Stimmungsvoll trostreich

Karl Hans Berger: „Interludes“ gespielt auf Klavier, Vibraphon und Balaphon, offenbar einer Art von sehr trocken klingendem Xylophon. Warum diese zehn Stückchen Zwischenspiele sind, weiß man eigentlich nicht recht, weil unbekannt bleibt, wozwischen sie spielen und worauf sie sich womöglich beziehen. Sie klingen eher nach Zwischendurch-Spielen: kleine stimmungsvolle Musik-Gedanken, versponnen, poetisch, scheinbar harmlos, gewiß trostreich. Manchmal erinnern sie trollig an Grieg, nur von ferne auch an den Jazz, etwa wenn sich der Pianist von dort ein paar exzessive Betonungen und ein paar Synkopen holt oder wenn er sich improvisierend dahingleiten läßt. Vertrieben wird diese Schallplatte übrigens von der Free Music Production, die kürzlich mit dem Berliner Kritikerpreis für Musik ausgezeichnet wurde: für ihr ebenso eigenwilliges wie mutiges, von Konzerntaktiken wie Subventionen unbelastetes Free-Jazz-Programm. (FMP 0460) Manfred Sack

Hörens- und vergleichenswert

Johann Sebastian Bach: „Sämtliche Sonaten für Violine und Cembalo.“ Die jüngere historisch-kritische Musikforschung hat für die Barockmusik-Praxis eine Fülle von Erkenntnissen und Anregungen gebracht, die erst allmählich realisiert werden. Auch die Wiederentdeckung der Empfindung, die Möglichkeit, die Scheu vor der Bekanntgabe gleichwelcher Gefühle wieder abzulegen, die eine Übersentimentalisierung einmal bewirkt hatte, die Untersuchungen schließlich zur Bauweise und Handhabung der Instrumente haben neue Verhaltensweisen in der Tongebung wie der Phrasierung auszubilden geholfen. Vor allem die Streichermusiken haben davon bislang profitiert, die größer besetzten zumal, während die solistischen Kompositionen – und dazu zählen auch die vorliegenden Sonaten – immer noch, als Domäne der großen Stargeiger, jene morganatische Ehe zwischen dem Wandervogel und der symphonischen Muse reflektieren. Lucy van Dael und Alan Curtis, aus dem Umkreis der Amsterdamer Reformer, spielen die Sonaten auf wieder in den ursprünglichen Zustand versetzten Instrumenten mit jener neuen „beseelten“ Tongebung und Phrasierung, ohne Baß-Stütze und in konsequenter Duo-Manier. Der Vergleich mit der Leonhardt-Fassung fällt durchaus positiv aus. (Electrola 1 C 151 – 30 759/60)

Heinz Josef Herbort