Von Erika Martens

Monat für Monat zahlen sie ihren Beitrag an die IG Metall, doch bei den dieses Jahr fälligen Betriebsrats wählen haben viele Arbeitnehmer der Gewerkschaftsliste ihr Kreuz verweigert. Diese bittere Pille mußte die mächtigste Einzelgewerkschaft im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) in diesen Wochen mehrmals schlucken. Jüngstes Beispiel: Die Betriebsratswahlen im Werk Untertürkheim der Daimler-Benz AG.

Als die Stimmen ausgezählt waren, stellten die "Metaller" erschrocken fest, daß ihre Mehrheit in dem 49köpfigen Betriebsrat erheblich geschrumpft war. So schickten sie beispielsweise nur noch 19 Arbeiter statt bisher 22 in die Arbeitnehmervertretung. Und auch bei den Angestellten gab es Verluste.

Gewinner in dem für die Gewerkschaft so wichtigen Bereich der gewerblichen Arbeitnehmer war eine oppositionelle Gruppe, die sich in den letzten Jahren um den 49jährigen Elektroschweißer Willi Hoss gebildet hat. Mit acht Sitzen hat er jetzt drei Gefolgsleute mehr als bisher im Betriebsrat.

Doch Hoss mochte sich seines Sieges nicht freuen. Er witterte Wahlmanipulation und zog vor das Stuttgarter Arbeitsgericht. Ergebnis der richterlichen Recherchen: Die Wahl wurde für ungültig erklärt. Der Eklat war da, zumal nun auch noch der Staatsanwalt ermittelt, und zwar wegen des "Verdachts auf Urkundenfälschung" gegen Unbekannt.

Als aufmerksamen Beobachter bei der Stimmenauszählung war es Hoss aufgefallen, daß aus einigen Wahlurnen ganze Stapel von ineinanderhängenden Briefumschlägen mit Stimmzetteln herausfielen. Als er dann auch noch beobachtete, daß ein Packen Stimmzettel das gleiche rote Filzschreiber-Kreuz bei der Liste 1 der IG Metall aufwies, war für ihn der Verdacht auf Wahlmanipulation begründet. Ein Anwalt aus der Societät des bekannten Presserechtlers Martin Löffler formulierte ihm die Klage vor dem Arbeitsgericht.

Ob Manipulation durch Blockstimmabgabe oder nicht – die Richter klärten diesen Punkt nicht auf, Sie stellten, zwar fest, daß es 12 064 Stimmzettel gab, auf der Wahlliste aber nur 11 877 abgegebene Stimmen verzeichnet waren – Rechenfehler, die sich bei solchen Massen leicht einschleichen könnten –, für ihr Urteil nannten sie aber zwei andere Gründe: