Perle des französischen Schiffbaus" (L’Express) wegen fehlender Rentabilität nach der Ölkrise stillgelegt wurde, ging ein Sturm der Entrüstung durchs Land. Aus Protest besetzten die Seeleute ihr Schiff; sogar die Kommunistische Partei engagierte sich für den Luxusliner – doch keiner wollte ihn haben.

Als die France in der Seine-Mündung bei Le Havre zu rosten anfing, erbarmte sich Ojjeh. Für 117 Millionen Francs erstand er im Oktober 1977 das Flaggschiff gallischer Lebensart. "Eine sentimentale Investition", gab der Käufer zu verstehen. Geschickt fügte er hinzu, er wolle aus der France ein "Schaufenster Frankreichs in der Welt" machen. Prompt steckte er eine Reihe weiterer Millionen in den Umbau der France zu einem schwimmenden Luxushotel. Von einer nebenbei erstandenen Bildersammlung (Preis: 105 Millionen Francs), die er vor der Versteigerung bei Sotheby’s rettete, sollen ebenfalls ein paar Prachtexemplare auf die France wandern.

Der mit einer Französin verheiratete Vater von fünf Kindern ist indes auch ein harter Rechner. So hat er sich in eines der größten französischen Tiefbauunternehmen, die Société Dumez, eingekauft. Von dem Telephonbauunternehmen LIT, einer florierenden Tochter des Elektrokonzerns Thomson, gehören ihm mittlerweile 25 Prozent. Und am Crédit Commercial de France, der größten nicht staatlichen Depositenbank des Landes, ist er mit fünf Prozent beteiligt, was ihn die Kleinigkeit von 50 Millionen Francs gekostet haben soll.