Mit Erfolg kämpfen amerikanische Frauen gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz

Von Meta Walter

Brenda McGillis ist Anfang Vierzig, lebt mitten in New York und arbeitet seit zwei Jahren in einer mittelgroßen Werbeagentur. Sie hat einen leitenden Posten und muß ihre Kunden über Werbemaßnahmen beraten. Vor ein paar Monaten wurde ein männlicher Kollege eingestellt, der genau die gleichen Arbeiten macht wie Brenda, der auch die gleiche Ausbildung, dieselben Fähigkeiten hat. Dennoch gibt es einen kleinen Unterschied zwischen den beiden Werbefachleuten.

Während Brenda McGillis für ihre Arbeit 18 600 Dollar im Jahr bekommt, nimmt Edward Miller 25 000 Dollar mit nach Hause; Im allgemeinen wird in dieser Firma über Gehälter nicht gesprochen, aber Zahlen waren durchgesickert. „Wieder so ein Fall, wo die Bosse versuchen, Männer besser zu stellen als Frauen bei gleicher Leistung“, ärgerte sich Brenda McGillis. Ein Gespräch mit dem Chef war nicht gerade freundlich abgelaufen, hatte auch keine Einigung gebracht. „Sie müssen doch einsehen, der Mann ist verheiratet, hat zwei Kinder ...“, meinte der Boß.

Brenda sah gar nichts ein und war fest entschlossen, nicht auf die an ihrem Jahresgehalt fehlenden 7000 Dollar zu verzichten. Sie meldete den Fall der Equal Employment Opportunity Commission (Kommission für Gleichberechtigung im Arbeitsbereich), die sich um solche Ungerechtigkeiten kümmern soll. Der Chef; aufgebracht über dieses Vorgehen, entließ Brenda wegen „ungebührlichen Verhaltens“. Brenda zog vor das Arbeitsgericht. Bei der Darlegung ihres Falles wurde sie von der EEOC unterstützt.

Der Prozeß zog sich über vier Jahre hin. Erst Ende 1977 erging ein Urteil. Der Richter befand, das „ungebührliche Verhalten“ sei ein fadenscheiniger Vorwand für die Entlassung gewesen. „Nichts anderes als krasse Diskriminierung steckt dahinter“, entschied er. Der Präsident der Werbefirma wurde verurteilt, Miß McGillis 88 700 Dollar nachzuzahlen als Gehalt für mehr als drei Jahre plus sämtlicher Gehaltserhöhungen und aller sonst gewährten Vergünstigungen an die Angestellten. Brenda McGillis und die EEOC fanden das Urteil gerecht, während der verärgerte Chef sofort Berufung einlegen wollte.

Vier Millionen Dollar Entschädigung