Philip Morris kaufte den Getränkehersteller Seven-up auf Kredit

Für deutsche Bankiers muß es der Ausbund an Unseriosität sein: einen Kredit für einen Firmenkauf geben, ohne zu wissen, welche Firma gekauft werden soll. Für amerikanische Bankiers scheint es das Natürlichste der Welt zu sein: Innerhalb von 36 Stunden stellten elf Institute 770 Millionen Dollar für die Philip Morris Incorporated zur Verfügung, so daß der Konzern in der Lage war, den Aktionären der Sevenup-Company ein Übernahmeangebot zu machen.

„Das Geld aufzutreiben, war überhaupt kein Problem“, behauptet Shepard P. Pollack, der Finanzchef von Philip Morris. „Schwieriger war es, die Banken zu beruhigen, die wir nicht mehr in Anspruch nehmen mußten.“

Aus den Worten von Pollack spricht weniger die Überheblichkeit des Managers eines der erfolgreichsten Konzerne der letzten Jahre, vielmehr eine realistische Einschätzung amerikanischer Finanzierungsmöglichkeiten, die in Deutschland unvorstellbar sind.

Das liegt sicher zum großen Teil daran, daß die US-Banken als Kreditgeber nicht gleichzeitig Aktienpakete halten. Es liegt aber sicher genauso daran, daß amerikanische Bankiers sich weniger als Verwalter von Anlagen fühlen, sondern unternehmerisch denken. Vertrauen sie einem Management, dann sind sie auch bereit, ohne viel Fragen Kredit bereitzustellen.

Die 770 Millionen Dollar braucht allerdings Philip Morris gar nicht. Sie wurden nur vorsorglich für die Zeit bis Ende Januar besorgt (bis dahin wird eine langfristige Umfinanzierung vorgenommen), um für alles gerüstet zu sein; denn bei einem Übernahmeangebot an eine etablierte Aktiengesellschaft ist nicht von vornherein klar, was letztlich an die Aktionäre zu zahlen ist.

In diesem Fall werden 513 Millionen Dollar zur Abfindung der Aktionäre gebraucht, nachdem ein typisch amerikanisches Pokerspiel beendet ist.