Von Heinz Blüthmann

Deutsche Unternehmensführer und deutsche Autofahrer sind, wenn’s gekracht hat, in einem stets einig: Schuld daran, daß ihr Vehikel verbeult im Graben gelandet ist, haben nicht sie – sondern andere.

Als Anfang März der Mannheimer Maschinenhersteller Winterwerb, Streng & Co mit 440 Beschäftigten klamm in der Kasse wurde, machte Manager und Mitinhaber Wolfgang Koehl "die schlechte Wirtschaftslage in Italien" dafür verantwortlich. Die war nun gewiß nicht erst seit gestern so schlecht, doch versuchte Koehl dennoch bis kurz vor der Pleite, dort fast die Hälfte seiner Produktion an Getränkeabfüllanlagen abzusetzen. Wer, so ist zu fragen, hatte denn so entschieden?

Als im Februar der bayerische Fernseh- und Phonohersteller Körting aufgeben mußte, erklärte Inhaber Klaus Böhme sich und seinen 1400 Mitarbeitern das so: Durch den kurz vorher zusammengebrochenen Kunden Elac in Kiel falle bei ihm Umsatz von rund zehn Prozent aus, "ein Volumen, das einen vom Stuhl haut". Zu ergänzen ist wohl: Nur, wenn man so wackelig wie Böhme sitzt.

Und als im November vergangenen Jahres die beiden Emdener Altreeder Hans Heinrich Schulte und Josef Wagner ihren 35-Firmen-Konzern Schulte & Bruns auf den Strand steuerten und den größten Reedereikonkurs seit dem Krieg zu verantworten hatten, fühlten sie sich "als Opfer der katastrophalen Entwicklung der Frachtraten in der Seeschiffahrt", die vor allem ihre Massengutfrachter tief in die roten Zahlen fahren ließ. Über ihre chaotische Finanzpolitik verloren die beiden uneinigen Firmenchefs ebensowenig ein Wort wie über die jahrelang in den Wind geschlagenen Warnungen der Wirtschaftsprüfer.

Drei Beispiele, die für täglich zwanzig Unternehmenspleiten in der deutschen Wirtschaft stehen – siebentausend im Jahr, mehr als doppelt soviel wie Anfang der siebziger Jahre. Da es für so viele Firmen Zeit zum Sterben ist, herrscht auch kein Mangel an Gründen, tatsächlichen und vorgeschobenen. Einmal sind es die Banken, die zur Unzeit den Kredithahn zudrehen, oder die Kunden, die zur Konkurrenz abwandern, ein andermal das Finanzamt, das auf seinen Steuern besteht, oder die Gewerkschaften, die zu hohe Löhne fördern, seltener heute die früher oft zitierte Ölpreiskrise, dafür wieder häufiger die Dollarabwertung oder eben die schlechte wirtschaftliche Lage überhaupt. Die Liste der Schicksalsschläge, die immer mehr "unglückliche" Unternehmen dahinraffen, wird von den Pleitiers täglich um neue Varianten bereichert.

Nur eine Version für die Pleiten-Springflut sucht man im Ursachenkatalog aus Unternehmermund vergebens: die eigene Unfähigkeit.

Das war schon bei Borgward so und auch bei Schliecker, Krupp und Neckermann, als sie gleich hunderttausend anderen Unternehmern seit dem Krieg das Handtuch warfen – in der "Stunde der Wahrheit" blieb damals wie heute wohl zuwenig Zeit zur Selbsterkenntnis.

Mitunter, etwa nach der letzten Großpleite Körting, helfen sogar Konkursverwalter dem abgestürzten Firmenchef, an einer balsamierenden Legende zu stricken. Körting-Verwalter Volker Grub, der nun die Trümmer beiseite räumen soll, verstieg sich dabei zu dem bemerkenswerten Satz: "Es gibt manches Unternehmen, das froh wäre, wenn es eine Bilanz wie Körting hätte." Wohlgemerkt: eine Bilanz praktisch ohne Eigenkapital, denn das ist verwirtschaftet.

Jüngst entsprach gleich eine ganze Branche dem Wunsch ihrer Unternehmensführer, von sich selbst abzulenken und lieber mit dem Finger auf andere zu zeigen: die Bauwirtschaft. Die Sparte, die allein in den letzten vier Jahren über sechstausend Pleiten baute und deshalb einen besonders großen Alibibedarf verspürte, ließ sich im Februar von ihrem Steuer-Arbeitskreis in Wiedenbrück attestieren: Die Hauptschuld am Konkursboom in der Bauwirtschaft trage allein der Fiskus.

"Wenn heute behauptet wird, das Management der Firmen habe versagt", tröstete der Arbeitskreis nachträglich die Ex-Bosse, "so kann dies allenfalls insoweit zutreffen, als die Spitzenkräfte der Bauwirtschaft gegen die steuerlichen Fehlmaßnahmen machtlos gewesen sind." Merkwürdig daran ist allerdings, daß die aufgezählten Fehlmaßnahmen (zumeist Abschreibungs-Limits) der Finanzbehörden, wenn es denn welche waren, sämtlich schon um das Jahr 1960 herum in Kraft traten, zu einem Zeitpunkt also, da für die Baulöwen die Konjunktursonne erst so richtig aufging. Schließlich verstrichen seitdem fast eineinhalb Jahrzehnte, bevor – auch in anderen Branchen – die große Konkurswelle hochschwappte.

Auch heute allerdings, im Jahre Fünf des Abbruchbooms, ist das statistische Material darüber immer noch in beklagenswertem Zustand, der Wissensstand über Ursachen und Folgen der Misere dürftig. In einem Land, das selbst den Import von künstlichen Zähnen bis zum letzten Stück akribisch erfaßt, steht nämlich nicht einmal die jährlich ausgeschiedene Zahl der Firmen zur Verfügung – von weitergehenden Angaben ganz zu schweigen.

Denn was das Statistische Bundesamt in Wiesbaden meldet, ist nur ein Ausschnitt aus der Wahrheit. Fast noch einmal so viele Firmen, wie die offizielle Statistik registriert, so vermuten die Insolvenzforscher der Kreditauskunftei Creditreform in Neuss, sterben den "stillen Tod": Sie werden gar nicht erst gerichtsnotorisch und deshalb auch nirgends gezählt. Aber selbst für die amtlich heimgegangenen Unternehmen werden von niemandem in der hochgezüchteten Verwaltung der Bundesrepublik die dabei vernichteten Arbeitsplätze erfaßt (siehe Seite 27: Die Arbeitnehmer bleiben auf der Strecke) oder die tatsächlichen Schäden – abgesehen vom reinen Forderungsausfall – errechnet. Sie summieren sich auf schätzungsweise fünfzehn Milliarden Mark im Jahr – so viel, wie AEG-Telefunken Umsatz macht.

Die seriöse Insolvenzforschung kommt erst langsam in Gang. Eines steht dennoch schon fest: Von den schamhaften Unternehmer-Sprüchen, die bislang die Szene eher vernebelten als erhellten, ist wenig zu halten. Gerade bei den Firmenchefs nämlich "liegen die schwerwiegendsten Mängel und Schwachstellen, die den Betrieb in der Existenz gefährden", konstatierte eine Untersuchung des Instituts für Mittelstandsforschung in Köln.

Die Kölner Wissenschaftler, die 1300 Konkursakten der Amtsgerichte durcharbeiteten und 74 Konkursverwalter befragten, um die Gründe für die Insolvenzwelle zu analysieren, stellten fest: Nicht die von Unternehmerseite häufig beschworenen äußeren Einflüsse, wie "die allgemeine schlechte Konjunkturlage, Steuerbelastungen, Sozialkosten, Tarifpolitik" sind die Hauptursache, sondern die Bosse selbst. Die Kölner Forschungsgruppe: "Die Unternehmenszusammenbrüche werden mehrheitlich durch ein innerbetriebliches Fehlverhalten der Betriebsführung verursacht."

Das Versagen an der Spitze, bei kleineren noch öfter als bei großen Unernehmungen anzutreffen, beschreiben die Wissenschaftler so: "Mangelhafte Unternehmerqualifikation, ungenügende Führungskenntnisse und ungenügender Informationsstand erwiesen sich sowohl von der Häufigkeit als auch von der Gewichtung her als die Hauptfehlerquellen mit besonders verhängnisvoller Auswirkung." Ob Handel, Industrie oder Dienstleistungsbereich – die Insolvenzforscher fanden solch Mißmanagement gleichermaßen in allen Branchen.

Krasse Fehlleistungen der Führungsspitze waren es auch, die den traditionsreichen Essener Stumm-Konzern scheitern ließen – einer der spektakulärsten Zusammenbrüche nach dem Krieg. Betroffen waren 25 000 Mitarbeiter in rund 50 Gruppen-Firmen, die zusammen fast drei Milliarden Mark umsetzten. Der Konzernchef und ehemalige hessische Staatssekretär Leonhard Lutz hatte tatenlos mitangesehen, wie bei seiner Tochtergesellschaft Stumm Handel GmbH, deren Aufsichtsrat er präsidierte, nach der Ölkrise riskante Spekulationsgeschäfte in Milliardenhöhe anliefen – und verlustreich fehlschlugen.

Schnellen Gewinn erhoffend, kaufte die Stumm-Töchter auf dem Höhepunkt der Energiekrise teures Mineralöl en gros ein, das sie anschließend nur mit hohen Preisabschlägen wieder loswurde. Auf diese Weise produzierten die Handelsmanager binnen kürzester Frist ein Manko von 120 Millionen Mark, doppelt so viel wie das Konzernkapital. Schon im Herbst 1974 war deshalb das Ende da für den Montan-Konzern, dessen Qualitätsstähle für die kaiserliche Kriegsflotte einst so berühmt waren wie Krupps Kanonen.

Die Aktionäre, meist Nachkommen von "König Stumm", wie Bismarck seinen Industriefreund voller Hochachtung genannt hatte, fielen aus allen Wolken. Denn ihr Aufsichtsrat, besetzt mit klangvollen Namen aus Bankenwelt und Industrie, hatte sie bis zum Schluß in trügerischer Sicherheit gewiegt: Ehrenvorsitzender Bankier Hermann Josef Abs, der frühere VW-Aufsichtsratschef Josef Rust, der ehemalige Bundestagsabgeordnete und Familien-Chef Knut von Kühlmann-Stumm und Otto Wolff von Amerongen, im Nebenberuf Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT).

Obwohl mittlerweile alle Aktien des Pleiteunternehmens für kaum mehr als zehn Prozent ihres Nennwerts von dem Hamburger Mineralölhändler Marquard & Bahls (Mabanaft) aufgekauft wurden, die damit einen neuen, steuervorteilhaften Mantel für ihr Geschäft fanden, macht der Stumm-Zusammenbruch immer noch Schlagzeilen. Denn in der Stumm-Konzernzentrale, die 1969 von der unfreundlichen Steinkohlenzeche Minister Achenbach in eine 30-Zimmer-Villa mit Bierbar und Sauna in Essens vornehmes Viertel Bredeney verlegt worden war, hatte sich unternehmerisches Unvermögen mit kriminellem gemischt.

Im größten Wirtschaftsstrafverfahren seit Bestehen der Bundesrepublik wirft die Staatsanwaltschaft den ehemaligen Chefs der Stumm Handel GmbH, Walter Maier, Herbert Hartmann und Theodor Nöllen-Brockhoff, vor, Millionen auf eigene Konten geschafft und durch Betrug und Fälschung einen Schaden von nicht weniger als 1,3 Milliarden Mark verursacht zu haben. Ein Ende des Prozesses ist noch nicht in Sicht.

Die Angeklagten verteidigen sich, indem sie Ex-Konzernherrn Lutz belasten. Vieles, auch die ihnen vorgeworfene Serie von Bilanzfälschungen, sei auf Anweisung von Lutz geschehen. Doch der kann nichts mehr zur Aufhellung des Tatbestandes beitragen. Lutz erhängte sich Anfang 1976 in seiner Zelle in einem Münchner Gefängnis.

Wenn Unternehmen abrutschen, dann nicht selten, weil die Unternehmer auf Abwege geraten. "Verhältnismäßig häufig", in jedem fünften Pleite-Unternehmen, eruierten die Kölner Insolvenz-Analysten als Grund für den Firmen-Exitus nämlich Minuspunkte in der Persönlichkeit des Unternehmers, die sie vorsichtig als "Charaktermängel" umschrieben.

Diese schwarzen Schafe betrieben oft einen "unverhältnismäßig hohen Lebensaufwand", wozu der Bericht "als Geschäftswagen deklarierte, aber als Privatwagen genutzte aufwendige Kraftfahrzeuge, zu aufwendige Häuser oder auch ungewöhnlich hohe Ausgaben für die verschiedensten Hobbys" zählt; Traten dann, bedrohliche Finanzengpässe auf, "scheuten sich letztere Unternehmer vielfach nicht, Maßnahmen zu ergreifen, die den Rahmen der Legalität verletzten". Die Detail-Recherchen der Wissenschaftler ergaben "Betrügereien, Wechselmanipulationen und Mehrfachzessionen" als "aus den Akten besonders häufig feststellbare Tatbestände".

Immer mehr Bankrotteure lassen buchstäblich keinen roten Heller in der Kasse. Banken und Großlieferanten, die sich rechtzeitig Grundstücke, Warenvorräte und Maschinen als Sicherheiten für ihre Forderungen übertragen lassen, sorgen mit dafür: Bei vier von fünf Zusammenbrüchen, so hat der Düsseldorfer Konkursvervalter Hans Heilmann jüngst errechnet, reicht das Restvermögen (Masse) nicht einmal mehr für eine ordentliche gerichtliche Abwicklung aus. Diese Konkurse werden vom Gericht "mangels einer die Kosten des Verfahrens deckenden Masse" gar nicht erst eröffnet oder sie werden eingestellt

Aber auch bei den immer rarer werdenden Konkursen mit Masse bleibt für normale Gläubiger immer weniger übrig, nämlich kaum mehr als zwei Prozent ihrer Forderungen; im Schnitt 98 Prozent müssen sie heute als Verlust abbuchen.

Daß ungesetzliche Praktiken der Pleitemacher zum eigenen Wohle dahinterstehen, haben Konkursexperten schon seit längerem öffentlich angeprangert. So behauptete Günter Bahr, damals Leitender Oberstaatsanwalt in Köln, jetzt in Kleve, bereits vor zwei Jahren: "Die Masse der Insolvenzen ist in ihrem Endstadium krimineller Natur." Der Konkursrichter und Herstatt-Abwickler Wilhelm Uhlenbrock befindet, Tricks der Insolvenzsünder wie rückdatierte Verträge und Vermögensverschiebungen zwischen Familienangehörigen kurz vor der Pleite seien "längst" zur Regel geworden.

Die alarmierenden Einzelurteile sind nun zum erstenmal auf breiter Basis auch wissenschaftlich erhärtet worden – in einer neuen, über tausend Seiten starken Untersuchung, die das Bonner Justizministerium noch unter Verschluß hält. Titel dieser bislang umfangreichsten und aufwendigsten Studie über die heutige Pleitenwirklichkeit: "Die Praxis der Konkursabwicklung in der Bundesrepublik Deutschland." Verfasser ist eine Forschergruppe des Hamburger Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Privatrecht.

Die Resultate der Hamburger Expertise, die Anstöße zur Reform des überholten, über hundert Jahre alten Konkursrechts geben soll, basieren auf einer Fleißarbeit von zwei Jahren. Die Max-Planck-Rechercheure durchforsteten 1882 Konkursakten von 273 Gerichten, befragten 565 Konkursrichter und Rechtspfleger, 345 Konkursverwalter, 234 Kreditinstitute und über tausend weitere Beteiligte von der Pleitenfront. Die Ergebnisse werden den Bonner Gesetzesbastlern noch Kopfschmerzen machen, denn allein mit einer neuen Konkursordnung sind die aufgedeckten Mißstände nicht zu beheben.

Aus einer Befragung wirtschaftlich ausgebildeter Konkursverwalter ergab sich beispielsweise, daß nur ein Prozent von ihnen bei ihrer Tätigkeit "nie" Wirtschaftsdelikte aufdecken, nichtmehr als 21 Prozent "selten" und immerhin 78 Prozent "regelmäßig" oder zumindest "gelegentlich" darauf stoßen. Und das, obwohl das Interesse der Konkursverwalter an einer Strafverfolgung des Unternehmers nur mäßig ausgeprägt erscheint, nach dem Motto "Wer bezahlt mich dafür?" – so der Instituts-Report.

Daß die betrügerischen Bankrotteure relativ wenig zu befürchten haben und oft gänzlich unbescholten davonkommen, legen die von den Hamburger Wissenschaftlern befragten Konkursverwalter den Staatsanwälten zur Last: "Fast die Hälfte der Konkursverwalter berichtet, daß die Verfolgungsorgane "selten‘ oder ‚nie‘ ausreichend aktiv werden". Und: "... nur 28 Prozent meinen, daß der Legalitätsgrundsatz durch regelmäßige Strafverfolgung ausreichend gewahrt wird". Die Max-Planck-Forscher folgern: "Diese Daten sind nur als sehr harte Kritik an den Staatsanwaltschaften interpretierbar."

Vor diesem Hintergrund erscheinen die Konkursbetrügereien laut Kriminalstatistik nurmehr als Spitze des Eisbergs – heute noch mehr als früher: Wirtschaftskriminalisten ermittelten danach 1976 in 1127 Fällen von Konkursdelikten – bei 6800 Insolvenzen im gleichen Zeitraum. Fünf Jahre zuvor – bei weit weniger als der Hälfte von Konkursen – waren es immerhin schon 708 Ermittlungsverfahren, also relativ mehr. Und seit Jahren werden dreimal soviel Strafverfahren ohne Resultat, eingestellt wie eröffnet, häufig genug, weil der Delinquent ins Ausland flieht.

Für Alfred Moravec, Chef der Münchner Golden Products Vertriebsgesellschaft, über die im April 1974 der Konkurs eröffnet wurde, hieß das Fluchtziel Panama. Der Wiener mit dem kanadischen Paß transferierte erst 38 Millionen Mark, getarnt als Darlehen der deutschen Golden Products an die panamesische Muttergesellschaft, und folgte dann seinem leichtverdienten Geld dahin, wo er sicher ist, nicht an die deutsche Justiz ausgeliefert zu werden.

Moravec, der "Deutschland tausend neue Millionäre schenken" wollte und es statt dessen schaffte, selbst reich zu werden und der Nation zehntausend neue Gläubiger zu bescheren, begann seine Geschäfte 1970. Für einige tausend Mark Einstand – Spitzensumme 22 200 Mark – konnte jeder Bundesbürger Moravec-Mitarbeiter werden. Der neue Vertreter erhielt dafür, allerdings nur zum Schein, "goldene" Produkte zum Vertrieb: meist Sprays und Shampoos. Das eigentliche Geschäft bestand jedoch darin, auf die gleiche Art neue Verkäufer zu werben. Für jeden Neuling winkten nämlich Provisionen bis zu 50 Prozent der eigenen Einstandssumme, der Rest ging an Moravec.

Das Geschäft ließ sich so gut an, daß Moravec schon 1972 mit 2000 Generalvertretern und 8000 Bezirksleitern mehr als 120 Millionen Mark umsetzte. Als der Chef dann Kasse gemacht hatte, hinterließ er 28 Millionen Mark Schulden, denen Vermögenswerte von nur noch einer halben Million gegenüberstanden. Allein das Finanzamt büßte in diesem betrügerischen Bankrott 9,7 Millionen Mark Steuern ein. Auch die Konkursrichter haben keine hohe Meinung von den Unternehmen, mit denen sie es zu tun bekommen. Daß sie immer häufiger nur noch völlig ausgemergelte Firmen vorfinden, legen sie zwar in erster Linie den masseaushöhlenden Sicherungsrechten von Banken und anderen Großgläubigern zur Last. Doch sämtliche der drei nächstwichtigen Gründe werfen ein schlechtes Licht auf die Pleitiers:

  • zu "hohe Liberalität des Gesellschaftsrechts",
  • "mangelnde Durchsetzbarkeit der Anfechtungsmöglichkeiten für verschobene Vermögenswerte",
  • "Wirkungslosigkeit strafrechtlicher Sanktionen" gegen die Bankrotteure.

Dieser "Komplex der Wirtschaftskriminalität", so kommentiert der Max-Planck-Bericht, schiebt sich damit "als gewichtiger zweiter Grund für die Massearmut" ins Bild.

Den betroffenen Gläubigern ist das durch solche Erkenntnis stark nachgedunkelte Bild vom deutschen Nachkriegsunternehmer nichts Neues. Sie haben inzwischen ihre trüben Erfahrungen gemacht. "Von allen in Konkurs verwickelten Unternehmen ... waren in den letzten drei Jahren lediglich zwölf Prozent von einem einzigen Konkurs betroffen, also 88 Prozent in dieser Zeit häufiger als nur einmal", fanden die Max-Planck-Rechercheure heraus. Jeder zehnte Gläubiger war sogar häufiger als 65mal beteiligt.

Befragt nach "ihrer Meinung über die Ursachen der zunehmenden Masselosigkeit", die mittlerweile bei achtzig Prozent aller Pleiten die normalen Gläubiger völlig leer ausgehen läßt, stellten sie diese Rangfolge von Gründen auf:

  • Das persönliche Fehlverhalten von Gemeinschuldnern (normalerweise: Unternehmer), gemessen in moralischen Kategorien.
  • Gründung unsolider Firmen mit Haftungsbeschränkung.
  • Die Kreditvergabepraxis von Banken und die daraus resultierenden Aus- und Absonderungsrechte.
  • Mängel in der Konkursordnung und in dem Abwicklungsverfahren.

"Erstaunt" registrierten die Hamburger Forscher, "daß das persönliche Verschulden so stark in den Mittelpunkt der Gläubigerkritik rückte."

Der in Ehren ergraute Unternehmer, der die Talfahrt rechtzeitig erkennt und dann voller Skrupel vor dem Gang zum Konkursrichter alles daransetzt, Lieferanten, Kreditgeber, Fiskus und Beschäftigte vor finanziellen Schäden zu bewahren – er ist inzwischen Legende. Einer der letzten dieses alten Schlages, von dem quer durch die Branchen noch immer mit Hochachtung gesprochen wird, war der Wuppertaler Kleiderfabrikant Hans Plutte.

Er liquidierte Anfang 1974 zu Beginn der Pleitenwelle nach zwanzigjähriger Existenz seine vier Textilwerke mit knapp 700 Beschäftigten, als der sich wandelnde Markt nach Hosen und Röcken verlangte, statt nach Pluttes Kleidern. Als er daraufhin in die roten Zahlen rutschte, zog er ein sofortiges faires Ende einer späteren Riesenpleite vor. Plutte bezahlte nicht nur sämtliche Verbindlichkeiten bis auf den letzten Pfennig, sondern finanzierte auch einen wohldotierten Sozialplan für seine Arbeiter und Angestellten, nachdem er alle ihre Kündigungsfristen peinlich genau eingehalten hatte – und behielt am Ende sogar noch einige Millionen Mark für sich selbst übrig.

Seine Näherinnen, die ihn zuvor bestürmt hatten: "Können wir nicht weitermachen?" überzeugte Plutte so: "Was hättet ihr denn gemacht, wenn ich Ende dieses Jahres vor euch hingetreten wäre und gesagt hätte: Es ist aus. Ich muß alle fristlos entlassen, weil wir pleite sind?"

Solche lohnende Weitsicht findet sich heute kaum noch. Dreiviertel der von den Kölner Insolvenzforschern befragten Konkursverwalter "vertraten die Ansicht, daß höchstens in bis zu zwanzig Prozent der von ihnen abgewickelten Konkurse die Unternehmer selbst die Insolvenzgefahr rechtzeitig erkannten". Dann allerdings seien von ihnen "entweder keine oder falsche Abwehrmaßnahmen ergriffen worden". Die Hälfte der Abwickler war jedoch auch der Meinung, "zumindest vierzig Prozent der Betriebe wären grundsätzlich zu retten gewesen".

Wenn schon die Macher versagen, betrügen oder blind bis zum bitteren Ende weiterwursteln, kann der rechtzeitige Anstoß zur Kursänderung, Sanierung, freihändigen oder gerichtlichen Liquidation nur von außen kommen. Eine Schlüsselrolle fällt dabei den Banken zu, denn bei ihnen leuchten die roten Warnlichter am frühesten vor dem drohenden Zusammenbruch auf.

Wie gut ihr Nachrichtensystem funktioniert, haben die Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts in ihrem Bericht erstmals genau festgestellt: "Mindestens 84 Prozent der Kreditinstitute (hatten) vor dem Zusammenbruch Kenntnis von den Problemen der Kunden bekommen." Ihr Vorsprung vor anderen Betroffenen ist beträchtlich:

"Damit stehen sie in Information und Vorwarnung weit vor anderen Gläubigergruppen."

Die Banken müssen sich bei der Ausforschung von faulen Kandidaten keineswegs auf die ihnen routinemäßig zufließenden Informationen wie Kontostand, Schuldendienst oder Auskunftsanfragen verlassen. Überwiegend, nämlich zu 58 Prozent, stammen die als Insolvenzsignale verwerteten Daten nicht aus dem Finanzgebaren des Kunden selbst, sondern aus Marktanalysen, von anderen Kunden und einem hohen Anteil (23 Prozent) "sonstiger" Quellen. Wer weiß, wo Banker überall die Finger drin haben, wundert das nicht.

Obwohl die Banken also mit Abstand die ersten sind, die Wind von einer Kundenkrise bekommen und oft klarer als der Unternehmer selbst die heraufziehende Pleite wahrnehmen – in der Statistik der Konkursantragsteller tauchen Kreditinstitute mit vier Prozent nur unter ferner liefen auf. Der Grund ist so einfach wie überzeugend: Ihre Forderungen sind in aller Regel so gut gesichert, daß sie, anders als normale Gläubiger, keine Angst vor weiteren Vermögensverlusten der abrutschenden Firma zu haben brauchen.

Die Hamburger Forscher dazu: "Die Interessenlage ist bei gut gesicherten Geldkreditgebern wegen der Zinserträge auf möglichst späte Beendigung des Kreditvertrages gerichtet. Anreize zur Konkursantragstellung ... stehen in der Kalkulation der Banken regelmäßig hinter diesem Zinsinteresse zurück."

Wenn heute vor allem von Konkursverwaltern und normalen Gläubigern immer häufiger beklagt wird, daß der Konkursantrag viel zu spät kommt und auch deshalb die Masse nur noch aus wertlosen Trümmern besteht, dann trifft dieser Vorwurf – außer die Unternehmer selbst – in erster Linie die Banken.

Theoretisch – so sehen es die Max-Planck-Forscher – stehen die Banken nach Auffangen der ersten Insolvenzsignale vor folgender Alternative: Entweder drehen sie sofort den Kredithahn zu und treiben den Unternehmer damit frühzeitig von der Krise in den Konkurs, was den Vorteil "der geringeren Massenauszehrung und deshalb besseren Gläubigerdeckung" bringt. Oder es werden auch weiterhin großzügig Kredite gegen entsprechende Sicherheiten gewährt, was dem kränkelnden Kunden eine Chance zur Gesundung läßt. Stirbt das Unternehmen dann doch, liegt der Zeitpunkt "relativ spät mit den Vorteilen längerer Beschäftigung der Arbeitnehmer und den Nachteilen großer Masseauszehrung und geringerer Befriedigung ungesicherter Gläubiger".

Die Banken, so ermittelten die Wissenschaftler, entscheiden sich überwiegend für die zweite Möglichkeit: "Das Unternehmen wird so lange wie möglich am Leben gehalten durch Belassung oder sogar Verstärkung der Kredite." Allerdings entspringt diese "Hilfestellung" keiner altruistischen Einstellung, sondern gesundem Geschäftsempfinden. Denn diese Strategie gilt nur so lange, "als noch freie Masse zur Sicherung in Beschlag genommen werden kann".

Das Gesamtvolumen der Bankschulden des in die Krise gleitenden Unternehmens sinkt deshalb nicht, sondern steigt: Im Durchschnitt aller untersuchten Fälle von 3,5 Millionen Mark ein Jahr vor dem Konkurs auf 3,9 Millionen Mark zum Zeitpunkt der Insolvenz. Die Sicherungsquote nimmt dabei gleichzeitig nur leicht von 82,3 auf 81,5 Prozent ab.

Den Konflikt zwischen Banken und normalen Gläubigern im Wettlauf um Sicherheiten, wo noch welche vorhanden sind, entscheiden die Banken regelmäßig für sich. "Der Sachverhalt, daß sich die Banken mit ihrem stärkeren Gewicht ... auf Kosten letztrangiger Gläubiger sichern, bleibt bestehen", kommentiert der Max-Planck-Bericht, "weil jede Sicherung auf Kosten der ungesicherten Gläubiger geht, und zwar um so eher, je später sie erfolgt."

So ließ sich die Dresdner Bank beispielsweise von der Wiesbadener Lebensmittelgroßhandlung Kurt Pfister & Co. im Endstadium vor der Pleite gleich alle "gegenwärtigen und zukünftigen Kundenforderungen" im voraus abtreten. Als dann das Unternehmen zusammenbrach, konnten die Banken ihre Hand auf 150 000 Mark Aktiva legen. Die übrigen Gläubiger, die noch 350 000 Mark zu bekommen hatten, gingen leer aus.

Die Strategie der Geldverleiher, so lange es ihnen nützt, auch an maroden Firmen zu verdienen und sich dabei soviel Sicherheiten wie möglich zu beschaffen, zahlt sich im Ernstfall aus. Während normale Gläubiger in 80 Prozent der Pleiten völlig leer ausgehen und selbst in den seltenen Fällen eines Konkurs mit Masse für sie die Mark nur noch zwei Pfennig wert ist, schaffen es die Banken, "83 bis 86 Prozent" ihrer Außenstände einzutreiben, ermittelten die Forscher.

Nur theoretisch gilt in der Pleite gleiches Recht für alle. "Zweck des Gesetzes" sei, so interpretierte zwar der Bundesgerichtshof die 1877 erlassene und heute noch kaum verändert geltende Konkursordnung, "zu verhindern, daß noch nach Offenbarwerden der Krise einzelne Gläubiger sich Deckung verschaffen und dadurch das Prinzip der gleichen Behandlung aller Konkursgläubiger durchlöchert wird".

Doch tatsächlich herrscht, wie der Hamburger Konkursverwalter und "SB Mehr wert"-Abwickler Joachim Kilger meint, "das Faustrecht". Denn das Gleichheitsprinzip im Konkurs ist durch immer weiter ausgedehnte Aus- und Absonderungsrechte von privilegierten Gläubigern, die sich vorweg aus der Masse bedienen können, längst ausgehöhlt. Nach geltendem Recht wird aus der Masse vorab "ausgesondert", was der zusammengebrochenen Firma nicht gehört, da es unter Eigentumsvorbehalt geliefert wurde, und "abgesondert", was mit Pfandrechten, etwa Hypotheken, belastet ist. Was übrig bleibt zur freien Verwertung durch den Konkursverwalter, ist dann allzuoft nicht mehr der Rede wert.

Der amtliche Resteverwerter, vom Gericht nur dann bestellt, wenn die Masse wenigstens noch die Kosten des Verfahrens zu decken verspricht, spielt als dritter Hauptdarsteller im Pleite-Trauerspiel kaum eine rühmlichere Rolle als zuvor schon Unternehmer und Banken. Die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts befragten Gläubiger, Banken und Sozialversicherungsträger nach ihren Erfahrungen mit Konkursverwaltern und zogen ein vernichtendes Fazit: "Dabei ergab sich ein insgesamt stark negatives Bild, das sich kurz dahin beschreiben läßt, daß der Verwalter in der Regel jeder wirtschaftlichen Orientierung ermangele."

Die Fakten, von den Forschern zum erstenmal exakt ermittelt, stützen dies Urteil: Dreiviertel der Verwalter verfügen nur über eine juristische Ausbildung. Relativ häufig betrauen die Konkursgerichte sogar "pensionierte Beamte und Rentner". Dazu kommt Unerfahrenheit bei den meisten der 345 examinierten Konkursverwalter: "Der am häufigsten genannte Wert ist fünf bisher; bearbeitete Insolvenzen." Nur eine kleine Spitzengruppe von 23 Verwaltern hat schon mehr als hundert Fälle hinter sich gebracht.

Dies sind nicht gerade ideale Voraussetzungen für das, was Insolvenzexperten wie der Kölner Professor Klaus Stüdemann schon seit langem fordern – "die Abkehr vom traditionell geprägten Bild des Konkursverwalters als Liquidator von Firmenvermögen". Stüdemann sieht den idealen Konkursverwalter als eine Art Ersatzunternehmen, der seinen Auftrag "nicht ausschließlich im Sinne von Unternehmenszerschlagung, sondern als Variante des gesetzlichen Befehls auch im Sinne von Unternehmensfortführung verstehen" müsse.

Und es gibt sie auch schon: Statt bankrotte Gesellschaften ohne Pardon zu zerschlagen, sind sie darauf bedacht, Werte zu sichern und sogar zu mehren, vor allem, um Arbeitsplätze zu erhalten. Der Stuttgarter Unternehmensberater Professor. Hellmuth Fischer bewies bei der Waldkircher Uhrenfabrik Blessingwerk, der Hannoveraner Unternehmensberater Egon Kretschmer bei der Schuhfabrik Siems in Peine und der Bremer Rechtsanwalt Hans-Richard Schulze – einer der Borgward-Liquidatoren – beim Büromaschinenhersteller Walther in Gerstetten, daß ein Durchstarten abgestürzter Firmen gelingen kann.

Im September 1975 blieben bei dem Uhrenhersteller Blessing die Zeiger stehen. Inhaber Waldemar Blessing meldete beim Amtsgericht Konkurs an und schickte seine neunhundert Uhrmacher nach Hause. Für ihn, der heute als Vertreter von Billiguhren vornehmlich fernöstlicher Provenienz mit Kaufhäusern ins Geschäft zu kommen versucht, und seinen Bruder und Mitinhaber, der sich unmittelbar vor der Pleite mit der Blessing-Kasse nach Südamerika abgesetzt haben soll, war das Unternehmen abgeschrieben.

Nicht so für den Konkursverwalter und professionellen Unternehmensberater Hellmuth Fischer. Statt zu liquidieren, gab er das Kommando "Weitermachen", nachdem er die Banken mit einem neuen Konzept zum Stillhalten überredet hatte. Schon drei Wochen nach Konkurseröffnung heuerte Fischer die ersten Mitarbeiter wieder an, nach acht Wochen waren es bereits 300. Sie produzierten ein wesentlich gerafftes Uhrensortiment aus der alten Ära.

Daneben kurbelte Fischer die in der Vergangenheit vernachlässigte Herstellung elektronischer und quarzgesteuerter Uhren an, um Anschluß an den Markttrend zu bekommen. Außerdem reorganisierte er den Vertrieb und präsentierte die Firma sogar mit neuem Katalog auf der Baseler Uhrenmesse, mit dem Zusatz "i. K." – im Konkurs – ein einmaliger Fall in der deutschen Konkursgeschichte. Zeitweise mußten sogar Überstunden geleistet werden, um die Nachfrage zu befriedigen.

Fischers Ziel ist es, einen Käufer für den wiederbelebten und mit schwarzen Zahlen arbeitenden Betrieb zu finden. Bis es soweit ist, "trage ich das volle Risiko aller unternehmerischen Entscheidungen", betont Konkursverwalter Fischer. Denn die Konkursordnung ist nicht nur gegen den Bankrotteur gnadenlos, sondern ebenso gegen den Abwickler, der alleinverantwortlich die Inhabernachfolge antritt. Nach dem Gesetz muß er die Konkursmasse unverzüglich in seinen Besitz nehmen und für alle Entscheidungen über die Verwertung der Masse unbeschränkt, also auch mit seinem Privatvermögen, haften.

Von dem Gros der deutschen Konkursverwalter sind solche Heldentaten freilich nicht zu erwarten. Wie der Max-Planck-Bericht dazu feststellt, betreiben zwei Drittel von ihnen Insolvenzen höchstens als Nebenjob, der weniger als dreißig Prozent ihrer Arbeitszeit in Anspruch nimmt; bilden sich drei Viertel kaum oder gar nicht weiter; und rüsten sich mehr als die Hälfte nur ungenügend mit Informationen über die ihnen anvertrauten Firmen.

Die Diskrepanz von eingebildeten. Fähigkeiten und tatsächlichem Unvermögen erschien den Pleitenforschern so eklatant, daß sie in ihrem generell vorsichtigen Bericht deutlich Kritik an den Konkursverwaltern übten. Für kaum "verständlich" halten sie es, "wenn immerhin 87 Prozent der Verwalter, die bisher höchstens acht Insolvenzen’bearbeitet haben, angeben, sie könnten durch eigene Sachkenntnis an Hand der Unternehmensunterlagen Aufklärung über den inneren Zustand und den wirtschaftlichen Standort des Betriebs erhalten".

Nicht mehr verwunderlich ist nach alledem dieses niederschmetternde Ergebnis: "86 Prozent der von uns befragten Konkurs- und Vergleichsverwalter haben ... selten oder nie eine Möglichkeit gesehen und wahrgenommen, einen insolventen Betrieb oder jedenfalls einen substantiellen Teil davon zu retten." Das Elend der deutschen Konkurswirklichkeit ist hier fast mit Händen zu greifen: Allein jene Befragten, die von "keinem erhaltenen Betrieb berichten" können, haben bisher bereits 4043 Insolvenzen "verwaltet". Resümee der Wissenschaftler: "Das Schlagwort vom Insolvenzrecht als Wertvernichter erhält aus diesen Fakten einige Berechtigung."

Wenn heruntergewirtschaftete, aber noch nicht ganz ausgepowerte Unternehmen in Konkurs fallen, geraten sie meist in die Hände solcher Verwalter. Und wenn sie es nicht schon vorher waren, dann sind sie endgültig geliefert.