• Herr Pöhl, im Gefolge der Dollarschwache ist die Mark immer stärker Reservewährung geworden. Sie haben neulich einmal geschätzt, daß von den amtlichen Devisenreserven rund vierzig Milliarden in Mark gehalten werden, Ist das nicht im Verhältnis zum Gesamtumlauf an Mark schon zuviel?

Pöhl: Natürlich wäre es uns lieber, wenn in geringerem Umfange Mark von ausländischen Währungsbehörden gehalten würden, aber leider haben wir nur begrenzte Möglichkeiten, dies zu verhindern. Wir sind über diese Entwicklung nicht erfreut, aber in gewissem Umfange müssen und können wir sie wohl hinnehmen.

  • Müssen nicht außerdem die Summen hinzugerechnet werden, die in Form von Mark auf den Europamärkten gehandelt werden?

Pöhl: Die Mark-Reserven werden ganz überwiegend am Euro-Markt gehalten, also nicht etwa bei der Bundesbank. Ein Indiz für die stärkere Verwendung der Mark nicht nur als Reservewährung für Notenbanken, sondern auch für Anlagezwecke ist zweifellos der wachsende Umlauf von DM-Anleihen im Ausland. DM-Anleihen ausländischer Schuldner, die bei Ausländern plaziert wurden, dürften rund fünfzig Milliarden Mark ausmachen.

  • In einer Rede in New York haben Sie gesagt, daß Ihnen die Entwicklung zur Reservewährung gewisse Kopfschmerzen bereitet. Warum?

Pöhl: Die zunehmende Verwendung der Mark für Reserve- und Anlagezwecke ist natürlich nicht unproblematisch. Dies kann Rückwirkungen auf den Wechselkurs der Mark und auf die Liquiditätsentwicklung in der Bundesrepublik haben.

  • Aus früheren Äußerungen von Ihnen konnte man den Eindruck gewinnen, als sähen Sie die Entwicklung der Mark zu einer Reservewährung nicht ganz so negativ. Sie haben auf das Vertrauen hingewiesen, das im Ausland in die deutsche Wirtschafts-, Finanz- und Geldpolitik bestehe und wiesen darauf hin, daß die Mark eben keine Mausefallenwährung sei. War das nicht eine Verharmlosung der Entwicklung?