Die Stimmung an der Börse ist wieder einmal besser als die Lage. Allerdings nur, sofern es den Aktienmarkt betrifft. Die Situation bei den festverzinslichen Papieren ist nach wie vor undurchsichtig, wenn sich auch zum 1. Juni, dem Datum der Freigabe der Mindestreserven, eine gewisse Beruhigung gezeigt hat.

Die Kurseinbußen, die sich am Rentenmarkt in den letzten Wochen ergeben haben, wirkten an einigen Stellen Wunder. Man wurde nämlich daran erinnert, daß auch der Rentenmarkt nicht nur Einbahnstraßen hat. Es wurde über Alternativen nachgedacht – und so kam man auf die Aktien, die sich im Lichte der Körperschaftsteuerreform völlig verändert darstellen. Vor allem was ihre Renditen betrifft.

Einige Großanleger, wie beispielsweise die Albingia Versicherung, hatten sich den Aktien schon sehr frühzeitig zugewandt und können heute einen schönen Lohn für gezeigten Mut kassieren. Die Albingia hat im vergangenen Jahr 42 Prozent der ihr neu zugeflossenen Mittel zum Erwerb von Aktien benutzt und 25 Prozent zur Abrundung ihres Immobilienbestandes. Zur gleichen Zei stockten andere Versicherungen noch ihre „Nominalwerte“ auf – wegen der bei ihnen sicheren Verzinsung und des fehlenden Kursrisikos, soweit Schuldscheindarlehen erworben wurden. Jetzt scheint aber auch ein Teil der Vorsichtigen in die Aktien zu drehen.

Anlageschwerpunkte der „Institutionellen“ sind Versorgungs- und Bankaktien, also Papiere, bei denen die für 1977 gezahlten Dividenden auch weiterhin durchgehalten werden können. Bei den Kreditinstituten und den Stromversorgern ist dies schon heute sicher.

Neuerdings kümmern sich einige Anlegergruppen aber auch um die zyklischen Werte des Auto- und Maschinenbaus. Dahinter steckt ein vorsichtiger Konjunkturoptimismus. Er läßt sich zwar noch nicht von den Zahlen her begründen, aber „stimmungsmäßig“ hat er sich eben eingestellt. Im zweiten Halbjahr – so wird in den Börsensälen behauptet – wird sich die Wirtschaft langsam beleben.

Die beweglichen Börsianer richten ihre Blicke weiterhin auf Wallstreet, wo sich die Aufwärtsbewegung zur Zeit allerdings festgefahren hat. Doch der Dollar ist zumindest einigermaßen stabil geblieben. Nach einem weiteren Anstieg sieht es bei ihm aber vorerst nicht aus. Das meinen auch jene Ausländer, die gerade wieder begonnen haben, deutsche Aktien zu kaufen.

Das beliebteste Spekulationspapier der deutschen Börse ist seit Wochen die holländische Akzo-Aktie. Ihr Kurs war in diesem Jahr auf 20 Mark je Stück gefallen. Der Akzo-Konzern (Chemie und Fasern) ist seit Jahren dividendenlos, woran sich auch in diesem Jahr nichts ändern wird. Dennoch ist der Akzo-Kurs inzwischen auf 30 Mark gestiegen. Innerhalb relativ kurzer. Zeit waren also 50 Prozent zu verdienen.

Die Akzo-Aktien werden in 20-Gulden-Stücken notiert, ebenso wie die Philips-Aktien, die nur knapp 25 Mark kosten, aber auf die es eine Dividende von 17 Prozent gegeben hat. Es ist unerklärlich, warum unter diesen Umständen für die Akzo-Aktie mehr bezahlt wird. K.