Von Friedhelm Gröteke

Die Mission war seit langem vorbereitet. Anfang Mai sollte eine große Delegation des italienischen Unternehmerverbandes mit Fiat-Präsident Giovanni Agnelli an der Spitze, zum Schah von Persien reisen. Dem „Avvocato“ Agnelli wurde als respektablem Vertrauensmann des Kapitals eine heikle Aufgabe zugedacht: Das abgekühlte Verhältnis zwischen Rom und Teheran wieder aufzuwärmen und zugleich neue Aufträge für die italienische Wirtschaft zu aquirieren.

Doch je näher der Reisetermin rückte, um so nachdrücklicher empfahl sich ein anderer als „Reiseleiter“: Pietro Sette, der Präsident des staatlichen Energiekonzerns ENI. Erfolg der Doppelbewerbung: Der Teheran-Ausflug der Italiener, wurde wieder und wieder verschoben.

Die Aussichten für Sette sind nicht schlecht, Agnelli auszustechen. Der ENI-Chef hat nämlich den im Kabinett einflußreichen Minister für Staatsbeteiligungen, Antonio Bisaglia, vor seinen Karren gespannt – mit dem einfachen Argument, daß der Leiter des aktivsten Staatskonzerns und nicht der Präsident des mächtigsten Privatunternehmens an die Spitze der Delegation gehört. Falls er bei der Konkurrenz mit Agnelli den kürzeren zöge, sah der ENI-Gewaltige schlicht „die Abdankung der Staatswirtschaft in Italien“ gekommen.

Die italienische Berufsdiplomatie indes ahnt Schlimmes für den Fall, daß sich Minister Bisaglia für seinen Schützling bei Außenminister Arnaldo Forlani durchsetzt, der den Fiat-Chef als Gesprächspartner für den Schah favorisiert. ENI-Unterhändler nämlich waren es, die 1974 den Schah verstimmten, als sie mit ihm über ein großes Geschäft verhandelten, aber uneins blieben.

Der Schah lockte damals mit Rohöl. Die italienische Staatsfirma offerierte dafür nicht nur Fertiganlagen und Know-how, sondern auch eine hälftige Beteiligung an der eben erst übernommenen Shell Italiana, mit drei Großraffinerien und über 4000 Tankstellen, und außerdem – das interessierte den Großkönig noch mehr – eine Beteiligung am Auslandsnetz der mehr zu dem unter anderem auch 700 AGIP-Tankstellen in Deutschland gehören.

„ENI und Iran vor der Einigung“, so hießen damals, alle paar Wochen die Schlagzeilen der Wirtschaftspresse. Auch der damalige ENI-Präsident Raffaele Girotti war nach einer Teheran-Reise im Januar 1975 optimistisch: „Die Parteien hoffen auf einen baldigen Vertragsabschluß.“ Girotti dementierte gleichzeitig Berichte, nach denen es zu Verstimmungen zwischen den Parteien gekommen sei.