Der einfängerische Titel täuscht. Der Autor, Mitglied der Gruppe 61 und bereits einmal mit einem beachtlich realistischen Jugendroman hervorgetreten („Die Entscheidung des Lehrlings Werner Blom“, Signal 1972), schildert den vorerst scheiternden Karriereversuch des Jungfußballers Fanz Schäfer:

Klas Ewert Everwyn: „Fußball ist unser Leben“; Arena, Würzburg; 184 S., 14,80 DM.

Franz tut sich in seinem ländlichen Fußballklub SV Höhe 08 so hervor, daß man „höherenorts“ auf ihn aufmerksam wird. Die Geschichte beginnt fast trivial mit einer im Stil einer Fußballreportage gehaltenen Schilderung eines Fußballspiels, in dem die Leistungen Schäfers in hellstem Licht erscheinen. Es war sein letztes Spiel für den Verein, endlich kann er sein „Kaff“ hinter sich lassen und zum Bundesligaklub der großstädtischen „Borussia“ wechseln. Damit scheinen seine Karriere- und Starträume fast über Nacht wahr zu werden. Doch die Wirklichkeit ist gar nicht so sonnig, wie er sich das gedacht hat.

Franz merkt, wozu man ihn eigentlich geholt hat: Er soll – als junge Konkurrenz – erlahmenden Altspielern auf die Sprünge helfen; die Spieler werden; aufeinandergehetzt, um ihre Leistung zu steigern. Er erfährt Abhängigkeit, Neid und Intrige, besonders als er seine Lehre eigenmächtig aufgibt, um sich ganz dem Training widmen zu können, und noch mehr, als er schließlich tatsächlich aufgestellt wird und in seinem dritten Spiel einen Elfmeter verschuldet, durch den das Spiel verlorengeht. So „vermasselt“ er seinen Kollegen die Prämie, und das zahlen sie ihm heim. Beim Geld hört der Spaß auf. Die Spieler sind nur Schachfiguren in einem profitbringenden Arrangement. – Franz läßt sich, schwer beleidigt, zu Tätlichkeiten hinreißen und flüchtet zu einem Mädchen, das sich ihm mal angedient hatte, als er noch der große kommende Jungstar war, erlebt deshalb auch hier eine Enttäuschung. Er wird auf Anweisung der „Kollegen“ beschattet, um ihn aus der Mannschaft ausbooten zu können. Auf einer Verhandlung mit dem Klubvorstand fällt es ihm wie Schuppen von den Augen; er schlägt einen Lösungsvorschlag aus und kehrt in sein Heimatdorf zurück. –

Diese – offenbar an einen realen Fall anschließende – Story wird spannend und mit einer größeren Anzahl psychologisch differenzierter und vielfach sehr kritisch gesehener Figuren erzählt. Es handelt sich um einen in eine schlüssige Handlung umgesetzten Erkenntnis- und Lernprozeß, der deutlich werden läßt, welches „wahre Spiel“ hinter der Fassade des massenbegeisternden „Sports“ gespielt wird. Dies geschieht, ohne daß die Geschichte je belehrend wird.

Was Franz jedoch selber nicht bemerkt und reflektiert: daß sein eigener Ehrgeiz, seine Profisehnsucht, sein aus kleinbürgerlichen Unterlegenheitsängsten resultierender Traum vom bewunderten Star im Grunde Produkt genau derselben Verhältnisse sind, an denen er scheitert. Er projiziert seinen Konflikt nach außen; er erkennt nur, daß er mißbraucht wird, von sich selber entfremdet wird; aber nicht, daß er die Bedingung dazu selber mit eingebracht hat. Mit seiner Rückkehr hat er seine falschen Träume durchaus nicht begraben. Dem wesentlichen Schritt zu einer realistischen Selbsterkenntnis verweigert sich Franz noch. Immerhin ist es möglich, daß der Leser diesen Schritt tut, wenn schon seine literarische Identifikationsfigur dazu nicht in der Lage war. – Eine Jugenderzählung, die längst fällig war. M. D.