Hanoi ärgert Peking

Zwischen China und seinem einstigen Verbündeten Vietnam, das inzwischen ins Moskauer Lager abgedriftet ist, gibt es weiter Ärger. Immer wieder kommt es zu Gefechten an der gemeinsamen Grenze. Außerdem sieht Peking seine Souveränität durch die vietnamesische Garnison auf den Spratley-Inseln in der ölträchtigen südchinesischen See beeinträchtigt. Besonders verärgert aber sind die Chinesen durch die Vertreibung der Chinesen aus Cholon, der Schwesterstadt Saigons. Sie hatten alle Versuche Hanois, auch im Süden Vietnams ein sozialistisches Wirtschaftssystem aufzubauen, bisher zunichte gemacht. Vor vier Wochen wurde dann die gesamte Stadt umstellt, alle Waren konfisziert und der Handel verstaatlicht. Wer sich nach China absetzen wollte, wurde nicht daran gehindert. Peking ist aber nicht bereit, die ehemals reichen Kaufleute nun als mittellose Flüchtlinge zu akzeptieren. Die Warnung, die an Hanoi erging, war unmißverständlich: Gerade Auslandschinesen stünden unter dem besonderen Schutz des Mutterlandes, hieß es.

Fußschmerzen

Fast dreißig Jahre lang erläuterte der jeweilige Regierungschef in Berlin wöchentlich über die Westberliner Sender, wo dem Berliner der Schuh drückt. Von Ernst Reuter, der die Sendereihe Anfang der fünfziger Jahre begründet hatte, bis zu Dietrich Stobbe, der sie jetzt beendete, waren es immer SPD-Bürgermeister. Das bereitete vor allem der CDU-Opposition Fußschmerzen. Sie fand, hier werde der Rundfunk für parteipolitische Zwecke ausgenutzt. Der SPD-Senat sah dagegen in der Sendung „Wo uns der Schuh drückt“ vor allem eine Information für die Bevölkerung. Zwei rundfunkrechtliche Gutachten kamen, wie sollte es anders sein, jeweils im Sinne der Auftraggeber zu gegensätzlichen Ergebnissen. Der neue Intendant des Senders Freies Berlin und frühere SPD-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Haus, der in der neuen. Position seine politische Unabhängigkeit demonstrieren will, führte ein langes Gespräch mit Dietrich Stobbe. Ergebnis: Stobbe verzichtet, weil er die traditionelle Sendung nicht ins parteipolitische Gezänk kommen lassen wollte. Insgeheim mag er gedacht haben, daß die CDU, die das Ende der Schuhdrück-Reihe gefordert hatte, offenbar nicht damit rechnet, nach den Wahlen im nächsten Frühjahr den Regierenden Bürgermeister zu stellen.

Attentate ohne Ende

Auf der Insel Korsika herrscht nur scheinbar Ruhe. Seit Anfang des Jahres wurden bereits über einhundert Attentate gezählt. Das jüngste in der langen Serie: Der Autonomist Dominique Capretti verlor seine gesamte Ziegenherde. Unbekannte erdrosselten in der Nacht zum Sonntag fast eintausend Tiere und zündeten den Stall an. Auch in der Bretagne schlagen immer wieder Autonomisten zu. Hier wurden seit Januar neunzehn Attentate gezählt. Erst am Wochenende explodierte in der Hafenstadt Brest eine Bombe. Der Anschlag geht offensichtlich auf das Konto einer geheimen „Frönt zur Befreiung der Bretagne“, die gegen den „Französischen Imperialismus in der Bretagne“ zu Felde zieht.

Vor dreißig Jahren: Bündnistreue