Als 1961 dieser „erste deutsche Beat-Roman“ erschien, waren die skeptischen Vorbehalte schnell zur Hand: Da sei einer am Rockzipfel seines Ziehvaters Keruac auf dem On-the-Road-Trip abgefahren und – Achtung: Untergang des Abendlandes! – „das gute alte Europa hängt auch hier im Schlepptau der Amerikaner“, so einer der besorgten Kritiker. Jetzt wurde das Buch –

Hans Christian Kirsch: „Mit Haut und Haar“; Literarischer Verlag, Braun, Köln; 405 S., 16,– DM

neu herausgebracht (bearbeitet und geringfügig gekürzt) und erweist sich nach fast zwanzig Jahren als erstaunlich frisch.

Was damals aufregte, der umgangssprachliche Ton, der mit Amerikanismen durchsetzte Jargon einer von den Erwachsenen gern als „Halbstarke“ geschmähten Jugend, dieser Stil der Stillosigkeit ist auch heute noch das Aufregende an diesem Buch. Dagegen wirkt Kirsch gerade da, wo er Stilhöhe zu gewinnen versuchte, auf den ersten Seiten, flach und überholt. Überall da jedoch, wo er die Denk- und Sprachstrukturen seiner Figuren hautnah festhält – und das gelingt ihm von Seite 40 an mit geradezu musikalischer Virtuosität –, da hat das Buch auch heute noch seinen vielbeschworenen drive und seine Wahrheit. Es schildert die entschlossenen Versuche einer von der Wunde des Krieges gezeichneten Jugend, ihr Recht auf Glück durchzusetzen. („Ein Herumgetriebener, aufgewachsen und zum Nachdenken über sich selbst gekommen in zerbombten Städten, zwischen Grenzen und auf der Flucht.“) Die damals aufbrachen als „geschlagene Generation“ sind heute vierzig, und das macht dieses Buch auch und gerade interessant für Jugendliche von heute; denn es schildert sehr genau die Wünsche und Hoffnungen, die Ängste und Enttäuschungen ihrer Väter, die auszogen mit dem Vorsatz, sich nicht fangen zu lassen vom wachsenden Wirtschaftswunder, um am Ende doch in den staatstragenden Stellungen zu landen, wenn sie nicht vorher zerbrachen an der Unerfüllbarkeit ihrer Träume.

Auch Ende der 60er Jahre waren junge Leute „on the road“. Doch was für Kirsch und seine Helden eine alternative Lebensform war, ist jetzt zum Abenteuer-Tourismus geworden. Das „Landende Europas“ reicht nicht mehr aus. USA, Kalifornien, Mexiko sind jetzt die Zauberwörter.

Werner J. Egli hat mit seiner Freundin Paula 1969 eine Camper-Fahrt von Vancouver bis an die Südspitze Mexikos gemacht, die er in dem Buch –

Werner J. Egli: „Heul doch den Mond an“; C. Bertelsmann Verlag, München; 224 S., 18,– DM